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Am Gedenktag 8. Mai Reinigung von Stolpersteinen in Saarwellingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Aktion gegen das Vergessen : Gedenken an die Opfer des Faschismus in Saarwellingen

Am denkwürdigen 8. Mai gab es eine Aktion in Saarwellingen.

Nach Mai 1945 wurde das größenteils zerstörte Saarwellingen recht schnell wieder aufgebaut. Für immer verschwunden blieb jedoch die einstmals vielfältige jüdische Bevölkerung. An sie und das Kriegsende vor 75 Jahren erinnerte am vergangenen Freitag eine Gedenkfeier in der Engelstraße 12. Man wolle „diesen Gedenktag der Befreiung vom Hitler-Faschismus nicht einfach verstreichen lassen“, teilte das Atelier Andruet im Vorfeld mit.

Deshalb hatten die Verantwortlichen des Ateliers aufgerufen, in Saarwellingen „den Opfern zu gedenken, die durch den Faschismus umgekommen sind“. Gegen 16 Uhr standen elf Teilnehmer in größeren Abständen vor dem Leo-Grünfeld-Haus. Früher war das die „Judengasse“, erklärte Hans Peter Klauck vom Gemeindearchiv. Um 1900 herum machten Juden etwa zehn Prozent der Einwohner in Saarwellingen aus. Die Engelstraße 12 war das jüdische Schulgebäude und Leo Grünfeld der letzte Lehrer. Etwas weiter in Richtung Pfarrkirche befanden sich neben anderen Gebäuden eine Arztpraxis und ein jüdisches Café.

Gegenüber lag die Synagoge. Die wurde im November 1938 zerstört, 51 jüdische Bürger Saarwellingens wurden vertrieben. Für viele, auch bereits früher Geflüchtete, war es der Beginn einer Leidenszeit, die im Konzentrationslager endete. An sie erinnern inzwischen sogenannte Stolpersteine. Die hat der Künstler Günter Demnig seit 2011 in Gehwegen eingelassen. Auf den Messingplatten stehen die wesentlichen Informationen zu den Personen. Die lauten vor der Hausnummer 12: „Hier lehrte LEO GRÜNFELD JG. 1901 Deportiert 1941 Łodz ???“ Am Haus selbst gibt eine Tafel an: „1944 fand er mit seiner Familie in Auschwitz den Tod.“ Das waren seine Ehefrau Zerline und der zehnjährige Sohn Alfred. 79 Stolpersteine sind bislang in Saarwellingen verlegt worden, sagte Klauck. Weitere zwölf liegen derzeit bereit.

„Wir haben das ganz bewusst auf den 8. Mai gelegt“, sagte Waltraud Andruet. Auf den Tag „der Befreiung vom Hitler-Faschismus“, um aller Opfer des Faschismus zu gedenken. Denn was geschehen war, werde zum Teil wieder relativiert, gleichzeitig nehme rechtes Denken wieder zu.

„Auch wir als Kirche haben in dieser Zeit größtenteils versagt“, sagte Pfarrer Bernd Seibel. Er las aus dem Vorwort zum Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz. Die hatte Ende April dieses Jahres das Verhalten katholischer Bischöfe in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges kritisch dargestellt. Demzufolge „war die katholische Kirche in Deutschland Teil der Kriegsgesellschaft“. Dadurch blieb größtenteils der „offene Protest der deutschen Bischöfe gegen den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg aus“.

Im Anschluss an die Feier folgte die Reinigung von Stolpersteinen im Zentrum von Saarwellingen. An jeden wurde anschließend ein Zweig mit Fliederblüten gelegt.