1560 Unterschriften: In Saarwellingen wehren sich Bürger gegen Bebauung

Industriepark John : Ein Knackpunkt ist der Waldverlust

Beteiligung der Öffentlichkeit: Die wurde in Saarwellingen jetzt ernst- und wahrgenommen. Es geht um den Industriepark John. 1560 Unterschriften kamen zusammen.

Kurz nach zehn Uhr bestätigte ein Sachbearbeiter des Saarwellinger Bauamtes den Empfang mit Stempel und Unterschrift. Ein dicker Stapel mit Listen lag auf seinem Tisch, mit insgesamt 1560 Unterschriften. Die hatte am Donnerstagmorgen rund eine Handvoll Bürgerinnen und Bürger im Saarwellinger Rathaus abgegeben.

Das war gleichzeitig der letzte Tag der Öffentlichkeitsbeteiligung zur „5. Änderung des Bebauungsplanes Industriepark John“. Dabei geht es um Erweiterungspläne einer einzelnen Firma im Industriepark John. 6,6 Hektar sind dafür vorgesehen. Die sollen im Westen Saarwellingens nahe dem Campus Nobel bebaut werden.

„Innerhalb einer Woche hat sich die Anzahl der Unterschriften nochmal nahezu verdoppelt“, sagte einer der Initiatoren, der Rechtswissenschaftler Professor Thomas Gergen, im Foyer des Saarwellinger Rathauses. Vormals seien es noch 800 Unterschriften gewesen. Diese 800 waren bereits am 1. Juli 2019 im Rahmen einer deutsch-luxemburgischen Wirtschaftskonferenz in der Luxemburger Handelskammer an die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger überreicht worden. Zu den jetzt 1560 Unterschriften erwachsener Personen kämen noch etwa 200 von Kindern und Jugendlichen, die nicht explizit aufgeführt sind. „Aber wir machen das ja auch für unsere Kinder“, sagte Gergen.

Was die Kritiker wurmt, ist unter anderem der grundsätzliche Ablauf des Verfahrens zur „5. Änderung des Bebauungsplanes Industriepark John“. Das, so die Befürchtungen, werde in einer der nächsten Sitzungen des Gemeinderates wohl als beschleunigtes Verfahren beschlossen. Bei dieser Vorgehensweise muss keine Umweltprüfung durchgeführt werden, bestätigte Gergen. Deshalb gehe es inzwischen nur noch um 6,6 Hektar. Denn ab sieben Hektar könne das beschleunigte Verfahren nicht mehr erfolgen.

Als weiteren Knackpunkt sehen die Kritiker den möglichen Waldverlust. Diese Fläche sei einmal mit EU-Mitteln als ökologischer Bereich angelegt worden. Falle der Wald, hätte das nicht nur Folgen für Klima- und Lärmschutz. Einerseits ginge eine ökologische Trittbrettfunktion verloren. Denn die Verbindung vom Naturschutzgebiet Ellbachtal bei Saarlouis-Roden zum Landschaftsschutzgebiet „Campus Nobel“ werde zerstört. Als zusätzliche Konsequenz „verschwinde dann weiterer Lebensraum für Wildschweine, und dieses Problem in Saarwellingen wird sich weiter verschärfen“, befürchtete Gergen.

Ob die Firmenerweiterung andererseits eine große Zahl an Arbeitsplätzen schaffe, sei fraglich. Denn es gehe dabei wohl vor allem um Lagerhallen. Dafür noch Wald zu fällen, obwohl künftig Flächen frei stünden, sei kein akzeptables Flächenmanagement. Schon jetzt gebe es viele leere Flächen im Industrie- und Gewerbegebiet John. Und die Entwicklung im Zusammenhang mit der Situation bei Ford und dem angeschlossenen Supplier-Park lasse weitere Leerstände erwarten.

Die Unterschriften gegen das Vorhaben stammten laut Gergen von Personen, die „einen Bezug zur in Rede stehenden Fläche sowie zum Industriepark John“ haben. Unter anderen Privatpersonen, von Lärm und Lkw geplagte direkte Anwohner und solche, die an Zufahrtsstraßen wohnen. Neben Gewerbetreibenden ist auch die örtliche Jagdgenossenschaft dabei. Der Nabu Saarlouis/Dillingen befürwortet die Aktion und kritisiert den Erweiterungsplan auf seiner Social-Media-Seite als „Flächen- und Ressourcenverschwendung in Reinform“. Er fordert „ein Umdenken in der Gemeinde und Landespolitik zum Wohle von Mensch und Natur“. Bürgermeister Manfred Schwinn war am Donnerstag noch in Urlaub, seine Vertretung erst am Nachmittag im Rathaus. Und die könne sich in dieser Sache nicht äußern, hieß es auf Anfrage.

Nach Abgabe der Unterschriften beginne nun das Warten auf die Ratsentscheidung, sagte Thomas Gergen. Vielleicht gebe es ja noch eine Feriensitzung, ansonsten müsse wohl zuerst der neu gewählte Rat sein Amt antreten. Dann könne es August oder September werden, bis über die Änderung des Bebauungsplanes entschieden wird.

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