100 Jahre voller Optimismus

Die Erlebnisse von Ilse Demmler klingen bemerkenswert: Zwei Weltkriege und die Flucht aus der DDR machen die Schwarzenholzerin selbst zu einem Stück Zeitgeschichte. Heute feiert die Optimistin ihren 100. Geburtstag.

Zwei Weltkriege , die Flucht aus der DDR, 17 Umzüge, fünf Kinder, 54 Jahre Ehe, 78 Jahre unfallfreies Autofahren : So könnte das Leben von Ilse Demmler, die am 10. Juli bei bester Gesundheit ihren 100. Geburtstag feiert, in Zahlen zusammengefasst werden. Die Lebensgeschichte der Frau, die von sich selbst sagt: "Ich fühle mich sauwohl", ist natürlich sehr viel bunter, hatte Höhen, aber auch viele Tiefen - doch bei all dem, da sind sich ihre Töchter einig, hat sich die 1915 in Thüringen geborene Mutter niemals ihren Optimismus nehmen lassen.

Die wohl schwierigsten Jahre, da muss Ilse Demmler nicht lange überlegen, lagen nicht in den beiden Kriegen. "Vom ersten weiß ich nur noch, dass es nach dem Ende endlich wieder weiße Brötchen gab", erzählt sie. Ihren Mann hat sie 1936 kennen gelernt, "nach drei Stunden hat er mich als seine Braut bezeichnet", erinnert sie sich und lacht. Er sollte die Liebe ihres Lebens bleiben, das junge Paar bekam während des zweiten Weltkriegs fünf Kinder. "Und aus allen ist was geworden", betont sie mit Stolz.

Für die drei Töchter , die in der Nähe wohnen, ist inzwischen jeder Dienstag zu einem Muttertag geworden. Dann besuchen sie Demmler in ihrer Wohnung in Schwarzenholz . Dort wohnt sie seit 1994.

Nach dem Krieg führte die Großfamilie ihr Leben auf ihrem Thüringer Hof mit Vieh- und Landwirtschaft fort, bis die Enteignung erfolgte und der Mann zum Eintritt in die Partei genötigt wurde. "Wir haben die Flucht aus der DDR gut vorbereitet, haben alles geheim gehalten", erzählt die Jubilarin. Schließlich schafften sie es am 24. Januar 1953 "mit fünf Kindern und sieben Koffern" in den Westen Berlins. Nach sieben Wochen Lagerleben ging es "nur mit den Kleidern auf dem Leib" nach Frankfurt. Schließlich kam die Familie getrennt bei Verwandten unter, die Zusammenführung gelang auf einem Hof in der Pfalz.

Doch auch hier war das Geld für die Großfamilie knapp, der Vater fand schließlich Arbeit im Saarland und mit seiner Familie eine neue Heimat. "Im Jahr 1980 ereilte ihn eine Erkrankung, er verlor beide Beine", erzählt Demmler. "Zum Glück hatte ich im Jahr 1936 gleich den Führerschein gemacht." Selbst Auto gefahren ist sie, erzählt Tochter Rita Becker, bis zum vergangenen Jahr.

Noch immer lebt die rüstige Dame allein, "nur auf Drängen hin konnten wir sie für alle 14 Tage zu einer Putzfrau überreden", erklärt die Tochter. "Es fehlt mir ja nichts, ich brauche eine Gehhilfe und muss aufpassen, dass ich nicht falle", sagt Ilse Demmler. Sie wünscht sich, dass ihr diese Gesundheit bis zum Ende ihres Lebens erhalten bleibt. "Ich möchte nicht bettlägerig werden und anderen zur Last fallen", wünscht sich die 100-Jährige.