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Kunst im öffentlichen Raum
Wie im Leben, alles gar nicht so schwer

Institutsleiter Jo Enzweiler erläutert die Ausstellung Robert Schad im Institut für aktuelle Kunst.
Institutsleiter Jo Enzweiler erläutert die Ausstellung Robert Schad im Institut für aktuelle Kunst. FOTO: Thomas Seeber
Saarlouis. Eine kleine Ausstellung begleitet das Großprojekt „Deux Villes“ mit Stahlskulpturen von Robert Schad in Metz und Saarlouis. Sie beweist: Kraft ist eine zarte Linie. Sie kann es jedenfalls sein. Von Johannes Werres

Vielleicht ist es mit den Skulpturen von Robert Schad wie mit dem Leben: Man sieht sie und möchte glauben, es ist doch alles gar nicht so schwer. Das Leben, ein Tanz. Deswegen sieht man sie gern. Aber so ist es nicht, nicht im Leben, nicht mit diesen Skulpturen. In Wahrheit wiegt jedes der Stahlobjekte, die noch bis zum Frühjahr in Saarlouis und in Metz stehen, viele Tonnen. Aber die Illusion gefällt.


Leichtfüßig kommen die Stahl-
skulpturen daher, das ist das Thema des Stahlbildhauers Schad, wie er selbst zur Eröffnung sagte: Sehnsucht eines Menschen, der selbst damit nicht gesegnet ist.

So entstehen mit wenigen Stahlstrichen Zeichnungen im Raum, so minimalistisch, dass selbst der Raum Luxus ist, denn es geht sogar noch ohne Raum. Beweis: Die großformatigen Bilder von Robert Schad, die derzeit im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis ausgestellt sind. Zweidimensional, auf dünnem Stahlblech, ohne Raum, dasselbe Spiel mit Schwere und Leichtigkeit wie in den Stahlskulpturen. Nicht besonders viele Exponate, aber dafür sehenswert.



Robert Schad gilt als ein „weltweit akzeptierter Stahlbildhauer“, erklärt Professor Jo Enzweiler, Leiter des Instituts für aktuelle Kunst: Es ist ein Institut an der Hochschule für Bildende Künste Saar, befindet sich aber in Saarlouis.

Schad betreibt ein Großprojekt in ganz Europa, zwischen Portugal und der Bretagne. Er lässt an ausgewählten Orten seine Stahlskulpturen aufstellen, um zu sehen, wie das Publikum sie sieht. Ob es die vertrauten Orte mit den neuen Orten anders sieht als vorher. Zuletzt wollte Schad sein Projekt in vier Städten gleichzeitig installieren: Saarbrücken, Metz, Luxemburg und Trier. Den Katalog sollte das Saarlouiser Institut erstellen.

Doch alle Städte außer Metz sprangen ab. Enzweiler selbst brachte Metz im Duo mit Saarlouis als neuen Standort ins Spiel. Schad sagte zu. In Metz und Saarlouis gaben die politischen Gremien ungewöhnlich schnell grünes Licht. Jetzt verbindet dieser Eindruck der Leichtigkeit, die gar keine ist – oder der Schwere, die so leicht daher kommt, ganz bewusst beide Städte für einige Monate. „Deux villes – Zwei Städte. Metz und Saarlouis im Dialog“ heißt die Ausstellung offiziell.

39 Skulpturen sind es. In Saarlouis 18, in Metz 21. In beiden Städten sind sie als Parcours gedacht, den man abgehen kann. Einen Plan dazu gibt es in der Tourist-Info am Großen Markt in Saarlouis. In Metz wurde das Projekt in den Veranstaltungsreigen „Constellations de Metz“ integriert. Auch dort zeigt man eine Begleitausstellung.

„Konsequent“ ist das Wort, das Enzweiler zur Arbeit des Bildhauers Schad einfällt. Er zeichnet Bewegung mit Stahl in die Luft. Das Rätsel seiner Skulpturen besteht darin, dass sie nichts Bestimmtes symbolisieren und deswegen gerade nicht zum Rätselraten einladen wollen. Sie sind, was sie sind. Das wird in den Bildern noch deutlicher. Es sind keine Vorzeichnungen, sondern eigenständige Arbeiten. Aus der dreidimensionalen Bewegung der Skulpturen wird zweidimensional die Spur der Kraft. Eine zarte Spur, trotz des monumentalen Formates. Ohne jede Assoziation, ohne Kalkül, dennoch irgendwie richtig, im besten Sinne frei.

Die fünf Bilder, Lack auf Stahlblech, werden in dem Ausstellungsraum konfrontiert mit sechs Stahlskulpturen von Schad. Das ist auch deswegen sinnvoll, weil Schad eben Stahlbildhauer ist, sich ausdrücklich als solcher versteht. Er arbeite, unterstreicht Enzweiler, „vollplastisch“, der Eindruck aber sei „graphisch“

Stahlbildhauer: Nicht mehr selbstverständlich, sagt Enzweiler, die „allgemeine Entwicklung“ in der Kunst und den Hochschulen Europas habe sich von diesem Genre abgewandt zugunsten von Videoinstallationen oder Konzeptkunst. Schad aber habe von Anfang an und konsequent in Stahl gearbeitet.

Und noch etwas hat Enzweiler beobachtet: Anders als sonst oft bei abstrakter Kunst im öffentlichen Raum entstünden vor den Schad-Skulpturen „keine Aggressionen dagegen“. Die Reaktion auf das Spiel mit der Schwere der Leichtigkeit (oder umgekehrt) sei eher: „Es erstaunt“. Und: Die zweidimensionalen Bilder sind, meint Enzweiler, doch räumlich. Aber wie? Ohne Tiefe? Ohne Perspektive? Bloß Kraft. Sie eignen sich wirklich zum Philosophieren über das Leben, das Leichte und das Schwere darin, die Bilder und Skulpturen von Robert Schad.

Begleitausstellungen in Metz und Saarlouis: Saarlouis, Institut für aktuelle Kunst, „Robert Schad – Skulpturen und Zeichnungen“, bis 12. Oktober. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag,
14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Tel. (0 68 31)- 46  05  30;
info@institut-aktuelle-kunst.de.
Metz, Porte des Allemands,„Constellations de Metz – Parcours Robert Schad“ bis 16. September.
www.constellations-metz.fr.
Die VHS fährt am Samstag, 1. September, zum Parcours Robert Schad. Anmeldung bis Freitag, 17. August (36/28 Euro).