Zu den Flitterwochen ins Kloster

Zu den Flitterwochen ins Kloster

Liebe macht das Leben reicher. Das vermitteln Aufsätze von 41 Seniorinnen und Senioren, die das überwältigende Gefühl in Worte fassten. Ihre Berichte sind Ergebnis einer Aufsatz-Veranstaltung, welche alljährlich die Katholische Erwachsenenbildung, KEB, durchführt.

Die Leidenschaft für Literatur, Landschaften und den eigenen Garten war nur ein Teil der vielfältigen Themen über Liebe . Auf dem "Liebesbarometer", sagte Waltraud Berners von der KEB, stehe auf der "ersten Stufe mit knappem Vorsprung die Liebe in der Partnerschaft". Zwölf Männer und 27 Frauen hatten Texte verfasst anlässlich der 31. Senioren-Aufsatzveranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung Saar-Hochwald. Vorgestellt wurden sie am Donnerstagmittag bei einer gemütlichen Feierstunde von den KEB-Mitgliedern Waltraud Berners und Margret Biewer.

Endlich Mailand

Vom ersten Tag an der Nordsee schwärmte eine 76-jährige Frau. "Ich konnte mich nicht satt sehen an diesem gigantischen Schauspiel." Eine andere berichtete von ihrer großen Liebe zu Mailand. "Mit 17 lernte ich Alessandro kennen, mit 20 heirateten wir, und mit 21 zogen wir nach Mailand. Endlich Italien, endlich die Stadt mit dem Dom."

"Verlieben und Kennenlernen war in den 1950er und 60er Jahren etwas anders", sagte Biewer, "man lernte sich kennen im Tanzkursus, im Beruf, auf der Kirmes, durch Freunde oder auch bei der Musikbox in der Milchbar." Ein 77-jähriger Mann schrieb dazu: "Die Tür ging auf, sie stand da. Der Blitz schlug ein, und plötzlich stand ein Engel im Raum." "55 Jahre waren uns bist jetzt vergönnt", stellte ein 78-Jähriger dar, "eine lange Zeit mit Höhen und Tiefen, aber stets mit Verstehen, gegenseitigem Respekt und mit Liebe im Umgang miteinander."

Wahrheit auf dem Standesamt

Zu den Flitterwochen ins Kloster - darüber berichtete Josef Hoffmann, 78. Aus finanziellen Gründen musste die große Hochzeitsreise ausfallen.

Aber ein Bekannter war Ordensbruder in einem Eifel-Kloster. "Pflicht war das Gebet am Morgen und Abend", erinnerte sich Hoffmann, "ansonsten konnten wir tun, was wir wollten." Und abends kam der Pater mit Klosterwein und Zigarren zum Gespräch über Gott und die Welt. 1949 brach Dr. Werner Beaumont, 94, mit einem Handkuss das Eis. Als sein Schwarm verlegen wurde, beruhigte er sie mit: "Ach Mädchen, machen Sie sich nichts draus, irgendwo muss man ja als Mann mal anfangen." "Sie hat später immer gesagt", schilderte er amüsiert dieser Zeitung, "mein Ehemann hat mich von der ersten Sekunde an belogen".

Denn sie wollte nie einen vom Sternzeichen Zwilling heiraten. Also wechselte Beaumont kurzerhand zum Stier. "Erst auf dem Standesamt hat sie die Wahrheit erfahren."

Die Vielfalt der Aufsätze werde gesammelt, stellte KEB-Leiterin Anne Schuler dar: "Das kann interessante Einblicke in frühere Zeiten liefern", denn die Verfasser sind ja Zeitzeugen.

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