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„Was wird mit der schönen Erde?“

„Was wird mit der schönen Erde?“

Der Naturschutzbund (NABU) Saarlouis/Dillingen feiert am Samstag sein 25-jähriges Bestehen, zugleich den Abschluss der vor zehn Jahren begonnenen Gestaltung des Ökosees Dillingen und die offizielle Einweihung eines Beobachtungsturmes. Prof. Dr. Norbert Schöndorf, 72, früherer Chefarzt in der St.-Elisabeth-Klinik Saarlouis, stieß nach seiner Pensionierung zum Nabu. Über Prinzipien des Nabu und den Ökosee berichtet er SZ-Redakteur Johannes Werres.

Herr Professor Schöndorf, zehn Jahre Ökosee Dillingen, das wohl größte Projekt der NABU-Gruppe Saarlouis/Dillingen bislang. Können Sie uns erklären, was der Ökosee eigentlich ist?

Prof. Schöndorf: Der See wurde seinerzeit als ökologischer Ausgleich im Rahmen der Saarkanalisierung angelegt. Die Insel in dem See verbuschte und entwickelte sich zu einer Goldrutensteppe ohne Leben. Heute hat sich eine artenreiche und pulsierende Vogelwelt am See eingestellt. Das Gewässer ist dank vieler Flachwasserzonen fischreicher geworden und auch Krebse, Biber, Amphibien und seltene Pflanzenarten fühlen sich heute wohl. Das Prinzip des Ökosees, eine gesunde Koexistenz von Natur, Öko-Tourismus und Naherholung, hat sich bewährt.

Ein typisches NABU-Projekt?

Schöndorf: Der NABU-Ortsgruppen- und Kreisvorsitzende Ulrich Leyhe hat die Gestaltung des Ökosees mit seiner Insel geplant und geschaffen. Typisch Nabu ist, für bestimmte Projekte Fördermittel von Ämtern und Sponsoren zu beschaffen, da dies aus einer Vereinskasse nicht zu stemmen wäre. Allein die Kosten für den Ökosee verschlangen in den zehn Jahren rund 200 000 Euro. Die Eigenleistung ist gar nicht bezifferbar. Aber 25 Jahre NABU Saarlouis/Dillingen bestanden nicht nur aus dem Projekt Ökosee. Die Anfänge waren mühsam, und es dauerte seine Zeit, bis der NABU in der Region die nötige ökologische Schlagkraft bekam und ernst genommen wurde, um überhaupt im Sinne des Naturschutzes wirken zu können. Heutzutage stehen Probleme im Raum, die es vor 25 Jahren so gar nicht gab. Ein Beispiel: die Problematik der Windenergienutzung und ihre Auswirkungen auf die Vogel- und Fledermauswelt. Gegen Monokulturen und mit Pestiziden verseuchte Böden anzugehen. Aber auch geeignete Ausgleichsflächen zu finden, um große Eingriffe sinnvoll kompensieren zu helfen. Kurz gesagt: Der Erhalt unserer Restnatur stellt die großen Herausforderungen unserer Zeit.

Sie waren Chefarzt der Gynäkologie am Marienhausklinikum St. Elisabeth in Saarlouis. Was hat Sie nach ihrer Pensionierung zum Nabu gebracht?

Schöndorf: Ich habe eine besondere Vorliebe für Vögel. Mich fasziniert ihre Ästhetik. Mit 65 habe ich angefangen, mich für Ornithologie zu interessieren. Aber vorher schon habe ich an Fachtagungen einer Gesellschaft für Alpenornithologie teilgenommen - als Gast, genauer gesagt, als Babysitter für unseren zweiten Enkel , denn mein Schwiegersohn war in dieser Gesellschaft stark engagiert. Seitdem sind wir jedes Jahr dabei. Ich wurde dann Mitglied im OBS, dem Ornithologischen Beobachterring Saar, habe an ein paar Wasservogelzählungen oben bei Perl teilgenommen, und bin dann dem NABU beigetreten.

NABU-Mitglieder kennen sich oft gut aus mit der Natur. Wie kommen sie an ihre Kenntnisse?

Schöndorf: In der Hauptsache wohl, indem sie von einzelnen Personen im NABU lernen. Typisch ist, dass jemand, der neu ist, sich dem einen oder anderen Projekt anschließen kann. Da lernt man schnell.

Beim NABU hört man sehr viel über die heimische Vogelwelt . Ist das der Schwerpunkt des NABU im Kreis Saarlouis?

Schöndorf: Ornithologie ist stark vertreten, ja. Viele NABU-Mitglieder gehören auch dem ornithologischen Beobachterring Saar (OBS) an. Weitere Interessenschwerpunkte der NABU-Mitglieder im Kreis Saarlouis sind Amphibien und Pflanzen.

Wozu sind Sie selbst im NABU?

Schöndorf: Ich frage mich schon, was wird mit unserer schönen Erde? Ich finde, der Gedanke, unsere schöne Welt für unsere Enkel zu bewahren, der hat was für sich.

Sie sind eins von rund 2500 NABU-Mitgliedern im Kreis Saarlouis. Was tun die NABU-Mitglieder?

Schöndorf: Unsere Mitglieder bringen sich engagiert ein. Ohne dies wären unseren umfangreichen Aktivitäten die sich vom Mehlschwalbenschutz in Lisdorf bis zum Erhalt der Grasfroschlebensräume in Gerlfangen erstrecken, gar nicht denkbar. Übrigens ein gutes Beispiel: An einem Haus wurden Nistmöglichkeiten für Mehlschwalben vernichtet, die Brutplätze wurden mit Stacheldraht blockiert. Das fiel einer Dame aus Lisdorf auf, und jetzt kümmert man sich darum. Beim NABU laufen vor allem projektbezogene Aktivitäten. Zuletzt die Renaturierung des Rotsoligbaches in Wadgassen, aber auch die Anlage von Uhubrutmulden in Lisdorf oder der Wanderfalkenschutz.

Viele unserer Mitglieder sind irgendwo an der Umweltbeobachtung beteiligt. Beim NABU nehme ich dabei das Bestreben wahr, Entwicklung in einer rationalen Harmonie zu betreiben. Das leuchtet mir auch ein. Für mich sind die Fotos mit dem Ökosee im Vordergrund, und die Industrieanlage der Dillinger Hütte im Hintergrund Ausdruck eines solchen Ausgleichs.

 Viele Vogelarten haben den Ökosee und die Insel darin als Quartier oder Rastplatz angenommen. Foto: Rolf Ruppenthal
Viele Vogelarten haben den Ökosee und die Insel darin als Quartier oder Rastplatz angenommen. Foto: Rolf Ruppenthal Foto: Rolf Ruppenthal

Zum Thema:

Auf einen BlickDie NABU-Ortsgruppe Saarlouis/Dillingen feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum. Gleichzeitig wird das größte Projekt des Nabu, der Ökosee Dillingen, nach zehn Jahren abgeschlossen. Mitten in dem See mit 22 Hektar Fläche liegt eine Flachwasserinsel von zwei Hektar. Beobachten lässt sich die Jahr um Jahr regere Vogelvielfalt von einem hölzernen Turm aus. Der steht am Samstag, 9. Mai, ab 10 Uhr, im Fokus einer kleinen öffentlichen Feier. Man parkt am besten nahe den Sportanlagen und geht dann rechts herum am See entlang. Vorsitzender und treibende Kraft der NABU-Ortsgruppe Saarlouis/Dillingen (1250 Mitglieder) und des Kreisverbandes ist Ulrich Leyhe. we