Züchter verbrennt tote Kaninchen in Saarlouis

Saarlouis : Saarlouiser Züchter verbrennt tote Kaninchen im Garten

Die Bilder machen einen fassungslos: verendete Kaninchen in verdreckten Ställen; apathisch wirkende Tiere kauern zwischen Bergen ihres eigenen Kots. Andere Aufnahmen zeigen verbrannte Kadaver.

In der Asche sind noch Fellreste, Pfoten und Ohren zu erkennen. Die Fotos dokumentieren enormes Tierleid im Saarlouiser Stadtteil Roden.

Als Veterinäre vergangene Woche dort vorstellig wurden, bot sich ihnen dieser Anblick. Vier in Teilen verbrannte Kaninchen, vier tote Tiere in Ställen sowie weitere Kaninchen in erbärmlichen Zustand, zum Teil mit vereiterten Augen, ohne frisches Wasser. Besonders schockierend: Die Tiere gehören einem bekannten Saarlouiser Züchter. Der 76-Jährige ist sogar Vorsitzender eines Kaninchenvereins.

Die Saarlouiser Tierschützerin Manuela S. hatte auf den Fall aufmerksam gemacht. „Ich war zu Besuch bei Freunden, als mir der bestialischen Gestank aus der Nachbarschaft auffiel“, erzählt sie der Saarbrücker Zeitung. Beim Blick auf das Gelände des Züchters entdeckte sie die leidenden Tiere und die halb verbrannten Kadaver. „Ganz furchtbar, wir haben schließlich die Polizei verständigt, weil mit dem Besitzer nicht zu reden war.“ Am Ende rückten Veterinäre an.

Das Umweltministerium bestätigte laut Medienberichten, dass man vier verbrannte Kaninchen und weitere tote Tiere in Ställen gefunden habe. Man gehe aktuell davon aus, dass die Tiere an einer Krankheit verendet sind. Grundsätzlich ist es zwar gestattet, tote Haustiere auf dem eigenen Grundstück zu vergraben. Sofern man nicht in einem Wasserschutzgebiet wohnt. Tierkadaver aber einfach im Garten zu verbrennen, sei nicht erlaubt. Gegen den Züchter sei Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt worden. Er muss jetzt mit Kontrollen durch Amts-Veterinäre rechnen.

„Mich nimmt das Ganze sehr mit“, sagt der Züchter der SZ. Er klingt hörbar angegriffen: „Ich züchte seit den 80er Jahren Kaninchen, sowas ist mir noch nie passiert.“ Dass er die Kadaver nicht habe verbrennen dürfen, sei ihm überhaupt nicht bewusst gewesen. „Und mit dem Misten war ich zwei Wochen im Rückstand“, erklärt der 76-Jährige den schlechten Zustand in den Ställen. Er sei gesundheitlich angeschlagen gewesen, habe sich deshalb nicht wie gewohnt um seine Kaninchen kümmern können. „Jetzt ist aber wieder alles tipptopp“, versichert er.

Aktuell hält der Rentner noch fünf Kaninchen. Die seien aber gesund, sagt er. Mittlerweile hat der 76-Jährige auch Anrufe bekommen; Leute hätten ihn massiv am Telefon beschimpft. „Mir tut es für die Tiere wirklich leid“, sagt er, „aber ich finde es schlimm, wenn mich jemand anonym anruft. Dann soll man mir das doch offen ins Gesicht sagen.“

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