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Vom Leben zwischen Festungsmauern

Mit dem Tagungsband zum Saarlouiser Festungsforum werden die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse nachhaltig zur Verfügung gestellt. Neben der Büste von Festungsbaumeister Vauban stehen OB Roland Henz (2. von links) und die Herausgeber des Tagungsbandes (von links): Benedikt Loew, Guy Thewes und Hans Peter Klauck. Foto: Sascha Schmidt
Mit dem Tagungsband zum Saarlouiser Festungsforum werden die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse nachhaltig zur Verfügung gestellt. Neben der Büste von Festungsbaumeister Vauban stehen OB Roland Henz (2. von links) und die Herausgeber des Tagungsbandes (von links): Benedikt Loew, Guy Thewes und Hans Peter Klauck. Foto: Sascha Schmidt FOTO: Sascha Schmidt
Saarlouis. Wozu Festungen dienten, das weiß jeder. Wie aber Menschen darin ihr Leben organisiert haben, das ist schon schwieriger zu beantworten. Eine Tagungsreihe der Stadt Saarlouis packt das wissenschaftlich an. Jetzt gibt es die zweite Dokumentation der Ergebnisse. Johannes Werres

Wer Festungen besichtigt, lässt sich von der Militärarchitektur beeindrucken. Auch Wissenschaftler fragen zuerst nach der Architektur, nach der Ingenieurbaukunst, und nach der strategischen Bedeutung der Bollwerke. Wie die Menschen ihr Leben innerhalb der Verteidigungsmauern organisierten, die weitaus meiste Zeit nicht im Belagerungszustand, das deckt die Forschung erst nach und nach auf. Dabei trug die Friedens-Infrastruktur zur Entwicklung etwa von Saarlouis von der Überschwemmungsfestung zur zivilen Stadt wohl mehr bei als ihre Tauglichkeit im Kriegsfalle. Diesem Leben innerhalb der Mauern, "intra muros" widmeten sich die ersten Veranstaltungen einer Tagungsreihe, mit der die Stadt Saarlouis Forschung und wissenschaftlichen Austausch unter Festungsforschern fördert. Viele Vorträge der Wissenschaftlern aus mehreren Ländern enthielten auch für die Fachwelt Neues. Deswegen werden die Referate in einer begleitenden Schriftenreihe veröffentlicht. Verfügbar ist nun auch der Band über das zweite Festungs-Forum (Oktober 2015), Thema Wasserversorgung und Hygiene . Er trägt den Titel: "Intra muros - Infrastruktur und Lebensalltag in Festungen - Wasserversorgung und Hygiene ". Herausgeber sind Benedikt Loew, Guy Thewes und Hans Peter Klauck.


Benedikt Loew, Leiter des städtischen Museums Saarlouis : "Die Tagungsbeiträge zeigen die umfangreiche Bandbreite von Themen und Inhalten, die sich aus der Beschäftigung mit dem Innenleben und dem Funktionieren von Festungsanlagen ergeben. Das Festungs-Forum Saarlouis 2015 hat aufgezeigt, wie wichtig, nachhaltig und erkenntnisreich eine intensivere Betrachtung und Berücksichtigung der Infrastruktur und des Lebensalltages innerhalb der Festungswälle für die Festungsforschung ist. Deutlich wurde dabei die große Fülle unterschiedlichster Problemstellungen und Lösungsansätze, um die eine Mindestversorgung mit Wasser und die notwendige Hygiene innerhalb der Festungsmauern gewährleisten zu können. Insbesondere Zeiten der Belagerung stellten dabei eine besondere Herausforderung dar."

Auf 230 Seiten enthält der Tagungsband zehn Beiträge, drei davon in Französisch, sieben in deutscher Sprache. Zwei einführende Referate, befassen sich grundlegend mit den Themen der Hygiene und der Wasserversorgung in Festungen . Daran anschließend folgen acht Fallbeispiele. Wichtig für Saarlouis ist auch die Ausrichtung über die benachbarten Grenzen hinweg und die Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerkes der Festungsstädte der Großregion (NFGR). Bei der Auswahl der Referenten und Fallbeispiele wurde die schon bestehende, grenzüberschreitende Vernetzung genutzt. So ist es gelungen, Referenten aus drei Nationen für das Festungs-Forum Saarlouis zu gewinnen. Die Fallbeispiele umfassen die Festungen Longwy, Luxemburg, Marburg, Mont Royal, Neuf Brisach, Thionville und Saarlouis .

Beispiele sind die Beiträge von Loew, "Frisches Quellwasser für die Stadt am Fluss - Die Wasserversorgung der Festung Saarlouis " und Thewes, "Ein Schwachpunkt der Festung Luxemburg: Die Wasserversorgung". Die Veröffentlichung der Tagungsbeiträge wurde ermöglicht durch das Engagement der Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis , in deren Schriftenreihe er als Sonderband 21 erscheint.

Die redaktionellen Aufgaben wurden von Benedikt Loew (Städtisches Museum Saarlouis ) und Dr. Guy Thewes (Historisches Museum der Stadt Luxemburg) übernommen. Die Organisation von Layout, Druck und Vertrieb lagen in der Verantwortlichkeit der Vereinigung für Heimatkunde bei Hans Peter Klauck.



Weitere Tagungen folgen. Auf Einladung der Stadt findet die nächste als 35. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung vom 23. bis 25. September in Saarlouis statt. Sie wendet sich Schrift-, Bild- und Sachquellen zum frühneuzeitlichen Festungsbau zu, wie sie sich in Archiven, Bibliotheken, Privatsammlungen und Museen erhalten haben. Die Bauwerke selbst als Forschungsgegenstand bleiben dabei ausgespart.

Loew, Benedikt; Thewes, Guy; Klauck, Hans Peter (Hrsg.): Intra muros - Infrastruktur und Lebensalltag in Festungen - Wasserversorgung und Hygiene . Schriftenreihe Festungs-Forum Saarlouis Band 2. Saarlouis , 2016. ISBN: 978-3-933926-66-1

Der Tagungsband umfasst 230 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Er ist zum Preis von 12,90 Euro erhältlich im Museumsshop des Städtischen Museums Saarlouis , bei der Vereinigung für Heimatkunde sowie im Buchhandel.