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Vernissage
Zwei außerordentliche Begabungen

Vernissage der Ausstellung der Schwestern Lasardim Museum Haus Ludwig in Saarlouis. Anna-Maria und Oswald Scholl vor dem Bild Zirkusreiter.
Vernissage der Ausstellung der Schwestern Lasardim Museum Haus Ludwig in Saarlouis. Anna-Maria und Oswald Scholl vor dem Bild Zirkusreiter. FOTO: Thomas Seeber /
Saarlouis. Eine Premiere: In der gut besuchten Galerie Ludwig wird zum ersten Mal das künstlerische Werk von Ilse Heller-Lazard und das ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Lou Albert-Lasard gezeigt. Vorgestellt wurden sie von Matthias Heller und Valery Schubert-Fedotova. Von Jutta Stamm

Eine außergewöhnliche Ausstellung wird seit Sonntag in der Galerie Ludwig gezeigt. Sie ist Matthias Heller zu verdanken, dem Sohn des Schweizer Bildhauers Ernst Heller, der in erster Ehe mit Ilse Lazard verheiratet war. Ihm gelingt es, Bilder der Schwestern Laz(s)ard von 14 Leihgebern aus der Großfamilie Heller sowie aus in- und ausländischen Museen und Bibliotheken zusammenzutragen. Bemerkenswert ist ebenso, dass Vorfahren der beiden gleich nach Gründung in Saarlouis ansässig wurden. Ihr Vater, Leopold Lazard (1843-1927), ein echter Saarlouiser, zog 1876 als Direktor der luxemburgischen Bank nach Metz. Seine deutsch-amerikanische Frau Jenny Stein (1861-1909) brachte dort 1884 Ilse und 1885 Louise, genannt Loulou, zur Welt.


Louise, die sich nach ihrer Heirat mit Eugen Albert Lou Albert-Lasard schreibt, ist ein intellektueller Freigeist. Ihre Arbeit erlaubt ihr, die Schmerzen zu ertragen, die sie seit ihrem dritten Lebensjahr nach einer Kinderlähmung begleiten. Freundschaften zu Künstlern bestimmen Stil und Gefühlswelt. 1914 bis 1916 hat sie eine Liebesbeziehung zu Rilke, lebt in München und Wien, beginnt eine Serie graphischer Bildnisse berühmter Zeitgenossen und wird ihr Leben lang zu dieser Arbeit zurückkehren, wie Kunsthistorikerin Valeria Schubert-Fedotova in ihrer Laudatio sagt. Beispiele sind Rilke, Cocteau, Chagall, Valery und Gandhi. Während ihres Aufenthalts in der Schweizer Künstlerkolonie Monte Veritá bei Ascona (nach 1916) zeigen ihre Gemälde und Graphiken alle Merkmale des Expressionismus. Auch die Studienzeit bei Arthur Segal prägen. Reisebilder aus Nordafrika, Indien, Tibet zeichnen sich durch eine zartere Farbgebung aus, lyrische Bilder wie „Östliche Szene“ und „Östliches Landschaft“, Zeichnungen und Aquarelle exotischer Natur- und Genreszenen gefallen. Nach dem Krieg, zurück in Paris, wagt sie wieder leuchtendere Farben. In Porträts beschränkt sie sich auf die Entwicklung von ein oder zwei Grundtönen. Ihr Atelier bleibt bis zu ihrem Tod 1969 Treffpunkt der Intellektuellen.

Nach erstem gemeinsamen Mal­unterricht und einer Studienreise nach Italien trennen sich die Wege der Schwestern, die sich nicht nur in ihrem Wesen unterscheiden. Ilse leidet unter Stimmungsschwankungen, die ihr Selbstbewusstsein als Künstlerin und ihre Arbeit beeinträchtigen, beschreibt Matthias Heller. In den Dresdener Jahren sind ihre Arbeiten von Walter-Kurau beeinflusst.



So dominiert die Farbe Grün, die sie differenziert einsetzt. Nach Ansicht ihres Lehrers sollen Licht und Schatten auf eine Stufe gebracht werden. „Die Bändigung der Farben innerhalb einer abgestuften Tonigkeit in Grün“ beherrscht Gemälde wie „Ostseelandschaft“ „Am Dresdener Bahnhof“ und „Küste mit Kreidefelsen“. Die zur gleichen Zeit entstandenen Porträts sind ausdrucksstarke Brustbilder. Während ihres Berliner Aufenthalts entwickelt Ilse die Hell- und Dunkel-Kontraste zu Grundmerkmalen ihrer Malerei. Ihre Begegnung mit Ernst Heller, den sie 1918 heiratet, beflügeln sie. Sie versucht sich an Landschaften in ihrem Schweizer Umfeld. Das Gebirge wird jedoch nicht ihre Welt, eher die Fluss- und Hügellandschaft. In der Gattung der Porträts setzt sie dem Grün Rot-, Blau- und Gelbtöne entgegen. Das größte erhaltene Gemälde zeigt die virile Erscheinung ihres Mannes in einem freizügigen Aktgemälde. Anfang 1934 stirbt Ilse Heller-Lazard in Paris – noch nicht 50 Jahre alt – an Krebs.

Bis 8. April. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10-13 und 14-17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 14-17 Uhr.