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Werden und Vergehen im Bild festgehalten

Werden und Vergehen im Bild festgehalten

Unter dem Titel „Werden und Vergehen“ zeigt Ulrike Jenal aus Überherrn 25 Acrylarbeiten und Collagen im Alten Rathaus Saarwellingen. Zur Vernissage am vergangenen Freitag kamen zahlreiche Besucher.

Ein Tipp vorweg: Lieber zunächst ohne die Liste mit den Titeln der Bilder durch die Ausstellung von Ulrike Jenal gehen! Auf einem Gemälde ist ein heller Block, vielleicht Beton, zu sehen. Heraus wächst ein dunkles Gebilde, als würden Champignons die Straßendecke durchbrechen. Es könnte auch anders herum gesehen werden: Das dunkle Gebilde auf blutrotem Grund dringt in den kompakten Block hinein, setzt sich fest wie ein Stachel im Fleisch. Optimismus oder Pessimismus - beide Lesarten sind möglich. "Bedrohung" heißt das Bild. Es ist typisch für die Künstlerin aus Überherrn.

Auf den ersten Blick scheinen ihre Bilder reduziert zu einfachen Formen, in oft einer dominanten Farbe (etwa Rot oder Blau) und scheinbar klaren Symbolen. Dabei können sie ganz gegensätzlich interpretiert werden. Es sind quasi gedankliche Vexierbilder. Was positiv scheint, kann auch negativ sein, was schön ist auch hässlich, was klein ist auch groß, was ruhig auch wild. Rost ist ebenfalls typisch. Ulrike Jenal setzt Hülsen, Späne, Schraubmuttern ein. Ihrer Funktion entledigt, gewinnen sie ästhetische Qualität. Metall, der Werkstoff der modernen Welt, versinnbildlicht Aufbau und Konstruktion ebenso wie Zerfall und Schrott. Und rostiges Metall hat dieselben Farben wie die "Mutter" Erde. Im Bild "Lebensspirale" stehen Felszeichnungen und Schriftzeichen für die fortschreitende Kultur auf mit Steinen festgelegter Bahn.

Im Bild "Große Meister" wird das scheinbar Primitive hoch geschätzt. In "Kreislauf des Lebens" kann im Zentrum ein Embryo im Mutterleib gesehen werden oder ein Greis im Krankenbett. Und alles weitet sich in Richtung Unendlichkeit. Begrenzung und Entgrenzung sind auf diesen Bildern auf geheimnisvolle Art dasselbe. Ihre Collagen dienen als Hommage - für Einstein, Kennedy oder die Straßenbahnlinie 9 zwischen Saarlouis und Creutzwald. Im Zitat, in der Erinnerung leben sie weiter.

"Werden und Vergehen" lautet der Titel der Ausstellung. Sie zeigt auf verschiedene Art, dass das eine nicht ohne das andere möglich ist, dass eines ins andere übergeht wie das Blau ins Grün in den besonders stimmig aufgehängten Bildern des ersten Ausstellungsraumes. Da bricht die Farbe in einer hellen Fläche auf, wie ausgetrocknete Erde einer Insel umgeben von tiefem Wasser. Piktogramme laden zum Lesen und Interpretieren ein.

Man darf viel Lebenserfahrung vermuten - und viel Lebenslust. "Machen wir uns einen schönen Abend!", ruft Ulrike Jenal ihren Gästen zu. Zuvor führte die Schriftstellerin Gisela Bell klug und charmant in die Ausstellung ein. Point Verse machte schöne Musik mit gutem Gespür für die Atmosphäre.

Die Ausstellung "Werden und Vergehen" kann bis 20. Juli im Alten Rathaus, Vorstadtstraße 77, in Saarwellingen besucht werden, dienstags bis samstags, 18 bis 21 Uhr.