Bürger wehren sich gegen Erweiterung Gewerbegebiet John Saarwellingen

Umwelt : Betrieb soll Natur nicht vertreiben dürfen

1600 Unterschriften sind zusammengekommen: Saarwellinger Bürger wehren sich gegen die Erweiterung des Gewerbegebiets John auf Kosten eines Biotops.

Völlig unverständlich, was da läuft – das finden nicht nur direkte Anwohner des Gewerbegebietes John in Saarwellingen. Rund 1600 Unterschriften kamen bislang zusammen gegen eine Betriebserweiterung, die hektarweise Natur kosten würde.

„Wir sind noch da. Der Widerstand wird stärker.“ Mit dieser Einstellung stand am Freitag Rechtswissenschaftler Professor Thomas Gergen vor Ort. Einen Steinwurf von seinem Haus entfernt steht die Alufassade eines Betriebes. Dahinter liegen weitere Firmen des Gewerbegebietes. Gleich südlich davon beginnt ein bewachsenes Gelände, etwa zehn Hektar groß. Dort hinein will sich nach letzten Informationen ein Betrieb mit einer neuen Halle ausweiten.

Die Informationen der Gemeinde über Sinn und Zweck dieser Maßnahme seien dürftig, beklagten Mitstreiter Gergens. Etwa zwei Dutzend waren gekommen und zeigten Vertretern der Grünen das betreffende Gelände. Dazu gehörten Markus Tressel, Bundestagsmitglied und Vorsitzender der Grünen Saar, sowie die stellvertretende Landesvorsitzende und Kreistagsmitglied Claudia Beck.

„Zehn Hektar waren einmal vorgesehen“, sagte zu den ursprünglichen Erweiterungsplänen Michael Schneider, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Saarwellinger Gemeinderat. „Dann waren es 6,6, jetzt sind es um die vier Hektar.“ Was da laufe, mache ihn ratlos.

„Die haben hier in den 90er Jahren ein Becken ausgehoben“, erzählte eine Anwohnerin später am Lärmschutzwall. „Das ist heute ein Biotop.“ Andere berichteten, dass die Gemeinde anscheinend von alldem nichts wisse. Genauso wenig von einer vor Jahren durchgeführten Aufpflanzung der Fläche. „Da wurde ein Gutachten gemacht und gesagt, es gibt dort keine Amphibien“, wunderte sich Rainer Jungmann, zusammen mit Gergen der maßgebliche Akteur im Widerstand gegen die Naturzerstörung. Aber diese Untersuchung sei im April erfolgt, wenn kein Frosch quakt. Doch nicht nur Frösche gebe es. Von Wildschweinen, Rehen und sogar Wildkatzen war die Rede. Denn die betreffende Fläche gilt als Verbindungszone zwischen Dickenwald und dem Naturschutzgebiet Ellbachtal.

„Wenn tatsächlich dort gebaut wird, dann müssen die Tiere über einen schmalen Streifen am Lärmschutzwall“, erläuterte Jungmann. Dieser Wall trennt das Gewerbegebiet John vom gleichnamigen Industriegebiet. Als „Gewerbesteueregoismus“ bezeichnete Markus Tressel eine so isolierte Betrachtung, wie sie derzeit beim Vorhaben in Saarwellingen zu laufen scheint.

Später hielt Tressel verwundert sein Smartphone hoch. „Ich habe mal schnell nachgesehen. In Saarwellingen sind alleine 50 000 Quadratmeter Gewerbeflächen frei.“ Vor diesem Hintergrund sei es völlig unverständlich, dass dennoch Natur weichen solle für Betriebserweiterungen. Was vielen aktuell nicht behagt, ist der Ablauf auf Seiten von Verwaltung und Bürgervertretung. „Jetzt wird das beschleunigte Verfahren noch beschleunigt“, sagte Gergen zu einer Sitzung des Bauausschusses diese Woche. Denn da sei der Ortsrat involviert, damit es noch schneller gehe. „Und am 12.9. wird im Gemeinderat beschlossen.“

Doch völlig ohne Gegenwehr wollen sie das aus ihrer Sicht unsinnige Projekt nicht hinnehmen. Tressel hat einen Brief an Bürgermeister Manfred Schwinn zugesagt, um auch auf Alternativen hinzuweisen. Beck meinte: „Wir wollten uns heute erst einmal informieren, bevor wir im Kreis als Fraktion etwas machen können.“ Die Gruppe um Thomas Gergen wird beim zuständigen Ministerium nachfragen, ob Rückzahlungen durch die Gemeinde anfallen werden. Denn die inzwischen von der Natur eroberte Grünfläche wurde mit Fördermitteln angelegt. Sie wieder zur Gewerbefläche umzuwidmen, könnte die Gemeinde zusätzlich Geld kosten.

Und „die Erwägung, eine Klage zu erheben, ist auf jeden Fall da“, sagte Jurist Gergen abschließend. Es gebe sogar mehrere Leute, die das ins Auge gefasst hätten. „Wir warten nur noch die Ergebnisse der Sitzung ab.“

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