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Kolumne
Wildpark war gestern

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ich gehe eigentlich gern in den Wildpark Saarwellingen. Aber regelmäßig bekomme ich dort Streit. An jedem Gehege hängen mehrere, nicht zu übersehende Schilder, mit dem deutlichen Hinweis: Füttern verboten. Was sehr viele Besucher nicht daran hindert, tütenweise Brot, zum Teil verschimmelt, Kaffeestückchen, Küchenabfälle, sogar Nudeln über den Zaun zu werfen. Wie lustig, die Ziege frisst die Plastiktüte gleich mit. Haha.

Da kann ich einfach meinen Mund nicht halten – auch wenn es zugegebenermaßen noch nie zur Einsicht geführt hat. Die Schilder laut vorlesen, den eigenen Kindern zum hundertsten Mal gut hörbar erklären, warum solches Tierefüttern Tiere tötet, freundliche direkte Ansprache – umsonst. Die Reaktion darauf ist fast immer völliges Unverständnis, von „Was geht Sie das eigentlich an?“ über „Das bisschen Brot...“ bis zu „Sie werden meinen Kindern nicht den Spaß verbieten!“ und aggressiven Beschimpfungen.


Der respektlose Umgang mit den Tieren, den diese Leute auch gleich an ihre Kinder weitergeben, macht mich wiederum einfach wütend. Und weil ich dieser sinnlosen Diskussionen überdrüssig bin, gehe ich nicht mehr gern in den Wildpark. Meine Familie mit mir übrigens auch nicht mehr. Die Dummheit siegt.

Wohin das führt, konnte man im Herbst im Tierpark Merzig sehen: Nachdem alle Appelle nicht halfen und zwei Schafe an verschimmeltem Brot verendet waren, sahen sich die ehrenamtlichen Betreiber gezwungen, die Tiere auch tagsüber einzusperren, wenn keine Aufsicht da ist. Worunter alle leiden. Inzwischen wurde eine Lösung gefunden, dass die Tiere bis 17 Uhr draußen bleiben können. Für die unbeirrbaren Brotfütterer gibt es aber leider noch keine.