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„Viel leichter als gedacht“

Saarlouis. „Es gibt sie also doch noch“, jubelte Dr. Frank Morgenthal, als er die Fahnen des preußischen Saarlouiser Hausregimentes, der 30er, in Rastatt wiederfand. Vielleicht könnten sie sogar einmal ausgestellt werden. Johannes Werres

Die drei im Depot eines Museums in Rastatt wiedergefundenen Regimentsfahnen des Saarlouiser Hausregimentes von 1876 bis 1918, der Dreißiger, sind in ganz gutem Zustand. "Tolle Farben, herrliche Stickerei und viel leichter, als ich gedacht hatte", das war der erste Eindruck, den Finder Dr. Frank Morgenthal, Vorsitzender der Traditionsvereins "Die Dreissiger", hatte.

Morgenthal kann sich vorstellen, dass die seidenen Textilstücke ausgestellt werden könnten, im Rastatter Museum für Militärgeschichte oder sogar in Saarlouis .

Charmant daran: Die Unterkunft der Dreißiger ist noch da - es ist die mit viel Aufwand restaurierte Kaserne VI in der Altstadt. Das Erdgeschoss ist die gute Stube der Stadt für Ausstellungen.

Das Regiment hat als "Legion" eine europäische Vorgeschichte in den Kriegen gegen Napoleon . Preußisch wurde es 1815, im selben Jahr, in dem aus dem französischen das preußische Saarlouis wurde.

Die Truppenfahnen der 30er zeigen auf preußisch-blauem Grund den preußischen Adler. Gut zu erkennen ist auch das Monogramm von Kaiser Wilhelm II., "WR" für Wilhelmus Rex.

1928 waren die Saarlouiser Fahnen nach Magdeburg ins Depot gekommen, nach 1945 gelangten sie nach Tirol , 1956 dann nach Rastatt , wie Morgenthal berichtet.

Der Traditionsverein würde sich freuen über weitere Informationen und Fotos im Zusammenhang mit den Truppenfahnen der 30er. E-Mail: info@ die-30er.de

Die-30er.de


Meinung:

Preußen ganz entspannt



Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Heute muss niemand mehr Angst haben vor den Preußen . Auch die Stadt Saarlouis nicht.Für den Anteil der Soldaten des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. an der Stadtgeschichte hat man begonnen, einen angemessenen Umgang zu finden. Für den preußischen Anteil noch nicht. Berührungsängste?

Angemessen ist weder die Beschränkung der historischen Erinnerung auf Festungsmauern noch auf ein Vitrinchen im städtischen Museum. Die Gründung einer wissenschaftlichen Tagungsreihe dagegen war ein sehr richtiger Schritt.

Eine Stadt, die sich dem Militär verdankt, hat keine leichte Aufgabe, ihre eigene Geschichte klug und offen zu reflektieren - und müsste es doch mehr als andere tun. Trotz guten Ansätzen hat Saarlouis da noch viel vor sich.

Die Auffindung der Fahnen des preußischen 30er-Regiments ist eigentlich ein kleines Fest für Saarlouis . Anlass, sich entspannter zu diesem Teil der Stadtgeschichte zu bekennen. Vielleicht mit einer Ausstellung in der Kaserne VI als erstem Schritt?