Warum Christen in Nahost leiden

Was steckt hinter der Verfolgung von Christen im Nahen und Mittleren Osten? Warum sind fast alle assyrischen Christen geflohen? Darüber informiert morgen die Expertin Gabriele Yonan in Saarlouis.

Was hinter den Fernsehbildern und den Zeitungsnachrichten steckt: Die Terrormiliz IS vertreibt und ermordet in Syrien und Irak Menschen, die nicht genau der Form des Islam folgen, die sie für die einzig wahre halten. Das trifft vor allem assyrische Christen . Deutschland liefert Waffen an eine kurdische Miliz, Soldaten auch der Saarlandbrigade weisen sie in den Gebrauch ein. Gabriele Yonan aus Berlin, die lange an wissenschaftlichen Instituten gearbeitet und 1978 das erste deutsche Fachbuch über die Lage der Assyrer geschrieben hat, klärt über Hintergründe auf: am heutigen Donnerstag, 18. September, 19 Uhr, im Pfarrheim St. Ludwig, Pavillonstraße 23, in Saarlouis .

Assyrische Christen , die verschiedenen Konfessionen angehören und Aramäisch sprechen, die Sprache Jesu, verstanden sich laut Yonan schon als eine Kulturnation, bevor die jetzigen Staatsgrenzen gezogen wurden. "Sie haben auch einen politischen Anspruch", verteilen sich aber auf Irak , Syrien , Iran und Türkei. In den vergangenen Jahrzehnten hätten sie ungestört Christen sein können, seien aber verfolgt worden, wenn sie sich als Assyrer politisch betätigt hätten. Die Familie von Charli Kanoun, geboren 1978, Vorsitzender des Assyrischen Kulturvereins im Saarland, ist 1986 deswegen aus Syrien geflohen. Die Familie war mit anderen bereits in den 30er Jahren vom Völkerbund , dem Vorgänger der UN, nach Syrien umgesiedelt worden. Charli Kanoun: "In unseren 40 Dörfern lebten 20 000 Christen . Jetzt sind es noch 1000." Der Kulturverein hat Yonan nach Saarlouis eingeladen.

Heute verfolge und ermorde die Terrormiliz IS alle, die nicht ihrer Vorstellung von Islam entsprächen, erklärt Yonan.

Sie hält eine international garantierte Schutzzone, wie von den Assyrern und von Kirchen in Deutschland gefordert, für sinnvoll. Sie läge in der Ninive-Ebene um Mossul im Nordirak. Sie ist das historische Kerngebiet der Assyrer. Die christlichen Dörfer dort sind jetzt leer. Dennoch glaubt Yonan, "wäre das durch eine Schutzzone wieder rückgängig zu machen."

Geflohen sind die Christen vor allem ins autonome Kurdistan ebenfalls im nördlichen Irak . Sie sind dort auf den Schutz durch Kurden, meist Sunniten, angewiesen, "realistisch gesehen haben sie keine Wahl, als ihnen zu vertrauen. In der jetzigen Lage können sie das auch", sagt Yonan.