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Abwasser soll Breitwies heizen

Hier entsteht das Einkaufszentrum Breitwies, das mit Abwasser-Wärme heizt. Foto: Rolf Ruppenthal
Hier entsteht das Einkaufszentrum Breitwies, das mit Abwasser-Wärme heizt. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Saarwellingen. Zusammen mit dem neuen Versorgungszentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und Ärztehaus in der Breitwies will die Gemeinde Saarwellingen ein Pilotprojekt umsetzen: Geheizt werden soll nur mit Wärme aus Abwasser. Von SZ-RedakteurinMichaela Heinze

Energie aus Abwasser: Dieses Pilotprojekt für das Saarland soll das geplante Versorgungszentrum Breitwies in Saarwellingen (wir berichteten) komplett CO{-2}-neutral gestalten, das erklärt der Saarwellinger Bürgermeister Michael Philippi im SZ-Gespräch.

Bei vorbereitenden Arbeiten hat die Gemeinde diese Idee schon berücksichtigt. Denn, sagt Philippi: "Energie aus Abwasser ist technisch machbar, das hat eine Studie gezeigt. Und das Projekt ist auch wirtschaftlich darstellbar."

Selbstverständlich sei die Technik, Heizenergie aus der Wärme des Abwassers zu gewinnen, keine neue Erfindung, deutschlandweit werde sie schon eingesetzt. Aber eben im Saarland noch nicht.

Umsetzung vertraglich regeln

"Wir hoffen darauf, dass der noch zu findende Investor für das Versorgungszentrum dieses Pilotprojekt mit umsetzt und werden dies vertraglich festlegen", betont Philippi, dem die Sache sehr wichtig ist. Zumal der Entsorgungsverband Saar (EVS) bereits bei der Kanalsanierung einige tausend Euro zusätzlich für Spezialrohre ausgegeben habe. Diese würden für das Pilotprojekt gebraucht. "Statt 700er sind es 800er Rohre", sagt Siegbert Molitor, Leiter des Saarwellinger Bauamts. Die Fachleute benutzen als Maß die Einheit Diameter Nominal (DN), was dem Innendurchmesser der Rohre in Millimetern entspricht. "Außerdem müssen drei Schächte im Kanalsystem größer sein als normal", ergänzt Molitor die Liste an Erfordernissen.

Vereinfacht gesagt, funktioniert die Technik laut Molitor so: Die Kanalrohre enthalten Edelstahlplatten mit einem Röhrensystem, das mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Diese zieht eineinhalb Grad Celsius aus der Wärme des Abwassers und transportiert sie zu einer Wärmepumpe. So wird die Heizenergie gewonnen.

Das System heizt und kühlt

Umgekehrt sei eine Kühlung mit dem System möglich.

Theoretisch soll dieses System den gesamten Komplex Breitwies versorgen. "Lediglich bei hohen Minustemperaturen im Winter ist es denkbar, dass auch zusätzlich Strom für die Heizung verbraucht wird, doch dieser soll dann durch Photovoltaik auf den Dächern des Versorgungszentrums gewonnen werden", erklärt Molitor.

Doch bevor es an die Umsetzung des Einkaufszentrums inklusive des Pilotprojekts geht, muss erst einmal noch der Bebauungsplan stehen. Letzte Bausteine dafür sind ein Verkehrs- und ein darauf basierendes Lärmgutachten (wir berichteten).