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Wie KSK und VVB Saarlouis Corona-Kredite vergeben

Mittelstand in Not : Manchmal wird es in der Bank emotional

Banken zahlen die Corona-Hilfen für Unternehmen nicht einfach aus. Da wird geprüft, diskutiert, entschieden. Ein Riesenaufwand etwa für die Kreissparkasse und die Vereinigte Volksbank Saarlouis.

Massenhaft laufen jetzt Anträge von regionalen Unternehmen bei ihren Hausbanken auf finanzielle Hilfen ein, um Corona-Folgen zu mildern. Denn Anträge auf Geld aus diesen Programmen werden in der Regel bei der Hausbank der Firma gestellt.

Allein bei der Kreissparkasse Saarlouis (KSK) gingen bislang mehr als 600 Anfragen von Unternehmen aller Größenordnungen ein, wie der Vorstand am Dienstag verlauten ließ. Meist Unternehmen bis zu einer Million Euro Umsatz, und fast immer geht es um die Verbesserung der Liquidität. Also: zahlungsfähig bleiben. Auch die Geschäftskunden der Vereinigten Volksbank (VVB) mit Sitz in Saarlouis reichen Anträge ein: Die größeren in einem Ausmaß, dessen „Beratungsbedarf wir noch gut bewältigen können“, wie Edgar Soester, stellvertretender Vorstandssprecher, am Dienstag sagte. Sehr kleine Unternehmen dagegen sorgten für größeren Aufwand: Weil sie „häufig über keinerlei Reserven verfügen“ und oft auch „die benötigten Unterlagen nicht direkt zur Verfügung stellen können“.

Viele Firmen suchten zunächst nur Rat, was für sie passt, schnelles Handeln sei angesichts schwindender Liquidität nötig, und zugleich rechnet der Volksbanker mit einer „wahren Antragsflut“, nachdem die Antragsbedingungen klar sind. „Der Arbeitsalltag steht komplett im Zeichen der Corona-Krise.“ Von einem „immensen Beratungsbedarf“ spricht auch die KSK.

Bei der KSK in Saarlouis „haben wir aufgrund der starken Nachfrage im gewerblichen Bereich zwischenzeitlich bereits unsere Mitarbeiterkapazitäten in diesem Segment erweitert. Insofern sind wir personell gut auf die Mehrbelastung eingestellt. Zudem haben wir auch bislang keine nennenswerte Anzahl an krankheitsbedingen Ausfällen unter den Mitarbeitern. Um das Verfahren bis zur Auszahlung der Kreditmittel zu beschleunigen, haben wir hausintern diverse Prozessvereinfachungen umgesetzt.“

Diese Belastung ergibt sich nicht allein aus der Zahl der Anträge auf die unterschiedlichen Maßnahmen von der Soforthilfe bis zum öffentlichen Kredit etwa der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), sondern aus der Bearbeitung: „Bei öffentlichen Kreditprogrammen liegt unsere Aufgabe darin, die Kunden bei der Beantragung zu unterstützen und eine Kreditwürdigkeitsprüfung vorzunehmen, damit die Kunden die Kreditmittel der KfW schnellstmöglich erhalten“, erläuterte der KSK-Vorstand. Denn: „Da es sich sowohl bei der KfW als auch bei den Landesmitteln um Kreditprogramme handelt, hat sich die vorgeschriebene Kredit- und Risikoprüfung auf das komplette Kreditvolumen und nicht etwa nur auf den Haftungsanteil der Hausbank zu beziehen. Der Staat übernimmt je nach relevantem KfW-Programm aktuell 80 bis 90 Prozent der Haftung.“

Es verbleibt also ein Kreditausfall-Risko bei der Bank. „Wir sind gesetzlich und aufsichtsrechtlich verpflichtet, jegliche Art von Kreditanträgen – unabhängig vom Haftungsrisiko – auf Machbarkeit zu prüfen“, erläutert Soester von der VVB. „Bei den Förderkrediten wird neben der Kapitaldienstfähigkeit auch geprüft, ob das beantragende Unternehmen vor der Corona-Krise noch gesund war, also keine Liquiditätsschwierigkeiten oder größere Umsatzrückgänge hatte. Daneben ist natürlich eine realistische Einschätzung der persönlichen Situation des Kunden sowie die Herleitung seines Kreditbedarfs wichtig. Dies gestaltet sich insoweit schwierig, als niemand genau sagen kann, wie lange die Krise dauert.“

Kritisch, befindet der KSK-Vorstand, „sehen wir, dass derzeit die gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen an eine Kreditwürdigkeitsprüfung bislang nicht wesentlich erleichtert wurden“. Ohnehin „wissen wir aus Gesprächen mit unseren Kunden, dass Darlehen ihnen derzeit nicht mehr helfen, da die Kunden die Belastungen zukünftig nicht mehr tragen können. Stattdessen wären nicht rückzahlbare Zuschüsse notwendig.“

Das erlebt auch Soester so: „Insbesondere für kleine Unternehmen ist die Soforthilfe in Form des Zuschusses als Hilfsinstrument die erste Wahl.“

Und mit Blick auf die KfW-Förderprogramme: „Die Thematik, dass es sich bei den Hilfen um Darlehen – und nicht um Zuschüsse – handelt, deren Rückführung sicher einige Jahre dauern wird, belastet die kleinen und mittleren Unternehmen“

Die Handlungspalette der regionalen Geldinstitute ist durchaus groß. „Erster Schritt ist häufig eine unbürokratische Aussetzung von Zins- und Tilgungsleistungen“, heißt es bei der KSK, die VVB handhabt es ähnlich.

Aber es geht nicht immer alles: „Zu Diskussionen kommt es vorwiegend bei kleineren Engagements, wo auch bisher schon die finanziellen Verhältnisse eher eng waren“, berichtet Soester aus der Praxis seines Hauses „hier kommt es wegen nachvollziehbarer Existenzangst schnell zu emotionalen Reaktionen“.