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Zwischen Napoleon und den Preußen

Zwischen Napoleon und den Preußen

Viel älter als das Saarland selbst ist der Historische Verein für die Saargegend: Seit 175 Jahren treffen sich dort Geschichtsinteressierte. Früher waren es nur Honoratioren, heute steht mit Eva Kell eine Frau an der Spitze.

. Der Historische Verein für die Saargegend ist selbst schon "historisch" und feiert heute und morgen in Saarlouis sein 175-jähriges Jubiläum. Wie es sich für Geschichtsinteressierte gehört, gibt es eine wissenschaftliche Tagung im Landratsamt, die sich mit der Zeit nach dem Ende der Herrschaft Napoleons bis zur Neuordnung des Gebietes an der Saar durch die preußischen und bayerischen Königshäuser beschäftigt (1814-1820).

Die Vorsitzende des Historischen Vereins, Eva Kell, sagte der SZ: "1814/15 war für die Saarregion ein wichtiger epochaler Umbruch. Vieles ist erst in Ansätzen erforscht." Die Tagung könne die regionale Forschung voranbringen und ihr Schub geben. "Im ersten und zweiten Pariser Frieden wurden Grenzen zum Nachbarland Frankreich gezogen, die bis heute bestehen", erklärte Kell, die am Historischen Institut der Saar-Uni in der Fachdidaktik tätig ist. Das Verhältnis zu Frankreich sei seit der Angliederung der Region an Preußen und Bayern angespannt gewesen. "Das blieb so bis nach dem Zweiten Weltkrieg", betonte Kell. Wer heute die Frankreich-Strategie der Saar-Landesregierung sieht, kann erkennen, welche Lehren aus der katastrophalen Politik zwischen 1814 und 1945 gezogen wurden.

Es seien vor allem wirtschaftliche Erwägungen gewesen, das Wachstum der Montan-Industrie, die die Saargegend für Preußen und Bayern so attraktiv machten. "Die Tagung geht diesen Weichenstellungen, die für das 19. und zum Teil für das 20. Jahrhundert Gültigkeit hatten, nach und legt Schwerpunkte auf die politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche Entwicklung, aber auch auf Mentalitäten, Konfessionen , Institutionen und Geschichtsbilder", so Kell.

Die napoleonische Zeit habe die Bürgerrechte gebracht, aber auch die Wehrpflicht für Napoleons Expeditionsheere. Die Preußen hätten erst höchste Akzeptanz in der Bevölkerung erlangt, nachdem der Krieg von 1870/71 gewonnen war. Doch die Abschöpfung der Gewinne aus den Saar-Kohlegruben nach Berlin stehe auf dem anderen Blatt. Insofern sei auf die Frage nach der Identifikation der Saar-Bevölkerung mit den jeweiligen Machthabern keine einfache Antwort erwartbar.

Der Historische Verein sei 1839 ursprünglich als Altertumsverein gegründet worden und habe seine Mitglieder aus der männlichen Bildungs-, Wirtschafts- und Beamtenelite rekrutiert. "Heute ist er ein moderner gemeinnütziger Geschichtsverein für alle Interessierten. Der wissenschaftliche Anspruch ist in der Satzung festgeschrieben, ebenso das Hauptziel der Vermittlung und Erforschung der regionalen Geschichte", betonte die Vereinschefin. Das geschehe vor allem über die beiden Vereinsorgane, die "Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend" als einzige wissenschaftliche Zeitschrift für die regionale Geschichte, und die "Saargeschichte/n", ein aktuelles Geschichtsmagazin, das vierteljährlich erscheint.

Zudem habe der Verein mit dem Band "Das Saarland. Geschichte einer Region" erst 2012 eine umfangreiche moderne Geschichte der Saarregion herausgebracht, so Kell. Gesellschaftspolitisch vertrete der Historische Verein den Anspruch, in Fragen zur Regionalgeschichte Aufklärung und wissenschaftliche Erkenntnisse beizusteuern, den grenzüberschreitenden Kontakt mit der Société d'Archéologie et d'Histoire de la Lorraine (SHAL) regelmäßig zu pflegen. Um die Regionalgeschichte an junge Menschen zu vermitteln, lobt der Verein jährlich einen Abiturpreis aus. Im Gegensatz zum Gründungsjahr 1839 gehörten dem Vorstand nun "viele Frauen" an, wie Kell unterstrich.

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Hintergrund
Der Beginn der Jubiläums-Tagung "Vom Empire zur Restauration. Die Saarregion im Umbruch 1814-1820" ist heute um 13 Uhr im Landratsamt Saarlouis , Kaiser-Wilhelm-Straße 4-6. Zunächst geht es um die "Territoriale Neuordnung". Morgen geht es mit "Neuen Vorzeichen für die Konfessionen " um 9 Uhr weiter. Nach der Mittagspause ab 14.30 Uhr werden historische Deutungen der Periode im Fokus stehen. red