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Wortmächtiger „Menschenfänger“

Wortmächtiger „Menschenfänger“

Kanyakumari liegt zwar nicht am Ende der Welt, wohl aber 8000 Kilometer von hier entfernt an der Südspitze Indiens. Zurzeit ist der katholische Pfarrer Jean Jose aus Kanyakumari im Saarland zu Gast. Die SZ begleitete den 31-Jährigen.

Jean Jose ist wohl das, was man einen "Menschenfänger" nennt. Immer strahlend, immer bemüht, auf das Gegenüber einzugehen. Mühelos bewältigt er den Spagat zwischen den Orten tiefster Armut in seiner indischen Heimat und der hiesigen Wohlstands-Gesellschaft. Weil er in Rom studiert hat, Freunde auch in Deutschland hat, und einer ist, dem der Spracherwerb offenkundig leicht fällt, wechselt er mühelos zwischen Englisch, Deutsch, Italienisch und Tamil. Dank seiner offenen Art und der Fähigkeit, die Dinge beim Namen zu nennen, ist der ideale Botschafter im Interesse benachteiligter Menschen in Indien. Seit Ende Dezember ist er im Saarland dank der Vermittlung der Saarstahl-Sozialarbeiterin Susanne Limbach, die den jungen Pfarrer bei ihren Indien-Aufenthalten und einer Visite bei Bischof Vincent Mar Paulos, dem "Chef" von Jean Jose, kennenlernte. Die Saarwellingerin Susanne Limbach, die im Kreis Neunkirchen aufgewachsen ist, stellte für Jean Jose ein vielseitiges Programm zusammen. Denn der ist voller Wissensdurst, hat aber immer seine Schützlinge daheim im Blick, für die er auch Spenden (siehe Info) generieren möchte. "Bei uns kann man für 20 000 Euro eine ganze Kirche bauen", staunt der 31-Jährige beim Besuch in der Illinger Bergkapelle, für deren höchst gelungene Renovierung mehrere Hunderttausend Euro ausgegeben werden müssen.

"Korruption und Alkohol-Missbrauch bei vielen Männern", diese klare Ansage hat der Gast auf die Frage parat, warum in Indien immer noch rund drei Viertel der Bevölkerung als "arm" bezeichnet werden müssen. Und diese Armut ist eben auch verantwortlich für die schlechte Bildungssituation vieler Inder, vor allem von Mädchen und Frauen. Ein Teufelskreis, aus dem Jean Jose seine Landsleute - ganz gleich welcher Religion sie angehören - befreien möchte. Von den rund 1,2 Milliarden Indern sind nur circa 25 Millionen Christen (18 Millionen davon sind Katholiken).

Neben seiner Tätigkeit in der Seelsorge in Kanyakumari liegt Jean Jose daher die Vermittlung lebenspraktischer Fertigkeiten und die Wissens-Vermittlung am Herzen. In der St. Paul's Bildungsakademie werden Studenten auf den Dienst bei Ministerien und Regierung vorbereitet. Da wird der Pfarrer dann eben zum Sprachlehrer. Und drückt selber neben seiner fordernden Arbeit auch noch selbst die Schulbank. Mit einem abgeschlossenen BWL-Studium will er noch besser gerüstet sein, für die Herausforderungen, die auf ihn in Indien zukommen.

Doch jetzt genießt er bis Monatsende die Segnungen Europas. "Allerdings ist hier das Wetter ziemlich nass-kalt", sagt Jean Jose mit breitem Lächeln. Denn seine Philosophie, ist, das, was sich nicht ändern lässt, einfach freudig anzunehmen. Kein schlechter Rat!

Zum Thema:

Auf einen BlickWeitere Informationen zu den Bildungs- und Entwicklungsprojekten, zu Ausbildungs-Patenschaften und zur kirchlichen Arbeit von Pfarrer Jean Jose gibt es per E-Mail unter jeanjosejr@gmail.com oder susanne.limbach@sulim.de, Telefon (0 68 38) 9 74 84 34. Unterstützt wird die Arbeit vor Ort seit fast fünf Jahrzehnten auch durch den Verein Kinder- und Familienhilfe Indien, initiiert von der Rehlingerin Ursula Graff. Schon 20 Euro monatlich reichen, um eine Ausbildungspatenschaft für ein Schulkind oder einen Studenten zu übernehmen. sl