| 21:02 Uhr

Jugendzentrum
Junge Politiker sind sich auch mal einig

Moderiert vom Geschäftsführer des Landesjungendrings, Georg Vogel, diskutierten (auf dem Podium von links) Alena Lauer (Jusos), Michael Vrazifulis (Solid), Andreas Hoffmann (Julis) sowie Juliette Helmer und Tim Gilzendegen (beide Grüne Jugend) über aktuelle Themen.
Moderiert vom Geschäftsführer des Landesjungendrings, Georg Vogel, diskutierten (auf dem Podium von links) Alena Lauer (Jusos), Michael Vrazifulis (Solid), Andreas Hoffmann (Julis) sowie Juliette Helmer und Tim Gilzendegen (beide Grüne Jugend) über aktuelle Themen. FOTO: Jörg O. Laux
Saarlouis. Vertreter von Jusos, Julis, Solid und Grüner Jugend haben in Saarlouis unter anderem über Flüchtlinge diskutiert. Von Jörg Laux

Auf Einladung der Jungen Liberalen (Julis) trafen sich am Dienstag im Saarlouiser Jugendzentrum (JUZ) Vertreter der Jusos, der Grünen Jugend und von Solid (Die Linke). Die Moderation hatte Georg Vogel, Geschäftsführer des Landesjugendrings Saar. Die Jugendorganisation der CDU, die Junge Union (JU) Saarlouis, hatte die Einladung ausgeschlagen (wir berichteten).


Also teilten sich an diesem Abend Juso-Kreisverbandsvorsitzende Alena Lauer, Juliette Helmer und Tim Gilzendegen, beide Sprecher der Grünen Jugend Saarlouis, Michael Vrazifulis, Landessprecher von Solid, und Andreas Hoffmann, Kreisvorsitzender der Julis, das Podium im JUZ. Unter anderem wollte man sich der Mobilität und dem zukünftigen AnkERzentrum („Zentrum für Ankunft, Entscheidung, Rückführung“) Lebach widmen. Dabei kristallisierten sich im Verlauf der Diskussion durchaus Gemeinsamkeiten heraus.

So war man sich im Podium in jugendlicher Unverblümtheit einig, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Kreis „scheiße“ sei. Kritisiert wurden der Preis, die nachteilige Wabenstruktur, die zu geringe Taktung und der schlechte Ausbau des ÖPNV auf dem Land. Während sich Jusos und Grüne Jugend für geringere Ticketkosten – vor allem für Schüler, Studenten und Azubis – aussprachen, traf die Forderung der Solids nach einem kostenlosen ÖPNV bei den Julis auf wenig Gegenliebe. Lediglich die Grüne Jugend konnte einem kostenlosen ÖPNV, aber nur in den ohnehin hochsubventionierten ländlichen Regionen, etwas abgewinnen. Auch in Sachen Radwege und E-Bike-Ladestationen sahen die jungen Politiker Nachholbedarf im Kreis.



Spannend wurde es beim Thema AnkERzentrum. Konsens war hier zwischen allen Diskutanten, den Plan, aus der Landesaufnahmestelle Lebach ein solches zu machen, abzulehnen. Die Julis befürchten vor allem eine Überbelegung und die damit verbundenen Probleme. Der junge Grüne Gilzendegen erinnerte sehr emotional daran, dass es sich bei den Flüchtlingen um Individuen handle, jeder mit einem eigenen Schicksal. „Ein solches AnkERzentrum ist für uns ein Abschiebelager. Das ist wie eine Drehtür: rein, raus!“

Lauer betonte, dass die Jusos mit der Pro-AnkERzentrum-Haltung der Landes-SPD nicht übereinstimmen: „Wir sind strikt dagegen und wollen, dass es so bleibt, wie es ist.“ Sie befürchtet, dass es zu mehr Abschiebungen und aufgrund der Situation in einem AnkERzentrum auch zu mehr Konflikten unter den Flüchtlingen kommt. Vrazifulis kritisierte in diesem Zusammenhang einen Rechtsruck in der Sprache, der sich an „ekelhaften Euphemismen“ (Beschönigungen) wie „AnkERzentrum“ festmache. Hier werde Wahlkampf auf Kosten der Flüchtlinge gemacht. Er freute sich, dass sich alle im Podium entschieden gegen solche AnkERzentren aussprachen.