„Der Erwartungsdruck an Weihnachten ist viel zu groß“

Adventsserie : „Auch Zeit kann man Menschen schenken“

Der Saarwellinger Pfarrer Bernd Seibel hat in der Advents- und Weihnachtszeit viel zu tun, aber er genießt das.

Für den Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Saarwellingen, Bernd Seibel, gehört die Advents- und Weihnachtszeit zu den schönsten und gleichzeitig turbulentesten Zeiten des Jahres. Wenn andere sich auf die Familie besinnen, in sich kehren und zur Ruhe finden wollen, schiebt der Pastor Doppel- und Dreifachschichten: „Freizeit kann ich im Dezember vergessen, es ist die lebendigste Zeit des Jahres – trotzdem ist mir die Weihnachtszeit persönlich sehr wichtig.“

Obwohl eigentlich Ostern im Christentum der höchste Feiertag ist, spricht Seibel dem Weihnachtsfest eine noch größere Bedeutung bei: „Mit Weihnachten verbinden die Menschen einfach viel mehr, sie gehen aufeinander zu, besinnen sich auf ihre christlichen Werte und begegnen einander auf einer anderen Ebene.“ Außerdem ist die Stimmung gefüllt von herrlichem Duft, besinnlicher Musik und warmen Lichtern in der dunklen Jahreszeit eine festlichere, glaubt Seibel.

Für den Pastor hingegen beschränkt sich die Freizeit auf ein gemütliches Abendessen mit dem Kaplan am Heiligen Abend vor der Spätmesse und einen Besuch seiner Mutter am ersten Feiertag: „Mehr Zeit habe ich einfach nicht, aber der Kaplan und ich genießen auch die wenige Zeit bei einem kurzen Essen – schnell muss es dann trotzdem gehen, weil wir abends noch einen Gottesdienst haben.“ Geschenke kauft Seibel schon lange nicht mehr, auch wenn er die Tradition des Schenkens für wichtig hält: „Das größte Geschenk ist am Heiligen Abend ja die Menschwerdung Gottes – die Geburt Jesu. Um daran zu erinnern, halte ich Geschenke auch für wichtig.“

Das kann laut dem Pastor aber neben einem neuen IPhone oder gar einem Auto oder ähnlichem, auch einfach Zeit sein, die man einem anderen Menschen schenkt: „Auch auf eine Person zugehen, mit der man im Streit liegt, kann ein Geschenk sein.“ Wichtiger als der materielle Wert ist die Geste des Schenkens an sich, das wird heutzutage nur zu häufig vergessen. Wichtig findet der Pastor nur, dass man nicht vergisst, warum Weihnachten überhaupt gefeiert wird – das Rad der Geschichte lässt sich aber nur schwer zurückdrehen: „Bei Weihnachten wissen es die Menschen noch, bei Pfingsten wird das schon schwieriger.“

Auch die Katholische Pfarrgemeinde hat wieder einige Punkte zur Adventszeit im Programm. Neben der Beteiligung am Saarwellinger Weihnachtsmarkt, bei dem der Förderverein Glühwein und Gebäck verkauft, wird es wieder einen lebendigen Adventskalender geben: „Das ist eine sehr beliebte Sache, da wird in der Adventszeit jeden Abend vor einem anderen Haus der Gemeinde gefeiert und gesungen. Auch Gedichte werden dann vorgetragen. Wichtig ist nur, dass Menschen zusammenkommen, die ansonsten vielleicht nicht zusammenkommen würden“, betont der Pastor. Auch die Kinder-Wunschaktion, bei der bedürftige Kinder kleine Geschenke von Spendern bekommen, wird wieder angeboten.

Das Katholische Pfarramt in Saarwellingen mit Hausnummerr rüstet sich für die turbulente Advents- und Weihnachtszeit. Foto: Daniel Bonenberger

Zudem werden kleine Geschenke in Altenheimen vorbeigebracht, eine Kinderkrippenfeier mit Kinderchor wird angeboten, und es werden besinnliche Seniorennachmittage gefeiert. „Es wird auf jeden Fall eine Menge zu tun geben, das war zumindest mal eine kleine Auswahl unserer Aktivitäten“, betont der Pastor schmunzelnd – „langweilig wird es mir jedenfalls nicht werden.“ Aber, darin ist sich Seibel sicher, die Mühe lohnt sich, denn Weihnachten ist für ihn zwar die anstrengendste, aber auch die schönste und lebendigste Zeit des Jahres.