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Sprachförderung
Wie Kinder miteinander sprechen lernen

Am Standort Heilige Dreifaltigkeit Fraulautern informierten die Verantwortlichen von KiTa gGmbH und Diözesancaritasverband über das neue Bundesprogramm „Sprach-Kita“.
Am Standort Heilige Dreifaltigkeit Fraulautern informierten die Verantwortlichen von KiTa gGmbH und Diözesancaritasverband über das neue Bundesprogramm „Sprach-Kita“. FOTO: Carolin Merkel
Fraulautern. Zwei neue Sprachfachkräfte sind ab sofort in drei Saarlouiser Kitas im Einsatz. Sie sollen gezielt sprachliche Fähigkeiten fördern. Von Carolin Merkel

Im Morgenkreis, beim Mittagessen oder beim Wickeln – Sprachanlässe schaffen, das wollen die beiden neuen Sprachfachkräfte Annabelle Bonde, 23 Jahre, und die 30 Jahre alte Kinga Smolka ab sofort in den drei ausgewählten Kindertageseinrichtungen der Kita gGmbH, in denen sie beschäftigt sind. Zusätzlich, wie Thomas Schmitz, Geschäftsführer des katholischen Trägers betont, werden sie sich in den verbleibenden dreieinhalb Jahren um die Förderung der Sprache kümmern.



„Wir wollen dabei aber nicht einzelne Kinder aus der Gruppe herausnehmen, sondern bieten eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung für alle in der Einrichtung an“, betont Bonde. Sie wird in enger Kooperation unter anderem mit der Standortleitung Gudrun Huckert im Kindergarten Heilige Dreifaltigkeit Fraulautern das Team der Erzieherinnen unterstützen.

Vor 25 Jahren, sagt Huckert, wäre ein solches Projekt, bei dem gezielt das Miteinander Sprechen gefördert wird, wohl nicht notwendig gewesen. „Immer mehr erleben wir, dass die Eltern, wenn sie ihre Kinder bringen, das Telefon am Ohr haben. Es passiert kaum noch Sprache“, erzählt sie aus dem Alltag. Huckert ist überzeugt, dass die Sprache im frühkindlichen Alter großen Einfluss auf den späteren Bildungsweg haben kann. „Hinzu kommt bei uns, dass wir mehr als 50 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund in unserer Einrichtung haben. Auch hier müssen wir aktiv werden“, sagt sie.

Damit verfolgt die Kita in Fraulautern das erklärte Ziel des Bundesprogramms der Sprach-Kitas unter dem Motto: „Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. Das Förderprogramm wurde vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend im vergangenen Jahr aufgelegt. Neben der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung stehen die inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit den Familien im Fokus des Programmes.

Viel Geld nimmt das Ministerium in die Hand, insgesamt werden im Zeitraum von 2016 bis 2020 Mittel im Umfang von rund einer Milliarde Euro zur Verfügung stehen. Bereits im vergangenen Sommer, erläutert Schmitz, hat auch sein Träger von der zweiten Förderwelle erfahren und überlegt, an welchen Standorten besonderer Bedarf besteht. Mit rund 25 000 Euro für jeweils eine halbe Fachkraft, sagt er, sei der finanzielle Aufwand gedeckelt, die Kita gGmbH wird weitere zusätzliche Mittel in das Projekt stecken. Neben Fraulautern sind in Saarlouis auch die beiden Einrichtungen Herz Jesu Lisdorf und St. Ludwig in Saarlouis am Bundesprogramm beteiligt. „Ich möchte aber ganz klar und deutlich betonen, dass auch an allen anderen Standorten Sprachförderung betrieben wird“, erklärt Schmitz. Die Aufgabe von Bonde und Smolka ist recht klar abgesteckt. Sie werden den Erzieherinnen in den Einrichtungen über die Schulter schauen, wertvolle Tipps im Umgang mit der Sprache geben. „Vieles läuft schon instinktiv richtig. Wir wollen vor allem sensibel machen für die Kommunikation“, sagt Bonde. Geplant, erklärt sie, sind Teamtreffen, sie wollen Multiplikatoren sein – und sie wollen vor allem in Kooperation mit den Eltern bei Elternabenden und auch Stammtischen etwas bewegen.



Ansonsten eher gegen die „Projektitis“ gewandt, beteiligt sich auch der Diözesancaritasverband an diesem Programm, wie Irmtraud Lauer betont. „Es gibt nur noch Gelder für Projekte. Aber wir sind von dieser Sache, bei der viel Geld in die Hand genommen wird, wirklich überzeugt“, sagt sie. Zu den Sprachfachkräften vor Ort kommt als weitere Anlaufstelle die Sprachfachberaterin des Verbandes, Silvia Breuer, dazu. Sie will die Akteure der insgesamt 13 Sprach-Kitas, die im Saarland an dem Programm teilnehmen, zusammenbringen und beratend zur Seite stehen.

Weitere Informationen zum Programm unter www.sprach-kitas.fruehe-chancen.de