Denkmal für eine unbeugsame Frau

Saarwellingen. Bedeutende deutsche Schriftsteller stehen im "Hülzweiler Pfad" in Saarwellingen Pate. Die Straßen des Viertels sind benannt nach Heinrich Böll, Hermann Hesse, Kurt Tucholsky oder Thomas Mann. Die einzige Frau, der eine Straße gewidmet ist, ist die Schriftstellerin Elisabeth Langgässer. Die Autorin kam in den 1980er-Jahren zu ihrem Straßenschild in Saarwellingen

Saarwellingen. Bedeutende deutsche Schriftsteller stehen im "Hülzweiler Pfad" in Saarwellingen Pate. Die Straßen des Viertels sind benannt nach Heinrich Böll, Hermann Hesse, Kurt Tucholsky oder Thomas Mann. Die einzige Frau, der eine Straße gewidmet ist, ist die Schriftstellerin Elisabeth Langgässer. Die Autorin kam in den 1980er-Jahren zu ihrem Straßenschild in Saarwellingen. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung unternahm der Bauausschuss die Benennung des Elisabeth-Langgässer-Wegs, um in dem Schriftsteller-Viertel endlich auch eine schreibende Dame zu würdigen.Die Namensgeberin wurde am 23. Februar 1899 in Alzey geboren. Ihr katholisch geprägtes Elternhaus beeinflusste die junge Schriftstellerin und Lehrerin, die 1924 ihren ersten Gedichtband "Der Wendekreis des Lammes" veröffentlichte. Motive für ihre Literatur fand die allein erziehende Mutter auch künftig im christlich-mystischen Bereich, auch Begriffe wie Heimat und Schicksal spielen eine tragende Rolle.

Im Jahr 1931 zog Elisabeth Langgässer nach Berlin. Weil ihr Vater einst vom Judentum zum Katholizismus konvertiert war (diese schicksalhafte Geschichte griff sie 1946 in ihrem Roman "Das unauslöschliche Siegel" auf), galt die Autorin in der Diktatur des Nationalsozialismus als "Halbjüdin" und wurde 1936 mit einem Publikationsverbot belegt. Weil sie sich widersetzte, wurde sie zu Zwangsarbeit verurteilt. Während dieser Ausbeutung zeigten sich 1942, im Schicksalsjahr der Autorin, erste Anzeichen ihrer Erkrankung an Multipler Sklerose.

Ab 1944 lebte die Schöpferin von Gedichten, Hörspielen und Erzählungen in ständiger Angst um ihre Tochter, die nach Auschwitz deportiert worden war. Nach dem Krieg, den Mutter und Tochter überlebten, publizierte Elisabeth Langgässer, die aus Berlin nach Rheinzabern übersiedelte, weitere Werke, die auch die leidvolle Zeit des Holocaust und der eigenen Verfolgung durch die Nazis thematisierten.

 In den 1980er Jahren wurde eine Straße in Saarwellingen nach Elisabeth Langgässer benannt. Sie publizierte Gedichte, Hörspiele und Erzählungen. In der Diktatur des Nationalsozialismus wurde sie als "Halbjüdin" zu Zwangsarbeit verurteilt. Foto: Heike Theobald
In den 1980er Jahren wurde eine Straße in Saarwellingen nach Elisabeth Langgässer benannt. Sie publizierte Gedichte, Hörspiele und Erzählungen. In der Diktatur des Nationalsozialismus wurde sie als "Halbjüdin" zu Zwangsarbeit verurteilt. Foto: Heike Theobald

Im März 1950 wurde sie in die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur aufgenommen. Nur vier Monate später - am 25. Juli - erlag sie ihrer Krankheit in einer Karlsruher Klinik. Posthum wurde Elisabeth Langgässer, die mit 51 Jahren starb, mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Seit 1988 vergibt ihre Heimatstadt Alzey einen Literaturpreis, der - wie die Straße in Saarwellingen - nach der bedeutenden Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts benannt ist.