Barbara Bürkle und Kevin Dean bei Jazzwerkstatt Saarwellingen

Jazz : Mit Beatbox und Vibrafon im Wohlfühlkino

Halbzeit bei der International Jazzwerkstatt: Mit Bebop von Barbara Bürkle und Scat-Sänger Randolph Matthews, neuer Publikumsliebling in Saarwellingen.

Die „Three Tenors“ am Mittwoch haben die Erwartungen mindestens erfüllt; besser geht Bebop nicht. Am Donnerstag war das Publikum etwas kleiner, aber nicht weniger begeistert. Auf dem Weg „From Bop zu Beat“  ist ihm allerlei begegnet, angefangen mit astreinem Bebop von Charlie Parker, dargeboten vom kanadischen Trompeter Kevin Dean, bis hin zum elektronisch verarbeiteten Beatboxing. Am Wegesrand gab es einige Überraschungen, zu denen die beiden Duette des Schlagzeugers Jim Hart und des Percussionisten Adriano Adewale gehörten sowie der Gitarrenpart des seit Jahr und Tag in Saarwellingen geschätzten Bassisten Davide Petrocca – und ein wunderschönes Duett von Barbara Bürkle mit Jim Hart am Vibrafon.

Im ersten Teil gab Barbara Bürkle den Ton an. Sie startete fröhlich swingend mit Duke Ellington, gefolgt von dem schön als Bossa gespielten „Embraceable You“ von George und Ira Gershwin (vor dem Bebop entstanden) und Boblicity von Miles Davis (Übergang vom Bebop zum Cool Jazz).

Auf dem weiteren Weg fehlte es nicht an Balladen. Barbara Bürkle sang „Two for the Road“ von Henry Mancini mit sehr viel Seele, aber nicht sehr sentimental. Vor der Pause pfiff sie Bebop-schnell, was sonst ein Soloinstrument spielen würde. Das Publikum war begeistert.

Dann kam Randolph Matthews, der beim Eröffnungskonzert bereits mit Scat-Gesang aufhorchen ließ. Mit dem Klassiker „Round Midnight“ machte er von vornherein klar, dass er ein veritabler Jazzsänger mit einem Stimmumfang vom flötenhaften Falsett bis zum gurgelnden Bass ist.

Der vielfach interpretierte Monk-Titel geriet zu einem Leckerbissen, nicht zuletzt dank der Rhythmusgruppe mit John Turville (Klavier), Ulrich Glaszmann (Bass) und Jim Hart (Schlagzeug und Vibrafon), zu der sich noch Adriano Adewale (Percussion) und Niclas Meier (Gitarre) gesellten. Welch luxuriöse Verfügbarkeit erstklassiger Instrumentalisten.

Dann gingen die anderen von der Bühne. Matthews sang Gesangsstückchen ein, machte daraus am Mischpult Loops, so dass der Eindruck eines viel größeren Szenarios entstand. Zu sehen war einer, zu hören waren viele und dazu noch Instrumente, vor allem Bass. Und das Publikum ließ sich auf einen lustigen Wechselgesang mit Matthews ein, welcher im Laufe seines Auftritts zunehmend auch an komödiantischer Qualität gewann.

Der gebürtige Londoner mit Wurzeln in der Karibik kann die Augen rollen wie ein Kintoppdarsteller, intelligente Witze machen und über sich selber lachen. Das war das reinste Wohlfühlkino. Der Entertainer ist jedoch vor allem Vokalinstrumentalist. So mündete der im Konzerttitel angesprochene Weg tatsächlich beim Beatbox, indem Matthews allerlei Sounds nicht nur mit den Stimmbändern produzierte. Das erinnerte an Al Jarreau. Just indem Matthews „Take Five“, mit dem Jarreau in den 70er Jahren seinen internationalen Durchbruch feierte, sang, bekannte er sich zu seinem Vorbild. Er muss als dessen Nachfolger betrachtet werden.

Wer ein gemeinsames Programm von Barbara Bürkle und Randolph Matthews erwartet hatte, wurde am Schluss mit einem Schmankerl entschädigt. Zusammen improvisierten beide ein textfreies Liebeslied ohne Begleitung und ohne Bedeutung.

Am heutigen Samstag um 19 Uhr ist das Abschlusskonzert der Workshop-Combos und am Sonntag um 19 Uhr das Choir & Bigband Meeting mit dem Werkstattchor von Barbara Bürkle, der Jailhouse Bigband unter Leitung von Alfred Hedrich und das Silent Explosion Orchestra von Kevin Naßhan: wie die vorangegangenen Konzerte in der alten Backsteinhalle von Dynamit Nobel auf dem Saarwellinger Campus Nobel.

Der kanadische Trompeter Kevin Dean lieferte feinsten Bebop. Im Hintergrund performt die deutsche Jazz-Sängerin Barbara Bürkle. Foto: Gerhard Alt

Zu dem Ganztagsworkshop für Jazzchor sind noch am Sonntagmorgen Anmeldungen möglich. Kontakt per E-Mail: kultur@saarwellingen.de

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