| 21:12 Uhr

Saarlandmeisterschaften
Zielsicher mit Pfeil und Bogen

In einer langen Reihe treten die Schützen auf der Pachtener Anlage an.
In einer langen Reihe treten die Schützen auf der Pachtener Anlage an. FOTO: Ruppenthal
Pachten. In Pachten gab es am vergangenen Wochenende Top-Leistungen bei den Saarlandmeisterschaften im Bogenschießen. Von David Benedyczuk

Um 14.35 Uhr ticken ein letztes Mal die Sekunden auf der Anzeige am Seitenrand herunter. Einige Bogenschützen lassen sich für ihren letzten Pfeil bei den Saarlandmeisterschaften viel Zeit und schicken ihn erst auf den letzten Drücker auf die Reise Richtung Zielscheibe. Dann brandet kollektiver Applaus auf. Nach 72 Pfeilen, die jeder Teilnehmer seit dem späten Sonntagvormittag geschossen hat, wartet der letzte Gang auf die Starter bei den Damen, Herren und Masters, wie die Bogenschützen von 51 bis 66 Jahre tituliert werden. Die 22 Männer und fünf Frauen mit dem Recurvebogen erreichen nach 70 Metern Fußmarsch den Ort der letzten Abrechnung.


Bianca Speicher hätte das Gros der letzten sechs Pfeile im Prinzip vorbeischießen können – der erneute Saarlandmeistertitel wäre der 45-Jährigen von den GK Burgschützen Büschfeld trotzdem sicher gewesen. Doch es ging auf der großen Wiese hinter dem Schützenhaus des SV Tell Pachten auch um die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften. In der Hinsicht gibt sich Speicher optimistisch: „Ich denke, für die Deutschen wird es reichen“, sagt sie mit Blick auf ihre 585 Ringe, die ihr mit 50 Ringen Vorsprung vor Anna Drumm (Adlerauge Humes) den Landestitel einbringen. Ob sie bei der DM im Fall einer Qualifikation überhaupt startet, ist aber gar nicht so klar. Denn eigentlich ist sie in einer anderen Bogenschieß-Variante ambitionierter – so sehr, dass sie den Sprung zur Weltmeisterschaft anpeilt. „Ich schieße ja hauptsächlich Feldbogen, und da steht eine Woche vor der Deutschen Meisterschaft die WM-Ausscheidung für Cortina d’Ampezzo an. Das ist mir wichtiger und ein erster Höhepunkt, auf den ich hinarbeite. Der führt mich dann hoffentlich zur WM“, sagt die amtierende Deutsche Feldbogen-Meisterin, die in der jetzigen Vorbereitungsphase etwa 1000 Pfeile pro Woche verschießt.

Für Danny Zimmer war an Bogenschießen zwischenzeitlich gar nicht zu denken. Umso beeindruckender gestaltete sich die Rückkehr des 41-Jährigen in den Kreis der saarländischen Schützen-Elite. Vor drei Jahren erlitt Zimmer einen Schlaganfall. Der war glücklicherweise nicht ganz so schwerwiegend. Dennoch ist der erste Saarlandtitel in 22 Jahren als Sportschütze angesichts dieser Vorgeschichte nicht hoch genug zu bewerten: „Das Ergebnis ist für mich ein persönlicher Rekord, daher bin ich sehr zufrieden. Nach fünfjähriger Abstinenz bei Landesmeisterschaften lief es heute richtig gut“, resümierte Zimmer nach erreichten 587 Ringen mit dem Recurvebogen, die ihm sechs Ringe vor Darius Zblewski aus Lisdorf den Titel bescherten. Jetzt hofft er, dass das Resultat ihn zur DM bringt. „Die Ringzahlen im Vorjahr lagen sieben Ringe höher“, merkte Zimmer an.



Für die Bogenschützen in den Jugend- und Seniorenwettbewerben wurden die DM-Chancen am Vortag buchstäblich „vom Winde verweht“, wie Landesbogenreferentin Elke Volpert beschrieb. „Es war so windig, dass sogar die Scheibenauflagen weggeweht wurden. Das Wetter hat sich eklatant in den Ergebnissen niedergeschlagen. Viele hatten bis zu 40 Ringe weniger als üblich. Gerade für die Kinder tat es mir leid“, so die Verbandsfunktionärin. Betroffen war auch Sandra Bellmann, die mit dem Recurvebogen und 523 Ringen dennoch souverän den Titel in der Jugend holte. „Der Wind hat oft ganz plötzlich gedreht. Dazu war es sehr schwül, was es noch schwerer gemacht hat. Allerdings waren meine Trainingsleistungen zuletzt schon nicht die besten – und erzwingen kann man es halt nicht“, lässt sich die 15-Jährige aus Saarwellingen den Spaß am Bogensport dadurch nicht nehmen: „Ich bin über Bekannte dazu gekommen und habe schnell gemerkt, dass mir Bogenschießen gut liegt. Mich reizt daran, dass man sich stetig verbessern kann. Und die Atmosphäre untereinander macht es auch aus – das ist wie eine große Familie.“