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Der Katastrophe ein Gesicht geben

 Die „Nakba“-Ausstellung von Ingrid Rumpf (rechts) eröffnete Waltraud Andruet im Atelier Andruet. Foto: Johannes A. Bodwing
Die „Nakba“-Ausstellung von Ingrid Rumpf (rechts) eröffnete Waltraud Andruet im Atelier Andruet. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarwellingen. Völker werten ihre Geschichte nicht einheitlich, was häufig die Einschätzung historischer Ereignisse erschwert. In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die im Atelier Andruet in Saarwellingen eröffnete Ausstellung „Nakba“. Johannes A. Bodwing

"Nakba" ist arabisch und bedeutet Unglück oder Katastrophe. Dieser Begriff steht im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung von circa 700 000 Palästinensern in den Jahren 1947/48. Dazu hat der "Verein Flüchtlingskinder im Libanon" eine Ausstellung konzipiert, die seit Sonntag im Atelier Andruet in Saarwellingen gezeigt wird. Den Rahmen bilde die Ökumenische Friedens-Dekade vom 6. bis 16. November, sagte Waltraud Andruet bei der Eröffnung mit dem Motto "Kriegsspuren". Dazu hat Mario Andruet mit anderen Künstlern großformatige Bilder geschaffen, die das Motto plastisch zum Ausdruck bringen. Die Ausstellung "Nakba" konzipierte 2008 Ingrid Rumpf vom Vorstand "Verein Flüchtlingskinder Libanon". 14 große Folien enthielten Wesentliches zum Palästinaproblem ab Ende des 19. Jahrhunderts, schilderte Rumpf. Damals sei die "Idee des Zionismus unter den Juden gar nicht so beliebt" gewesen. Auswanderungen gingen vor allem in Richtung Amerika, weniger nach Palästina. Das habe sich durch Probleme in Europa geändert. Dazu zählte vor allem die Verfolgung der Juden im Zweiten Weltkrieg, wodurch Auswanderungen ins damalige Palästina ausgelöst wurden.


Beginn der Vertreibung



"Die Vertreibung der Palästinenser begann noch bevor die erste arabische Armee ihren Fuß auf palästinensisches Gebiet setzte", sagte Rumpf. Schon kurz nach dem Teilungsplan der Vereinten Nationen vom 29. November 1947 sei die Hälfte der Palästinenser aus ihrer Heimat geflohen. Als Hauptgründe der Flucht verwies Rumpf auf Schätzungen des Nachrichtendienstes der israelischen Armee, IDF. Demnach flüchteten allein 55 Prozent wegen jüdischer Angriffe auf arabische Dörfer und Städte. Diese Angriffe seien Teil der israelischen Strategie gewesen, erwähnt die Ausstellung. Sie beruft sich dazu auf Kriegstagebücher des ersten israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion. Als Folge davon lebten viele der Flüchtlinge seit Generationen in angrenzenden arabischen Staaten, stellte Rumpf dar.

Aktuelle Situation

Laut Vereinten Nationen seien es mehr als 450 000 registrierte palästinensische Flüchtlinge allein in zwölf offiziellen Lagern im Libanon. "Dort haben sie ganz große Probleme, sich ein selbstständiges Leben aufzubauen." Denn die Rechte außerhalb der Lager seien für Palästinenser stark eingeschränkt. Sowohl beruflich wie schulisch und auch in Bezug auf den Erwerb von Eigentum.

Der Verein Flüchtlingskinder im Libanon unterstütze soziale Projekte sowie die Förderung und Ausbildung von Mädchen vor Ort. "Insofern machen wir Fluchtursachenbekämpfung", sagte Ingrid Rumpf.

Geöffnet ist die Ausstellung "Nakba" im Atelier Andruet, Bilsdorfer Straße 28 in Saarwellingen , bis 27. November, jeweils sonntags, 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei. Unterstützer sind das Friedensnetz Saar und Attac Untere Saar.