Bundesfamilienministerin Giffey besucht Kita Kinderland Saarwellingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Kinderbetreuung in Saarwellingen : Bundesfamilienministerin Giffey besucht „Vorzeige-Kita“ Kinderland

Bundesfamilienministerin Giffey besuchte das Kinderland Saarwellingen, das besondere Öffnungszeiten anbietet.

„Hier sind die Kleinen riesengroß, bei uns ist was los“, sangen die sichtlich aufgeregten Kindergartenkinder in der Turnhalle der Kita Kinderland, Campus 2, in Saarwellingen. Einen solchen Medienrummel erleben sie nicht jeden Tag. Denn am Mittwoch hatten sie einen besonderen Zuhörer bei ihrem „Kinderland-Lied“: Denn die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat die Kita Kinderland besucht. Doch sie konnte den Kindern ihre Aufregung schnell nehmen: „Ich bin die Franziska, ich komme aus Berlin und ich bin die Ministerin auch für die Kitas“, erklärte sie. Und „als Glücksbringer“ verteilte sie noch den Plüsch-Bundesadler Freddy an alle Kinder und Erzieherinnen.

Nach Saarwellingen, „in diese modellhafte Einrichtung“, war Giffey auf Vorschlag ihrer Fachleute gekommen, wie sie erklärte. Sie sah sich die Räume im Campus II an und informierte sich über das spezielle Konzept der Einrichtung, sprach mit Kindern, Erziehern und Eltern. Und zeigte sich am Ende begeistert: „Wir brauchen mehr Kitas mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten, für Eltern, die keine normalen Arbeitszeiten haben, und davon gibt es sehr viele.“ In der Kita Kinderland sehe sie ihre Forderungen schon umgesetzt.

Das Gute-Kita-Gesetz, über das der Bund derzeit noch mit den Ländern verhandele, soll flächendeckend Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung bringen, betonte Giffey. Die Länder können dabei selbst entscheiden, in welche Schwerpunkte sie investieren. „Das Saarland ist hier schon sehr weit“, lobte Giffey. „Hier läuft das genau so, wie es gedacht ist.“

Die Staatssekretärin im Saar-Bilungsministerium, Christine Streichert-Clivot, erläuterte, im Saarland werde es zum Einen eine Entlastung bei den Gebühren für Eltern geben, auch eine generelle Befreiung für bestimmte Einkommensgruppen sowie Geschwisterbeiträge stünden im Fokus; zum Zweiten wolle man in die Qualität der frühen Bildungseinrichtungen investieren.

Giffey ergänzte, von Bundesseite soll zudem eine Fachkräfte-Offensive starten, mit 5000 Plätzen in einer praxisorientierten, vergüteten Ausbildung zum Erzieher.

Weil man gerade in Westdeutschland immer noch Debatten führen müsse darüber, ob eine Fremdbetreuung bei kleinen Kindern nicht Schaden anrichte, interessierte Giffey auch, ob es auch Kritik an dem Betreuungskonzept gebe: „Wir müssen vermitteln, zeigen, überzeugen, dass es den Kindern hier gut geht.“

Gerade in den ersten Jahren seien die langen Öffnungszeiten auch kritisiert worden, bestätigte Maren Jung, die die pädagogische Gesamtleitung hat. Doch man habe Skeptiker und Kritiker eingeladen und überzeugen können, dass ein durchdachtes Konzept hinter der Arbeit stehe, bei dem das Wohlergehen der Kinder im Mittelpunkt stehe.

„Für die Bedürfnisse von Eltern, die in Wechselschicht arbeiten, oder von Alleinerziehenden, die sonst gar nicht arbeiten könnten, reichen übliche Öffnungszeiten nicht aus“, sagte Landrat Patrik Lauer. „Unsere Idee war es damals, als Kreis eine eigene Einrichtung zu gründen, die nicht in Konkurrenz zu den anderen Kitas steht, mit strengen Aufnahmekriterien. Wir müssen vielen Eltern absagen, die wegen des pädagogischen Konzepts hierher kommen wollen.“

Die Entwicklung der Einrichtung sei für den Kreis als Träger „phänomenal“, sagte Lauer, die Nachfrage sei riesig. Aber nur durch die Mischfinanzierung, mit Beteiligung von Kommunen, Arbeitgebern und Eltern, funktioniere dieses Modell, hob Lauer hervor. „Es steckt viel Herzblut drin, viel Arbeit, und es kostet viel Geld“, sagte er. „Aber ich finde es erstaunlich, dass noch kein Landkreis im Saarland es für nötig hielt, uns nachzueifern.“ Denn das Modell der „Vorzeige-Kita“ sei durchaus übertragbar.

Info

Die Kinderbetreuungseinrichtung Kita Kinderland in Trägerschaft des Landkreises Saarlouis bietet seit 2011 ein besonderes pädagogisches Konzept für Krippen- und Kindergartenkinder auch in Randzeiten an. Sie ist von fünf bis 23 Uhr geöffnet, bei Bedarf auch am Samstag und hat keine Schließtage.

In zwei benachbarten Häusern, Campus I und II, werden derzeit 215 Kinder zwischen null und sechs Jahren betreut, davon 121 zu den erweiterten Zeiten. Ein drittes Haus für weitere 94 Kinder wird, ebenfalls am Standort Campus Nobel, im Mai eröffnet, ein viertes Haus ist schon in der Planung, es soll eine Internationale Kita werden.

Eltern im Landkreis Saarlouis, die etwa im Schichtdienst arbeiten, soll mit dem Angebot die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht werden. Kooperationen bestehen unter anderem mit den Ford-Werken, der Bundeswehr und dem DRK. Vergeben werden die Plätze nur bei nachgewiesenem Bedarf. Der Arbeitgeber zahlt dabei einen Anteil der Betreuungskosten, auch die 13 Kommunen des Landkreises beteiligen sich an der Finanzierung.