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Wo die Hexe Platt spricht

Saarlouis. Das Märchen „Hänsel und Gretel“ haben Schüler des Stadtgartengymnasiums Saarlouis in Alt-Saarlouiser Mundart übertragen. Diese Arbeit brachte ihnen nicht nur Einblicke in Sprache und Heimat, sondern auch beste Noten. Johannes A. Bodwing

"Knéschbel, knéschbel, Kneisjen, weer knéschbelt aa mein Heisjen?", fragt die Hexe auf Alt-Saarlouiser Platt. Und in dieser Sprache geht es weiter durch die Geschichte von Hänsel und Gretel . Denn das Grimmsche Märchen haben zehn Schülerinnen und Schüler des Stadtgartengymnasiums Saarlouis , SGS, in die hiesige Mundart übertragen. "Wir fanden es interessant, weil Sprache auch ein Stück Heimat ist", erklärte Kathrin Dewald im Rahmen einer Lesung am SGS. Im zweijährigen Seminar beschäftigte sich die Abiturklasse mit Einflüssen aus Frankreich und dem Rotwelschen sowie der besonderen Aussprache.

"Am Anfang haben wir Gedichte in Mundart geschrieben", sagte Nicklas Wilhelm. Später kamen Veranstaltungen hinzu. Vor etwa einem Dreivierteljahr sei die Idee aufgekommen, Hänsel und Gretel umzutexten. "Wir haben erst mal nachgeschaut", sagte Dewald, "was es schon alles in Mundart gibt. Es sollte auch einen Bezug zum Saarland haben." So wurde beispielsweise "Die Kinder waren aber noch wach gewesen" zu "De Kenner wòòren awwer noch wackrich geween".

Die Passagen der Kinder sind an die heutige Lebenssituation angepasst. Da wird die Katze zum "Zeckentaxi", und die Luft weht durch die Fenster von Microsoft . In die Sprache der Eltern mischt sich Hochwald-Akzent. Die Gans am Ende des Märchens spricht Ungarisch, wie eine der Seminarteilnehmerinnen. Tatkräftig unterstützt wurden die zehn von Lehrer und Mundartpreisträger Alex Hawner sowie der Saarlouiser Mundartexpertin Karin Peter. "Étt Greedelchen ónn étt Schängelchen" heißt das Buch. Neben der Mundartfassung steht der hochdeutsche Text, Zeichnungen sind von Kunstlehrer Dirk Schröder. Und wie fielen die Noten dafür aus? "Alle 15 Punkte."

Das Buch ist für 9,99 Euro in Saarlouiser Buchhandlungen erhältlich, in der Glocken-Apotheke und beim Sekretariat des SGS.