Abschluss International Jazz Werkstatt Saarwellingen 2019

Volles Haus! Jazz Werkstatt : Fulminanter Abschluss der Jazz-Werkstatt

Eine Woche voller Jazz ist am Sonntag in der Werkshalle auf dem Campus Nobel mit Auftritten des Werkstattchors, der Jailhouse Bigband und des Silent Explosion Orchestra zu Ende gegangen.

Fulminanter Abschluss der 15. International Jazzwerkstatt! Das Publikum in der komplett besetzten Werkshalle ließ sich beim Choir & Bigband-Meeting am Sonntagabend zu Beifallsstürmen mitreißen. Alle vier Dozentenkonzerte zuvor waren sehr gut; am Freitagabend haben noch einmal fast alle der 17 internationalen Dozenten zusammen gespielt. Das war klasse. Und auch die Combos der Teilnehmer hatten samstags erfolgreiche Auftritte. Dann bescherte der traditionell abschließende Chor-und-Bigband-Abend dem Festival noch einen echten Knüller.

Um es vorweg zu sagen: Das lag am Silent Explosion Orchestra. Der Bandgründer und -leiter Kevin Naßhan (Jahrgang 1992) sorgt am Schlagzeug für unwiderstehlichen Drive und bedient damit zugleich das gesamte Ensemble wie ein einziges Instrument. Fast unsicht- aber unüberhörbar macht Naßhan seinen Jungs Dampf. Da braucht es keinen Dirigenten. Den ersten Konzertteil bestritt der Werkstattchor unter Barbara Bürkle, die mit einer Ausnahme bei allen Dozentenkonzerten in wechselnden Formationen unter Beweis gestellt hat, dass ihre Stimme ein echtes Jazzmusikinstrument und sie selbst ein Energiebündel ist.

Davon hat sie am Sonntag einiges in einem Tagesworkshop an vier Sänger und elf Sängerinnen weitergegeben. Das Publikum bekam einen guten Eindruck davon, was zeitgenössische Jazzchöre ausmacht. Man könnte es auf Neudeutsch Fusion nennen – eine Mixtur aus traditionellem Chorgesang, Gospel, Swing, Rhythm and Blues und Scat, jenem textfreien Aneinanderreihen von Silben, von dem dieser Werkstatt-Jahrgang besonders viel zu bieten hatte.

Der zusammengewürfelte Chor hat mit seinem dynamischen Auftritt offenbar Mut gemacht, chormusikalisches Neuland zu betreten, einige improvisierten sogar Soli.

Auf einem festen Fundament steht die Jailhouse Bigband unter der Leitung von Alfred Hedrich. Als sie 1991 gegründet wurde, war Peter Herboltzheimers Rhythm Combination & Brass das Vorbild. Am Sonntag spielte die Band zwei Titel von Herboltzheimer und sonst typisches Bigbandrepertoire in aktuellen Arangements.

Alfred Hedrich leitete das Orchester in klassischer Dirigentenmanier, moderierte mit lehrreichen Hinweisen und sorgte für die Stückauswahl inklusive Zugabe. Die Band spielte blitzsauber, punktgenau und war der Sängerin Christina Meißner eine verlässliche Begleitung. Diese sang unter anderem Balladen mit einem schönen Timbre.

Bei einem Titel der Band Tower of Power gab Gilad Atzmon eine Tenorsax-Einlage. Den meisten Beifall erntete jedoch, und zwar zu Recht, der Posaunist Peter Hedrich mit einem Stück aus eigener Feder. Das war für die Besucher eine kleine Entschädigung dafür, dass die Posaune bei allen vorherigen Konzerten nicht vertreten war.

Peter Hedrich spielte außerdem ein schönes Solo beim Silent Explosion Orchestra. Svenja Heinzmann sang stimmgewaltig einen Song der isländischen Sängerin Björk.

Und wer meinte aus den vorherigen Konzerten alle Facetten der Vokalinstumentalistin Barbara Bürkle zu kennen, wurde eines Besseren belehrt: Ohne Probe und Soundcheck ließ sie sich auf einen kraftvollen Auftritt mit Naßhans Truppe ein. Das spricht für die Geradlinigkeit und Zuverlässigkeit dieser Bigband.

Viel Beifall gab es für Peter Hedrichs eigenes Stück. Foto: Gerhard Alt
Konzentriert: Kevin Naßhan leitet das Silent Explosion Orchestra vom Schlagzeug aus. Foto: Gerhard Alt

Johannes Müller spielte mit ihr eine lange, schwierige Eigenkomposition, Gilad Atzmon begeisterte mit einer von ihm für Bigband arrangierten Version des Bolero von Maurice Ravel. Und als Zugabe spielten beide mit dem Silent Explosion Orchestra Isn‘t she lovely von Stevie Wonder. Das Silent Explosion Orchestra von der Unteren Saar, das in Saarwellingen vor ein paar Jahren zum allerersten Mal aufgetreten war, hat nun gewiss neue Freunde gewonnen. Diese haben erkannt, dass da kommendes Großes im kleinen Saarland entstanden ist.

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