Leserbrief zum Heiligmorgen : Wie viel Toleranz muss denn sein?

Heilig Morgen in Saarlouis

Wie viel Toleranz muss man aufbringen? Muss man wirklich die Einrichtung und Beschallung des „Heiligen Morgens“ 2017 hinnehmen? Das Gedröhne vor vielen Kneipen in der Stadt von 10 bis 16 Uhr, hörbar selbst in gut isolierten Wohnungen, in denen man mit Kindern mit der Bescherung beginnen will! Muss man so etwas genehmigen, wenn es denn einer Genehmigung bedarf? Dann kann man eigentlich auch nichts gegen Weihnachtseinkäufe am vierten Advent haben.

Wie viel Toleranz muss man aufbringen, um die abartige, überdimensionierte Almhütte in der Mitte des Weihnachtsmarktes schön zu finden? Kann man sich nicht auch an wirklich niveauvollen Weihnachtsmärkten vergleichbarer Städte (zum Beispiel Lübeck) orientieren? Man hat den Eindruck, es geht hierzulande nur um Essen und Trinken.

Müssen die Marktfrauen tolerieren, dass sie fünf Wochen im Abseits ihre Waren anbieten müssen, es ist schließlich ihre Existenz? Man braucht Flüchtlingen und/oder Muslimen keinen Eingriff in unsere (christliche) Kultur vorzuwerfen, diese ist und wird von uns – so genannten Christen – ganz alleine zerstört.

Ich habe übrigens unter den Teilnehmern keine Muslime erkennen können, aber jede Menge deutsche Männer, die zum Beispiel das Wasserbecken am Cora-Eppstein-Platz und die Hauswand des Cafés „Mocca Chili“ als Pissoir benutzten. Ist das unsere Kultur? Das zu dulden – versteht man das unter Toleranz? Übrigens wünschten uns viele unserer muslimischen Nachbarn und Bekannten besinnliche Weihnachten – das ist Toleranz.

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