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Weiter Streit um Taffingstal in Picard

Der Mühlenbach ist anfangs noch in gutem Zustand.
Der Mühlenbach ist anfangs noch in gutem Zustand.
Picard. Die Anwohner des Taffingstal in Picard sind sauer auf die Stadt: Immer noch läuft Abwasser in den Bach im Naturschutzgebiet, das Bachbett wurde immer noch nicht geräumt. Angeblich ist dies nur bei Dauerfrost möglich. Nicole Bastong

Anwohner des Mühlenbaches in Picard beklagen seit langem, dass ihre Grundstücke oberhalb des Naturschutzgebietes "Taffingstal" versumpfen, weil das Gebiet und der Bach unzureichend gepflegt werden (die SZ berichtete mehrfach). Die Betroffenen fordern, den zugesetzten Bach auszuheben und das Naturschutzgebiet wieder zu pflegen. Über 200 Unterschriften wurden der Stadt übergeben. Doch der Ärger hat noch immer kein Ende.

Zwar beginnt in Kürze die Sanierung des EVS-Hauptsammlers Felsberg/Picard , doch das Problem der Wasserverschmutzung ist damit nicht gelöst. Denn diese kommt von falsch angeschlossenen Hauskanälen, aus denen Abwasser in den Bach geleitet wird. Die Stadt räumte ein, nach Verfilmung des Kanals 13 falsche Anschlüsse entdeckt zu haben. Die betroffenen Anwohner seien angeschrieben und aufgefordert worden, diese auf eigene Kosten zu beseitigen, bestätigte ein Sprecher der Stadt.

Andere Grundstücke angeboten


Weil Christa und Ferdinand Ecker beklagt hatten, wegen der häufigen Überschwemmung ihre Pferdekoppel in der Nähe des Wohnhauses kaum noch nutzen zu können, hatte die Stadt ihnen zum Ausgleich ein Pachtangebot in Lisdorf gemacht, das sie aber als unpraktikabel ablehnten. "Wir müssen mindestens zwei Mal am Tag zu den Pferden zum Füttern, außerdem möchten wir sie beaufsichtigen", erklärt Ferdinand Ecker. "Das angebotene Grundstück liegt auf der anderen Seite der Autobahn."

"Lebensgefahr" für Arbeiter

Neben der gesundheitlich bedenklichen Verschmutzung des Baches ist immer noch die Verwilderung des angrenzenden Naturschutzgebietes ein Ärgernis für die Anwohner. Obwohl das Umweltministerium dort Arbeiten im Winter genehmigt hat, führte die Stadt diese abermals "nur zögerlich" aus, beklagen die Eckers. Es bestehe "Gefahr für Leib und Leben", wenn am Bach gearbeitet werde, hieß es von Seiten der Stadt Anfang Februar. "Dabei war längere Zeit der Boden gefroren", meint Ecker. Angeblich sei laut Stadt durch erste Arbeiten im Januar eine Senkung des Wasserspiegels erzielt worden; das könne man leicht mit Messungen widerlegen, sagt Ecker. "Somit sind die Arbeiten abgeschlossen", schrieb die Stadt. Nicht jedoch für die Anwohner.

In der Verordnung über das Naturschutzgebiet von 1984 ist als Ziel "die Erhaltung und Förderung des Restbestandes eines ehemals ausgedehnten Feuchtgebietes" festgehalten. Die Verordnung verbietet übrigens ausdrücklich das "Ein- und Ableiten von Grund- und Oberflächenwasser"; Regen- und leider auch Abwasser wird jedoch dauerhaft eingeleitet.

Pflege wiederum versäumt

Zwar räumt das zuständige Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) inzwischen ein, dass das Gebiet seit Jahren nicht mehr gepflegt wurde. Grundsätzlich seien Pflegemaßnahmen, insbesondere im Schilf, vorgesehen. Ausgeschrieben wurden diese seit 2013 jedoch nicht mehr.

Die Anwohner der Dorfstraße fordern weiterhin von der Stadt, die Fehleinleitungen von Abwasser in den Mühlenbach zu beseitigen und das Bachbett auszuheben, so dass das Wasser abfließen kann und die Versumpfung der Grundstücke endet. Die Stadt solle eine Ausnahmegenehmigung erwirken, um "wenigstens den Abschnitt der letzten 30 Meter vor dem Taffingsweiher" zu räumen. Denn nun darf eigentlich nicht mehr gearbeitet werden: Die aktuelle Genehmigung galt nur bis 1. März.



Meinung:

Eine unglaubliche Chose!

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Der große Ärger der Anwohner des Taffingsbaches ist mehr als verständlich. Seit Jahren prangern sie vergeblich die Zustände am Bach an. Ein Unding allein, dass in einen Bach in einem Naturschutzgebiet ungehindert Abwässer fließen.

Und die Arbeiten am Bach selbst, zu denen die Stadt verpflichtet ist, werden immer wieder verschoben - obwohl die Genehmigungen vorliegen. Angeblich können die inzwischen völlig versumpften Ufer nicht mehr von Arbeitern betreten werden. Aber wie lange will man denn noch auf den Jahrhundertfrost warten?

Stattdessen sollte die Stadt lieber darüber nachdenken, wie man auch bei normaler Winterwitterung am Bach arbeiten kann. Und zur Not eine Spezialfirma beauftragen. Das kann ja nicht technisch unmöglich sein. Eine unglaubliche Chose!

So sieht der Bach bei Eintritt in das zugewachsene Naturschutzgebiet Taffingstal aus: versumpft und zugesetzt. Fotos: Ecker
So sieht der Bach bei Eintritt in das zugewachsene Naturschutzgebiet Taffingstal aus: versumpft und zugesetzt. Fotos: Ecker
Die Verschmutzung ist deutlich zu sehen und auch zu riechen.
Die Verschmutzung ist deutlich zu sehen und auch zu riechen.