"Wir wollen mehr Geld"

Saarlouis. Die Warnstreiks der Beschäftigten im öffentlichen Personennahverkehr brachten gestern nun auch den Busverkehr im Kreis Saarlouis zum Erliegen. Laut der Gewerkschaft Verdi legten etwa 90 Arbeitnehmer der Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis (KVS) ab vier Uhr in der Früh ihre Arbeit nieder, zeitgleich streikten 45 Busfahrer in Völklingen

Saarlouis. Die Warnstreiks der Beschäftigten im öffentlichen Personennahverkehr brachten gestern nun auch den Busverkehr im Kreis Saarlouis zum Erliegen. Laut der Gewerkschaft Verdi legten etwa 90 Arbeitnehmer der Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis (KVS) ab vier Uhr in der Früh ihre Arbeit nieder, zeitgleich streikten 45 Busfahrer in Völklingen.Laut Polizeiangaben gingen etwa 100 Beschäftigte in Saarlouis auf die Straße. Hintergrund der Warnstreiks sind die festgefahrenen Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV).

"Wir wollen mehr Geld", mit dieser Aussage bringt Dogan Ömer (23 Jahre) aus Völklingen die Forderungen der Gewerkschaft Verdi auf den Punkt. Zwischen 1200 und 1300 Euro netto blieben unterm Strich für junge Busfahrer übrig. "Damit kann man keine Familie ernähren", sagt Alfred Meier (58) aus Völklingen. "Es braucht sich niemand zu wundern, wenn keine Kinder mehr in die Welt gesetzt werden", kritisiert KVS-Mitarbeiter Patrick Manko (25). Seit 20 Jahren ist Günter Ringeisen (46) aus Roden Busfahrer. Er verdient netto rund 1500 Euro. "Alles ist teurer geworden, Strom, Wasser, Lebensmittel. Aber unsere Löhne hat man nicht angepasst", sagt dazu Ringeisen.

Unter die Streikenden mischten sich Auszubildende, die für eine "überproportionale Anhebung ihrer Lehrlingsgehälter" demonstrierten. "Wir streiken für mehr Geld", erklärt der 18-jährige Dominic Eich aus Felsberg. Als Auszubildender der KVS bleiben ihm 500 Euro Nettogehalt im Monat. "Etwas anderes als Streik bringt nichts", glaubt er. Sein Kollege Detlef Möller von der Neunkircher Verkehrs-AG (NVG) pflichtet ihm bei. "Wir wollen mehr Geld und eine Verbesserung der Arbeitszeiten", fordert der 54-jährige Neunkircher. "Die Vorgesetzten schnallen unseren Gürtel immer enger. Wir kleinen Leute sollen schauen, wo wir bleiben. Wir fordern nur, was uns zusteht." Simone Braun aus Wadgassen ist alleinerziehende Mutter dreier Kinder. Der 42-jährigen bleiben bei ihrem Teilzeit-Job 950 Euro im Monat zum Leben. "Wir verlangen vor allem höhere Löhne", sagt sie. "Außerdem beinhalten unsere Forderungen anteilsmäßig mehr Urlaubs- und Weihnachtsgeld."

Nach den gescheiterten Tarifverhandlungen im öffentlichen Personennahverkehr macht die Gewerkschaft weiter Druck. Gewerkschaftssprecher Bernd Oleynik wiederholte während der Kundgebung in Saarlouis nochmals die Forderungen nach einer Endgelderhöhung von sieben Prozent, die Auszahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die Erhöhung der Löhne für Auszubildende. Das Angebot der Arbeitgeber vom 10. Februar, in drei Stufen jeweils zwei Prozent mehr Lohn zu zahlen, sei völlig unzureichend.

Der Saarlouiser KVS-Geschäftsführer Andreas Michels sieht die Streiks "zur jetzigen Phase der Tarifverhandlungen überflüssig". Seiner Meinung nach hatten die Arbeitgeber "früh ein Angebot gemacht", und man "läge gar nicht so weit auseinander."

DoganÖmer.
AlfredMeier.
PatrickManko.
SimoneBraun.

Elke Eder-Hippler von Verdi kontert: "Wir wollen einen repräsentativen Tarifvertrag." Und sie fügt noch eine weitere Forderung hinzu: "Einen Tarifvertrag mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro." Oleynik kündigt weitere Streiks an und zwar flächendeckend, sollten die geplanten Verhandlungen für die etwa 1000 Beschäftigten im öffentlichen Personennahverkehr am Freitag in Saarlouis scheitern. "Das haben dann die Arbeitgeber zu verantworten", sagt er.