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Auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren

Auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren

Saarwellingen. Während einer Deutschland-Reise besuchte das jüdische Ehepaar Karl und Ferna Kaufmann aus New Jersey/USA auch die Gemeinde Saarwellingen - auf den Spuren ihrer Vorfahren. Denn Ferna Kaufmanns Mutter Johanna Ackermann, geborene Lazar, wurde im Jahr 1903 in Saarwellingen geboren

Saarwellingen. Während einer Deutschland-Reise besuchte das jüdische Ehepaar Karl und Ferna Kaufmann aus New Jersey/USA auch die Gemeinde Saarwellingen - auf den Spuren ihrer Vorfahren. Denn Ferna Kaufmanns Mutter Johanna Ackermann, geborene Lazar, wurde im Jahr 1903 in Saarwellingen geboren. Die beiden Heimatforscher Klaus Mayer und Hans-Peter Klauck hatten ein großes Bündel an Daten der Familiengeschichte für die Besucher zusammengetragen: Die Mutter von Ferna Kaufmann hatte im Jahr 1934 Sigmund Ackermann aus Weyer bei St. Goarshausen geheiratet. Nach der Hochzeit in Saarwellingen zogen sie nach Weyer, wo 1935 die Tochter Ferna zur Welt kam. Auf der Flucht vor den Nazis emigrierte die Familie in die USA. Sigmund und Johanna verstarben 1988 in New York.Johanna Lazar war die Tochter von Myrtil Lazar, jüdischer Viehhändler in Saarwellingen, und Frieda, geborene Mayer. Ein halbes Jahr nach der Geburt der Tochter Johanna kam Myrtil durch einen Autounfall bei Zollstock ums Leben. Ein Baron de Günzburg aus Kiew war mit dem Pferdewagen des Viehhändlers zusammengeprallt. Noch im selben Jahr zog Frieda Lazar mit ihrer Tochter nach Ulmet zu ihren Eltern.

Ein gemeinsames Abendessen der Besucher aus den USA mit den beiden Heimatforschern und Sigrid Bettscheider vom Kulturamt Saarwellingen fand an "historischer" Stätte statt: In einem italienischen Restaurant in der Saarwellinger Bahnhofstraße, wo einst die Urgroßeltern von Ferna Kaufmann, Nathan Lazar und Juliana, geborene Kaiem, mit ihrem Sohn Myrtil gewohnt hatten.

Beim Besuch auf dem Judenfriedhof in der Schließstraße konnten die Eheleute Kaufmann die Gräber von Nathan und Juliana Lazar besichtigen. Die gut erhaltenen Grabsteine zeigen Namen und Sterbedatum der Urgroßeltern von Ferna Kaufmann. Die Beerdigung ihrer Urgroßmutter Juliana war die letzte Beisetzung auf diesem Friedhof, bevor dieser vom Saarwellinger SA-Trupp der NSDAP in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 total verwüstet worden war.

Alle Grabplatten, die nach dem Krieg nicht mehr zuzuordnen waren, sind an der Friedhofstreppe zu einem eindrucksvollen Monument zusammengetragen worden - vermutlich auch der von Ferna Kaufmanns Großvater Myrtil Kaufmann.

Als Gastgeschenk übergab Bürgermeister Michael Philippi den Gästen das Buch "Juden in Saarwellingen", das im Jahre 1989 von der Gemeinde herausgegeben worden ist. red