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Vaubans Meisterwerk ist wieder sichtbar

Vaubans Meisterwerk ist wieder sichtbar

Kein Museum, sondern Naherholungsgebiet und Platz für kulturelle Veranstaltungen soll der teilsanierte Ravelin V werden. Insgesamt 7,5 Millionen Euro soll die Restauration kosten – nach den Ferien soll weitergebaut werden.

Gut, dass Sébastien le Prestre de Vauban erst kurz vor seinem Tod 1707 sein Buch "La Dîme royale" ("Der königliche Zehnt") herausbrachte, in dem er die royale Verschwendung anprangerte - den Posten des Festungsbaumeisters Ludwig XIV. hätte er womöglich nicht bekommen und Saarlouis wäre heute um sein Wahrzeichen ärmer. So dürfte es im Sinne Vaubans sein, dass am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, ein Teil der Festungs-Rekonstruktion des Areals am Ravelin V eröffnet wird.

"Der Ravelin V war eines von insgesamt sechs Vorwerken, das sich als sogenanntes ‚Wallschild' vor der Hauptfestungsmauer befand und diese schützte", erklärt Stadtplaner Jürgen Baus. Es schützte wie ein Schild den Wall zwischen den Bastionen V und VI (heute ein griechisches Lokal). In fünf Bauabschnitten werden seit dem Spatenstich am 8. Juni 2012 Elemente der Festung wieder errichtet.

Dass die Rekonstruktion wahr wird, hätten vor zehn Jahren nur wenige Saarlouiser für möglich gehalten. Die Südwestecke der ab 1680 im Auftrag des Sonnenkönigs erbauten Festung schlummerte unter dem ehemaligen Schlachthof, der in den 1970ern stillgelegt wurde und 2007 einem Wohnkomplex weichen sollte. Ein Glücksfall für Denkmalfreunde, dass in der Immobilienkrise dieses Projekt scheiterte.

Der dritte Abschnitt ist nun vollendet. Fertiggestellt sind - anhand detailgetreuer Pläne der Stiftung preußischer Kulturbesitz - ein rund hundert Meter langes Stück des Hauptgrabens mit seiner Entwässerungsrinne ("Cunette"), der früher die ganze Festung umgab. Darüber hinaus wurden Festungswände, der Waffenplatz sowie Teile des Glacis wieder hergestellt. Diese ansteigende Erdanschüttung machte für Angreifer die Anlage nahezu unsichtbar. In den Boden des Waffenplatzes sind die Umrisse einer Kasematte eingelassen, die dort einst den Soldaten bei Artilleriebeschuss Unterstand bot. "Aus Kostengründen haben wir diesen Teil nicht rekonstruiert", sagt Baus. Stammen die Originalsteine aus der nahen Umgebung , kommen die rötlichen Sandsteine für den Wiederaufbau aus den Vogesen. "Der Ravelin ist ein toller deutsch-französischer Mischmasch", freut sich Baus und zeigt auf den Batardeau, eine Mauer, die im Verteidigungsfall Saarwasser anstauen ließ. Daran fügten die Preußen, die nach der Schlacht von Waterloo 1815 die Festung übernahmen, eine Brücke an, deren Pfeiler noch heute zu sehen sind.

Im ersten Bauabschnitt wurde eine Rampe gebaut, die alle Ebenen von der Brücke zur Vauban-Insel, über die Festungsanlage bis zum Leinpfad barrierefrei verbindet. Es folgte eine große Treppenanlage.

Im nächsten Schritt sollen dort, wo heute noch ein dreieckiges Loch im Boden klafft, ein Teil der Ravelinschulter entstehen. Dabei entsteht ein Aussichtspunkt über weite Teile der Festungsanlage. Als letztes soll das Gemäuer der Bastion VI ertüchtigt werden. Derzeit ruhen die Bauarbeiten, während der Ferien wird die Förderung für den nächsten Abschnitt geprüft. Geht alles gut, kann noch in diesem Jahr weitergebaut werden. Die Kosten für die Abschnitte I bis V belaufen sich auf rund 7,5 Millionen Euro - 4,3 Millionen Euro sind bereits verbaut. Die Stadt Saarlouis zahlt 2,5 Millionen Euro , den Rest stemmen Land, Bund und EU.

In Zukunft sollen Besucher von kleinen Booten aus vom Saaraltarm aus die Festungsanlage betrachten können. Langfristiges Ziel ist es, sich mit der fertig sanierten Festung für die Aufnahme in den Unesco-Weltkulturerbe-Verbund von zwölf Vauban-Festungen zu bewerben. Aus dem vermeintlichen Nachteil der Festungsschleifung 1889 will Saarlouis ein Alleinstellungsmerkmal machen: "Es ist einzigartig, auch mal die Festungsmauer und ihre Bauart von oben betrachten zu können. Das ist in keiner der Welterbestätten so zu sehen", findet der Stadtplaner .

Für Aufregung habe der Ravelin neulich im städtischen Ausschuss gesorgt. "Die fahren mit Mountainbikes auf dem Glacis!", habe sich ein Mitglied empört. "Sollen sie doch, dafür ist das da. Ich warte auf die Skater", entgegnet Baus und betont: "Wir wollen kein Museum, sondern einen Ort der Naherholung und Veranstaltungen für Einwohner und Touristen. Gibt es etwas Wunderbareres, als dass auf einem ehemaligen Militärgelände heute junge Leute friedlich miteinander Rad fahren?"

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Die Eröffnungsfeier am 14. Juli beginnt um 18 Uhr unter Mitwirkung des Ensdorfer Fanfarenzuges, des Lautrer Artillerie Korps' und des Rathauschores. Bereits um 16.30 Uhr gibt es eine Führung in deutscher und französischer Sprache, weitere Führungen nach der Feier. Am Abend tritt auf dem ehemaligen Waffenplatz der Musette-Musiker Christophe Haller auf. ukl