1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Saarlouis

„Vorsicht ist besser als Nachsicht“

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Virus : „Vorsicht ist besser als Nachsicht“

Das Corona-Virus ist in den Köpfen der Menschen in Saarlouis angekommen. Panik gibt es aber nicht.

„Vorsicht ist besser als Nachsicht“, mahnt die 75-jährige Helga Guss aus Wallerfangen. Damit spricht sie vielen Menschen beim Thema Corona-Virus aus der Seele. Bei einer Umfrage in der Saarlouiser Innenstadt zeigten sich die Passanten wegen des jetzt auch im Saarland angekommenen Virus’ teils gelassen, teils in Sorge. Am Dienstag wurde bestätigt, dass mit einem Oberarzt der Kinderklinik der Uniklinik Homburg der erste Saarländer mit Covid-19 infiziert ist. Und trotzdem versteht noch lange nicht jeder „den Hype um das Corona-Virus“, wie die 58-jährige Mirjam Kuhn klarstellt.

Leona Broszies aus Elm Foto: Joshua Schwinn

Andrea Messina ist beunruhigt, auch „wenn man die Kirche im Dorf lassen sollte. Ich habe jetzt keine übertriebene Angst. Aber ich gehe mit offenen Augen durch die Gegend.“ Besondere Hygiene-Maßnahmen ergreift die 45-Jährige wegen des saarländischen Corona-Falls nicht. „Aber wenn ich heim komme, wasche ich mir die Hände.“

Dagmar Gaspard aus Saarlouis Foto: Joshua Schwinn

Eine Ansteckungsgefahr sehen viele Passanten vor allem bei Großveranstaltungen. „Ich habe mir auch schon überlegt, ob ich auf den 50. Geburtstag einer Freundin gehen soll. Da werden 100 Leute sein“, zeigt sich Messina nachdenklich.

Unbeeindruckt vom Corona-Virus ist die 81-jährige Anne-Liese Trenz aus Roden. „Ich mache keine Hamsterkäufe und habe auch keine Angst vor dem Virus. Ich bin natürlich ein bisschen vorsichtig, aber für mich ist das wie bei einer Grippe, die immer im Februar umgeht.“

Anne-Liese Trenz aus Roden Foto: Joshua Schwinn

Ein 65-jähriger Passant aus Merzig sieht das ähnlich: „Wir haben wegen der Grippe im Jahr Tausende Tote, über die keiner spricht. Aber das Corona-Virus ist eine fremde Angelegenheit, deswegen ist die Masse beunruhigt. Ich halte nichts von den Hamsterkäufen, aber man merkt, dass die Leute sich eindecken. Aber man kann sich ja nicht einsperren, damit nichts an einen herankommt.“

Sabine Oster aus Saarlouis Foto: Joshua Schwinn

Neben gesundheitlichen Problemen könnte das Corona-Virus im Landkreis auch wirtschaftliche Folgen haben. „Wir befürchten einen Umsatzeinbruch, weil die Leute sich nicht mehr in die Stadt trauen“, sagt Leona Broszies, Inhaberin von Opticland in Saarlouis. Wegen des Kundenverkehrs sieht die 62-Jährige besondere Vorsicht geboten: „Ich trage eine erhöhte Sorgfaltspflicht. Deswegen werden Türgriffe abgewischt und keine Hände geschüttelt.“ Dann erzählt die Frau aus Elm: „Ich komme gerade von der Post und da war niemand vor mir. Das habe ich noch nie erlebt.“

Kurt Schandt aus Saarbrücken Foto: Joshua Schwinn

Familie Bierlinger aus Diefflen hat „keine Panik vor dem Virus, aber Bedenken, dass alles rundherum Panik hat“. Mit Blick auf die Schulen und Kitas erzählt der 35-jährige Steven Bierlinger: „Bei der Arbeit hört man, dass Kitas Schilder aushängen, auf denen steht, dass bei einem ersten Corona-Fall die Schließung möglich ist.“

Fassungslos vom Konsumverhalten ihrer Mitmenschen zeigt sich Sabine Oster aus Saarlouis: „Die Hamsterkäufe finde ich ganz schlimm. Das hat mich schockiert. Ich muss heute wieder einkaufen, weil ich gestern nicht alles bekommen habe. Die Regale sind leer. Eine Frau, die vor mir an der Kasse stand, hat einen Einkaufswagen voll Toilettenpapier gekauft.“ Mit einem Schmunzeln fügt sie an: „In meinen Augen sind das kriegsähnliche Zustände.“

Mehr Verständnis dafür hat Dagmar Gaspard. Die Saarlouiserin kauft zwar selbst nicht in größeren Mengen ein. „Aber es ist schon verständlich, dass man auf den Moment vorbereitet sein will, wenn es in der engsten Umgebung ausbricht und man nicht mehr einkaufen gehen kann.“ Die 58-Jährige ist durchaus besorgt: „Ich bin jetzt vorsichtiger. Ich wasche die Hände, desinfiziere sie und besuche keine Großveranstaltungen. Ins Kino gehe ich heute Abend aber trotzdem.“

Kein Verständnis für die Panik um das Corona-Virus zeigt die 58-jährige Mirjam Kuhn: „Ich bin überhaupt nicht ängstlich und habe keine Bedenken. Wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, benutze ich Desinfektionsmittel. Aber ich bin da ganz gelassen.“

Helga Guss aus Wallerfangen hat sich wegen des Corona-Virus’ sicherheitshalber mit Desinfektionstüchern eingedeckt. „Ich bin beunruhigt – mache mich aber nicht verrückt. Ich versuche, mich an die Hygiene-Vorschriften zu halten.“

Kurt Schandt ist der Meinung, die Politik habe nicht entschlossen genug gehandelt. „Das Gesundheitssystem macht grobe Fehler. Man kann sich nur wundern, dass sich der Arzt aus Homburg in Frankfurt selbst angesteckt hat. Die Politik hätte die Kontrollen strenger regeln sollen. Wie kann ich Ärzte ohne Maske und Schutzmaßnahmen in einen Kongress schicken?“, sagt der 82-jährige Saarbrücker fassungslos.

Die 54-jährige Sabine Oster kennt selbst ein Kind, das bei dem erkrankten Oberarzt in Behandlung ist: „Aber das heißt ja nicht, dass wir das alle bekommen.“