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Zwischen Flieh- und Anziehungskraft

Zwischen Flieh- und Anziehungskraft

Dillingen. Seit ihrem Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (1990-94) gehört Sigrún Ólafsdóttir, ehemalige Meisterschülerin von Professor Wolfgang Nestler, zur saarländischen Kunstszene -und sie ist eine der Besten

Dillingen. Seit ihrem Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (1990-94) gehört Sigrún Ólafsdóttir, ehemalige Meisterschülerin von Professor Wolfgang Nestler, zur saarländischen Kunstszene -und sie ist eine der Besten.

Spannung und Faszination

Das Erstaunlichste an den Arbeiten dieser isländischen Bildhauerin ist, mit welcher vermeintlichen Leichtigkeit sie den Prozess des Steigens, Fallens, Schwebens gestaltet, wie sie das Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte zu abstrahieren versteht. Seit Sonntag ist eine "vielfältige, spannende und faszinierende Ausstellung" (Gerhard Leonardy, Vorsitzender des Dillinger Kunstvereins) von ihr im Dillinger Schloss zu sehen. Sigrún Ólafsdóttir zeigt skulpturale Objekte und Malerei aus ihrer letzten Werkphase. Beispielsweise Wandobjekte, die die Gravitation der Erde verdeutlichen: Zwei schwarze Bänder lösen sich aus der Verschlingung, streben getrennt dem Boden zu, manche berühren ihn. Andere Skulpturen zeigen trichterförmige Stapelungen oder Windungen: "in den Raum emporsteigende oder seitwärts greifende Bänder, die sich der Schwerkraft zu entziehen scheinen." Ihre Werkstoffe sind nach wie vor Holz und Stahl, doch seit kurzer Zeit hat sie Gummilatex für sich entdeckt.

Und wie unabdingbar rückt Ólafsdóttir auch in ihrer Malerei die Körperlichkeit ins Blickfeld. Seitdem sie mit "Latex" arbeitet, haben sich ihre Bilder verändert. Sie zeigen "pulsierende Schläuche und Röhren in Schwarz-Weiß- oder nur in Brauntönen, die sich aus dem Bild herausschlängeln, ihre Farbe wechseln und durch Ausdehnungen kinetische Phänomene in uns wachrufen. Alle ihre künstlerischen Ausdrucksformen - seien es die Objekte oder ihre großformatigen Tuschezeichnungen - "leben" in einer Beziehung - "...sind Geschwister, die sich nebeneinander entwickeln", wie Ernest W. Uthemann, Leiter der Stadtgalerie Saarbrücken, es in seiner Laudatio nannte.

Methode Latex

Der elastische Werkstoff "Latex", der biegsamer ist als die bisher verwendeten Materialien, beeinflusst nicht nur die bildhauerische Arbeit der mit bedeutenden, internationalen Preisen ausgezeichneten Künstlerin, sondern auch die Malerei: Doch immer ist der Impuls, labiles und stabiles Gleichgewicht auszuloten, Spannung und Entspannung zu erzeugen, aber in Ruhe zu versetzen. Denn: "Das Bild bedarf nicht der konkreten Bewegung, um Bewegung zu suggerieren", sagt Uthemann.

Wünschenswert wäre, wenn Ólafsdóttirs von Architekten und Statikern abgesegneter, Entwurf einer Brücke über die Saar im Zuge des Saarbrücker Projekts "Stadtmitte am Fluss" Wirklichkeit würde.

Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag, Samstag 16-19 Uhr, Sonntag 14-17 Uhr.