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Wie ist das, wenn man berühmt ist?

Wie ist das, wenn man berühmt ist?

Robin Hood war einer seiner Kindheitshelden, erzählte Justizminister Heiko Maas am Freitag Kindern der Vogelsangschule in Saarlouis. Ob es in Ordnung war, was er tat? Eigentlich schon, fanden die Kinder.

War es in Ordnung, was Robin Hood gemacht hat? Da haben die Kinder was zu sagen, sie kommen mit Maas so richtig ins Gespräch.

Selten kann man Eis so deutlich brechen hören wie am Freitag in der Vogelsangschule. Heiko Maas , der Bundesjustizminister , las in Klasse 4.1 vor, Leseförderung, organisiert von der Stiftung Lesen. Maas las aus "Robin Hood ", dem Buch über den englischen Räuber aus dem Mittelalter. Aber er ist nicht der Typ Märchenonkel. Die Kinder artig, aber nicht so wirklich dabei. Auch noch nicht, als Maas das Buch zuklappt und fragt: Robin Hood klaut den Reichen das Geld und gibt es den Armen, die es wirklich brauchen. Ist das okay? Ja schon, finden die 14 Kinder, ein Bub: "Die Reichen haben es ja vorher auch anderen weggenommen." Aber, entgegnet Maas, er habe gegen Gesetze verstoßen.Wir haben es besser. Wir haben Gesetze, die verhindern, dass es einen Robin Hood geben muss. Ist doch ganz okay, oder?"

Die Kinder vernehmen's, und dann endlich können sie ihre Fragen loswerden. Ob er extra wegen ihnen nach Saarlouis gekommen sei. Ja, sei er - da staunen die Kinder, applaudieren. Und hören, dass auch die Kinder des Ministers eine Zeit lang die Vogelsangschule besucht haben. Ob er sich erinnere, fragt ein Mädchen, welche Bücher er in anderen Schulen vorgelesen habe - eine schlaue Frage. Maas, dieses einzige Mal mit einem langen "Äääh": "Ich lese immer aus Robin Hood . Er war einer meiner Helden. Ich habe alle Filme gesehen und natürlich die Bücher gelesen." Was sie denn so lesen, wollte Maas von den Viertklässlern wissen. Spätestens da war plötzlich das Eis gebrochen, fast jedes der 14 Kinder wollte was sagen. Das blieb so, und am Ende der Stunde werden sich die Kinder um Heiko Maas drängeln. Manche machen Selfies mit dem Handy, aber der Hit des Tages waren Autogrammkarten.

Gregs Tagebuch, eine Serie von Comic-Romanen von Jeff Kinney, ergibt sich eindeutig als Lese-Favorit dieser Kinder. Bände davon, wissen wir jetzt, liegen auch bei Maas' Söhnen, fast zehn und fast 14, zuhause in Potsdam. In Potsdam, erzählt Maas zur Gaudi der Kinder, sei er mit den beiden Söhnen in den neuen Starwars-Film gegangen. "Ich habe so ein Lichtschwert wie im Film, das auch Geräusche macht, das habe ich heimlich ins Kino mitgenommen. Ich war der Einzige, der irgendwas aus dem Film dabei hatte. Meine Kinder fanden mich nur peinlich und rutschten immer tiefer in den Kinosessel. Am Ende haben sie mir empfohlen, als Justizminister am besten zurückzutreten."

"Wie ist das denn so, wenn man so berühmt ist?", will einer aus der 4.1 wissen. Das muss Maas lachen. "Was glaubst du denn?" "Toll." "Und was ist da so toll?" Der Junge: Hmm. Maas: "Ein tolles Gefühl ist es jedenfalls nicht, keins, das einen automatisch glücklich macht. Manchmal nervt es sogar, wenn alle schauen, was man macht. Ob der Justizminister nicht bei Rot über die Ampel geht."

Und wie alt er denn sei? "Was glaubt ihr?" Die Schätzungen reichen von 36 bis 44, die Kinder wundern sich, als er sagt: 49. Wollen Sie ein Duplo?, fragt ein Knirps. "Ich habe nämlich zwei." Ehe der Minister sich entscheiden kann, halten ihm andere Kuchen unter die Nase, den sie extra gebacken hatten. Maas greift fröhlich zu.