Zur Sprache bringen lassen

Der Dreifachmord in Roden hat vielen die Sprache verschlagen. Da denkt man, das passiert nur woanders, und dann ist es hier in Roden, sagte noch heute ein Anrufer. Da war oft mehr Mitgefühl als Sprache. Mit den Opfern, Kindern wie Erwachsenen. Mit den Menschen, die die Tat entdecken und aufdecken mussten

Der Dreifachmord in Roden hat vielen die Sprache verschlagen. Da denkt man, das passiert nur woanders, und dann ist es hier in Roden, sagte noch heute ein Anrufer. Da war oft mehr Mitgefühl als Sprache. Mit den Opfern, Kindern wie Erwachsenen. Mit den Menschen, die die Tat entdecken und aufdecken mussten. Sprache dafür haben in solchen Situationen oft nur die Profis: Polizisten, Rettungsdienste, Psychologen, Seelsorger. Sie bannen das Unsagbare ins Sagbare, das Unfassbare ins Fassbare, das Unbegreifbare ins Begriffene. Aber auch sie müssen dazu: drüber reden. Wir haben in dieser Woche mit Profis über die Morde gesprochen. Auch darüber, wie sie selbst mit dem Erlebten umgehen. Und selten wurde uns so klar, eine wie große Gabe, eine wie hohe Qualifikation in der geschulten Rede und im verstehenden reden Lassen stecken kann, wie es Aufgabe von Seelsorgern und Psychologen ist. Wenn sie Erlebtes, buchstäblich, zur Sprache bringen lassen.