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Corona-Krise: Neue Hilfsinitiative Lieferhelden Saarwellingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : „Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß“

Zu den vielen neuen Hilfsangeboten im Kreis Saarlouis gehören auch die Lieferhelden Saarwellingen. Es geht um Einkäufe, Botengänge zum Arzt, Gassigehen und mehr, beispielsweise für Menschen aus Risikogruppen.

In Zeiten wie diesen rücken die Menschen näher zusammen: Viele neue Hilfsangebote entstehen derzeit. Ein Beispiel: Seit kurzem gibt es die Lieferhelden Saarwellingen, eine Initiative von ortsansässigen Vereinen in Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Die 35-jährige Tamara Wagner, kommissarische Leiterin des Amtes für Jugend, Senioren und Soziales der Gemeinde Saarwellingen, informiert darüber im SZ-Gespräch.

Tamara Wagner, kommissarische Leiterin des Amtes für Jugend, Senioren und Soziales der Gemeinde Saarwellingen. Foto: Elena F. Barbe

Frau Wagner, überall im Kreis Saarlouis entwickeln sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie (Nachbarschafts-)Hilfeprojekte – so gibt es auch, ganz neu, die Lieferhelden Saarwellingen. Wer und was verbirgt sich dahinter und wie kam es dazu?

Tamara Wagner: Die Lieferhelden Saarwellingen gibt es seit Montagmorgen. In der letzten Woche war die Gemeinde Saarwellingen zunächst mit einer Koordinierungsstelle gestartet. Bereits seit einiger Zeit gibt es immer wieder Einzelpersonen und private Initiativen, die ehrenamtliche Unterstützung in den Sozialen Medien für die Risikogruppen anbieten. So organisiert zum Beispiel der Frischemarkt in Reisbach für die Bürger einen Lieferdienst mit Freiwilligen und die mobile Tierbetreuung Huf und Pfötchen in Saarwellingen hat auch zusätzlich einen ehrenamtlichen Bringdienst eingerichtet. Der Großteil der Risikogruppen sind jedoch Seniorinnen und Senioren – und diese nutzen die sozialen Medien in einem viel geringeren Umfang als der Rest der Bevölkerung. Die Idee war hier, Helfende und Hilfesuchende über eine zentrale Telefonnummer zusammenzubringen.
Ende letzter Woche kam dann Dominik Schmitt vom Energie Zentrum Saar auf mich zu. Er kannte die Lieferhelden Schwalbach und wollte diese Initiative auch für Saarwellingen ins Leben rufen. Wir müssen nun die Helfenden nicht mehr „von Hand zu Fuß“ einzeln abtelefonieren, sondern Herr Schmitt verwaltet eine WhatsApp-Gruppe mit den Helfern. Wenn ein Hilfsgesuch reinkommt, wird dies in anonymisierter Form in der Gruppe eingestellt und der Freiwillige, der das Gesuch annehmen kann, bekommt dann die Daten des Hilfesuchenden. Die Detailabsprache erfolgt dann direkt zwischen diesen beiden Personen. Das Energie Zentrum Saar ist eigentlich gerade dabei, in größere Räumlichkeiten umzuziehen. In dem neuen Ladenlokal in der Lebacherstraße werden nun die Helfer sowie alles, was an Organisatorischem rein kommt, koordiniert, insbesondere auch Anfragen über die Facebookseite. Außerdem lagern hier Dinge wie Taschen, Einweghandschuhe usw. für die Helfer. Auch Formulare werden hier ausgehändigt, zum Beispiel Vordrucke von Vollmachten für Botengänge.

An wen richtet sich das Angebot der Lieferhelden, was wollen und sollen sie leisten?

Wagner: Die Lieferhelden richten sich einerseits an Menschen, die helfen wollen, und andererseits an Menschen aus Risikogruppen oder in häuslicher Quarantäne, die Hilfe brauchen. Dabei geht es in erster Linie um Einkäufe und Botengänge zum Arzt oder der Apotheke oder auch mal darum, den Hund auszuführen. Wichtig ist, dass der Eigenschutz nicht vernachlässigt wird – die Übergaben sollen möglichst kontaktlos (bei Quarantäne unbedingt) oder zumindest kontaktarm erfolgen und wer sich krank fühlt, soll keine Anfragen annehmen. Auch sollte jeder Helfer nur einen Hilfsbedürftigen betreuen, um die Kontakte gering zu halten und auch um einer Überforderung der Helfenden vorzubeugen.

Wie viele Lieferhelden haben Sie denn schon gefunden, was sind das für Leute?

Wagner: Bei uns direkt haben sich bisher circa 20 Hilfsbereite gemeldet, bei Herrn Schmitt weitere 15. Es handelt sich im Grunde um einen Querschnitt der Saarwellinger Bevölkerung. Menschen im Homeoffice, in der Kurzarbeit, Studenten und Schüler. Viele Menschen, die jetzt eigentlich in Urlaub gefahren wären, diesen aber nicht antreten konnten, sind dabei. Auch Flüchtlinge sind darunter, die sich freiwillig gemeldet haben, weil sie in der jetzigen Situation etwas zurückgeben möchten.

Und wie sieht es mit der Rückmeldung von Hilfesuchenden aus?

Wagner: Bisher hatten wir erst zwei Anfragen. Wie schon erwähnt, liegt das sicherlich daran, dass das Angebot den Risikogruppen noch nicht bekannt ist – dies wird sich vermutlich Ende der Woche ändern, da wir in den Saarwellinger Nachrichten inserieren werden. Außerdem haben wir auch die Hausärzte und Pflegedienste, die in der Gemeinde unterwegs sind, darüber informiert.

Konnten Sie denn schon helfen und wenn ja, wie?

Wagner: Wir hatten bereits am Donnerstag eine Anfrage einer älteren Dame, die mehrere Vorerkrankungen hat und nur noch circa für eine Woche Vorräte hatte. Wir konnten ihr schnell jemanden vermitteln, die ihr ab dieser Woche die Einkäufe vorbeibringt.

Wie erleben Sie die momentane Situation, sowohl was die angeht, an die sich die Unterstützungsangebote richten, als auch die, die in diesen schweren Zeiten ihre Hilfe anbieten?

Wagner: Bisher scheinen es gerade die älteren Risikogruppen zu sein, die sich mit den Vorgaben zur Eindämmung der Pandemie noch etwas schwer tun – so war beispielsweise eine Freundin meiner Oma etwas enttäuscht, dass sie sie jetzt nicht mehr besuchen kommt. Aber auch gerade bei den „jungen Alten“ fehlt noch oft das Bewusstsein, dass sie ab 60 zur Risikogruppe gehören, vor allem, wenn Vorerkrankungen vorliegen. Ich nehme jedoch wahr, dass dieses Bewusstsein langsam zunimmt. Im Rahmen unserer Arbeit haben wir außerdem erlebt, dass gerade die älteren Menschen, die alleine leben, einen erhöhten Redebedarf haben. Unsere Lieferhelden sollten sich daher auch darauf einrichten, dass telefonische Absprachen länger dauern können. Unsere Helfenden sind motiviert und auch untereinander gut vernetzt. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist sehr groß und es zeigt sich der feste Wille, das jetzt gemeinsam durchzustehen. Viele Helfer sehen es auch als „Respekt vor dem Alter“ und „Verantwortung für die Zukunft“, da wir alle alt werden und später – auch ohne Pandemie – vielleicht selbst auf Hilfe angewiesen sein werden.