Weniger Kurse für gleiche Chancen

Weniger Kurse für gleiche Chancen

Die kostenpflichtigen Zusatzangebote externer Anbieter in der Kita Steinrausch fallen weg. Der Grund: Sie benachteiligen die Familien, die sie sich nicht leisten können. Hausinterne Alternativen sollen entstehen.

Mit einem Elternbrief informierte kürzlich die Kita Steinrausch darüber, dass ab Herbst die Kurse externer Anbieter wegfallen. Bisher konnten Sport, Musik und Fremdsprachen am Nachmittag zusätzlich gegen eine Gebühr gebucht werden. Gleich zwei Begründungen sind in dem Elternbrief zu lesen: Zum einen führe die Teilnahmegebühr dazu, dass nur ein eingeschränkter Kreis das Angebot nutzen könne. Zum anderen stünden den übrigen Kindern in dieser Zeit nicht alle Räume zur Verfügung.

"Da die Gesamtnutzung aber ein wesentlicher Teil der Betriebserlaubnis ist, kann eine eingeschränkte Nutzung unter Umständen zum Verlust der Betriebserlaubnis führen", steht in dem Schreiben, das gemeinsam vom Träger, der Stadt Saarlouis, und dem Team der Kita unterschrieben ist.

Eltern bedauern dies

Absolut zufrieden, das betont Anne Hahn, die bereits ihren zweiten Sohn in der Kita hat, sei sie mit dem Bildungsangebot, auch die Förderung sei sehr gut. "Doch natürlich hat uns das Zusatzangebot, das schon unser ältester Sohn genutzt hat, sehr gut gefallen, seine Ergebnisse in Französisch waren toll", sagt Hahn. Sie kann nicht verstehen, dass gerade die Kurse in Französisch bei der aktuellen Frankreichstrategie des Landes gestrichen werden. "Es ist doch toll, wenn die Kinder das von klein auf täglich hören", sagt sie. Sie hält die Argumente der Chancengleichheit für vorgeschoben.

Dem kann sich Stephanie Jadlowski nur anschließen. Auch sie hat das zweite Kind in der Kita, war froh, dass es am Nachmittag Zusatzangebote gab. "Ich arbeite am Nachmittag, kann mein Kind in keinen Verein bringen. Wenn dieses Angebot gestrichen wird, dann wird mir und meinem Kind die Chancengleichheit doch auch genommen", meint sie.

"Die Betriebserlaubnis der Kita besagt, dass alle Räumlichkeiten der gesamten Einrichtung für alle Kinder gleichermaßen nutzbar sein müssen", erklärt hierzu Sascha Schmidt, Sprecher der Stadt Saarlouis. Über die Zeit habe sich über das reguläre Betreuungs- und Bildungsangebot hinaus eine Vielfalt an Projekten entwickelt, die unter anderem von Vereinen bereitgestellt wurden und die kostenpflichtig waren.

Kurse nicht zulässig

Nun gab es den Einwand vom Landesjugendamt: "Durch die kostenpflichtigen Angebote werden Kinder benachteiligt, deren Eltern sich die Teilnahme an den Projekten aus finanziellen Gründen nicht leisten können", heißt es dort. Im Rahmen der Betriebserlaubnis sei dies nicht zulässig, erklärt Schmidt. "Das finden wir einerseits schade, da wir auch die Vielfalt und Qualität der Angebote schätzten. Jedoch können wir auch die Argumente des Landesjugendamtes nachvollziehen." Saarlouis setze in seinen Kitas das saarländische Bildungsprogramm um. "Außerdem werden wir die entfallenen kostenpflichtigen Projekte durch hausinterne ersetzen." Ins Auge gefasst sei bereits das Projekt "Haus der kleinen Forscher", das Kindern spielerisch naturwissenschaftliches, mathematisches und technisches Wissen vermittelt.

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