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Integration
Baraa Shamoun hat sich seinen Traum erfüllt

„Man muss mutig sein“, sagt Baraa Shamoun. Flüchtlingen rät er, die deutsche Sprache zu lernen.
„Man muss mutig sein“, sagt Baraa Shamoun. Flüchtlingen rät er, die deutsche Sprache zu lernen. FOTO: Carolin Merkel / Merkel Carolin
Saarwellingen. Vor zwei Jahren floh der 21-jährige Syrer aus Aleppo nach Deutschland – jetzt arbeitet er als Friseur in Saarwellingen. Von Carolin Merkel

„Man muss mutig sein“, erklärt der 21 Jahre alte Baraa Shamoun und strahlt über das ganze Gesicht. Gerade noch den Rasierer in der Hand, verabschiedet er sich von seinem Kunden – Zeit für einen kleinen Plausch. „Sie können den ganzen Tag vorbeikommen, ich bin immer hier“, hat er am Telefon gesagt, als es um einen Besuch der Saarbrücker Zeitung ging. „Hier“, das ist Shamouns Arbeitsplatz, der Friseursalon in der Saarwellinger Bahnhofstraße. Dort hat sich der junge Syrer, der vor gut zwei Jahren aus Aleppo zusammen mit seinem Bruder nach Deutschland floh, seinen Traum erfüllt.


Wenn er genau nachdenkt, sagt er, hatte er sogar schon in Syrien den Traum vom eigenen Friseursalon. „Ich habe in Syrien als Friseur gearbeitet. Nur hat man dort keine Papiere, man geht zum Arbeiten und lernt die Praxis“, erzählt er. Damit hatte der junge, hochgewachsene Mann auch in seiner neuen Heimat keine Probleme. Sobald es an die Arbeit mit den Kunden ging, zeigte sich Baraa Shamoun von seiner besten Seite. Anders dagegen in der Berufsschule. „Ich konnte einfach viel zu wenig Deutsch, habe immer nur schlechte Noten geschrieben, hätte so nie den Abschluss geschafft“, sagt er. Also entschied er sich für einen nicht ganz so alltäglichen Weg. Er machte sich im vergangenen Jahr auf die Suche nach einem Salon und einem Meister, den er anstellen wollte.

Fündig wurde Shamoun in Saarwellingen. Ein bisschen frischen Wind hat er in den Salon gebracht, vor allem die Herren dürften sich bei seinem Angebot richtig wohlfühlen. „In Syrien lernen wir nicht nur, die Haare zu schneiden und zu frisieren, sondern auch, wie man richtig rasiert“, erzählt er. Und das, hat er längst bemerkt, kommt in Saarwellingen richtig gut an.

Die Schule hat Shamoun erst einmal hinten angestellt, er will zunächst Berufserfahrung sammeln und Deutsch lernen. Und auch das, betont er, geht am besten an seinem Arbeitsplatz. „Auch hier muss man mutig sein. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich nach. Ich kann nur lernen“, sagt er. Irgendwann, davon träumt er, will er seinen Meisterbrief an der Wand hängen haben. „Das ist in Deutschland eben so, dass man für alles Papiere braucht“, sagt er und lacht.

Doch Angst hat er längst keine mehr, zeigt Unverständnis für die, die keine Arbeit suchen. „Manche haben mich gefragt, warum ich das mache. Aber ich will arbeiten, will meinen eigenen Friseursalon. Das ist mein Ziel“, erklärt er. Allen jungen Flüchtlingen rät er dazu, die Sprache zu lernen, aber auch allen Mut zusammenzunehmen und sich auf den Weg zu machen, um seine Träume zu verwirklichen.



Hairstyle by BS, Bahnhofstraße 14, 66793 Saarwellingen, Telefon (0 68 38) 83 09 83, Öffnungszeiten: montags bis freitags 9 bis 20 Uhr, samstags 8 bis 18 Uhr.