Zwei genetische Zwillinge für Michael

Zwei genetische Zwillinge für Michael

Ende August bekam Michael Meier aus Felsberg die Diagnose Blutkrebs. Nach zwei Chemotherapien kam jetzt die erleichternde Nachricht: Nicht nur ein, sondern gleich zwei passende Stammzellspender wurden gefunden.

Michael Meier verspürt "schlicht und ergreifend Erleichterung". Endlich hat der 21-Jährige wieder eine Perspektive. Denn: Ein passender Stammzellspender wurde für den an Leukämie erkrankten Felsberger gefunden. "Ich bin so erleichtert, dass ich weiß, dass es jetzt weitergeht und dass ich die Aussicht darauf habe, wieder gesund zu werden", sagt Michael bei einem Besuch der SZ in Felsberg.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein genetischer Zwilling gefunden wird, liegt im günstigsten Fall bei 1:20 000. "Ich habe wirklich Glück. Bei mir kommen gleich zwei Spender in Frage. Ein Mann und eine Frau, mehr weiß ich nicht, auch nicht, woher sie kommen", sagt Michael.

Wer von den beiden spenden wird, das entscheiden die Ärzte. Die Richtlinien sehen vor, dass sich Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Spende kennen lernen dürfen. Neugierig auf seinen Spender ist Michael allemal: "Ich werde ihn nach den zwei Jahren auf jeden Fall kontaktieren, gucken, wo er herkommt und wer er ist."

Erst Ende August hatte Michael erfahren, dass er an Leukämie erkrankt ist (wir berichteten). Seitdem hat er zwei Chemotherapien hinter sich gebracht. Familie und Freunde organisierten gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) im Oktober eine Typisierungsaktion am Max-Planck-Gymnasium in Saarlouis. 1468 Menschen haben sich dabei in die Spenderdatenbank aufnehmen lassen.

"Am 2. Dezember geht's in die Uniklinik nach Homburg. Da bekomme ich noch eine Chemotherapie und Bestrahlungen", erklärt Michael. Das heißt für Michael vollkommene Isolation: Denn durch die Chemo wird das Knochenmark, und somit das Immunsystem des Heavy-Metall-Fans, komplett zerstört, wie er erklärt: "Durch die anschließende Stammzellspende wird es wieder neu aufgebaut. Ich bekomme sozusagen das Immunsystem des Spenders."

Um den 12./13. Dezember rum soll dann die Knochenmarktransplantation, die per Infusion in die Venen erfolgt, anstehen. "Nach drei Wochen sollte das neue Immunsystem anfangen zu arbeiten. Aber der Körper muss sich erst daran gewöhnen. Um die möglichen Abstoßungsreaktionen des fremden Knochenmarks in den Griff zu bekommen, muss ich nach der Spende rund 100 Tage oder länger Medikamente einnehmen."

Wenn alles gut geht, steht im Anschluss eine Kur an, um "wieder mobil und fit zu werden". Denn für 2014 hat Michael bereits große Pläne: Mit Freundin Laura soll es vier Tage nach London gehen, im Sommer will er mit seinem Schwiegerpapa in spe eine Motorradtour nach Südfrankreich machen.

Doch vor all dem anstehenden Rummel steht erst noch eine kleine Feier auf dem Programm: Am 1. Dezember, einen Tag, bevor es ins Krankenhaus geht, feiert Michael seinen 22. Geburtstag.