Tourismus: Unterwegs mit dem Auge der Kunst

Tourismus : Unterwegs mit dem Auge der Kunst

Die neue App „Kunstführer Saar“ macht jeden Weg durch die Stadt zu einer kunsthistorischen Erlebnisreise.

„Wir treffen uns am Brunnen“ heißt es häufig unter Freunden und Bekannten, wenn es um Verabredungen in Saarlouis geht. Während Passanten ihn unbedacht als Sitzgelegenheit nutzen und sich Kinder mit seinem Wasser nass spritzen, ist über den Brunnen selbst und seinen Entstehungshintergrund eher wenig bekannt. Eine neue Smartphone-Applikation kann jetzt Abhilfe schaffen. Der „Kunstführer Saar“ ermöglicht nun allen iOS-Nutzern kostenlos, Kunstwerke im öffentlichen Raum nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu erleben. Mit einem bequemen Klick erfährt der Anwender dann unter anderem, dass der Brunnen „Marienbrunnen“ heißt, aus Stein und Bronze besteht und 1955 von Künstler Hans Bolger gehauen wurde.

Auch der Weg zur Arbeit kann dadurch zur kunsthistorischen Entdeckungsreise werden. Unterwegs von Dillingen nach Roden unterrichtet die App den Fahrer unter anderem über die Stahlplastik „Viewpoint“, die seit 2006 den Kreisel der B51 an der Dillinger Hütte ziert und erklärt, dass die Fassadengestaltung an der Rodener Grundschule von Joachim Pathen entworfen wurde und welche bedeutungsvollen Symbole sie beinhaltet. Bei Bedarf werden diese Informationen sogar automatisch vorgelesen.

Insgesamt umfasst die Anwendung für das Smartphone derzeit etwa 600 Kunstobjekte aus der Zeit nach 1945 in der saarländischen Umgebung. Sie erfasst dabei den Standort des Nutzers und zeigt unmittelbar alle umliegenden Denkmäler, Statuen, Gemälde sowie weitere Kunstwerke in der Nähe auf. Steht der Nutzer beispielsweise auf dem Schlossplatz in Saarwellingen, bekommt er automatisch eine Hand voll „Stolpersteine“ angezeigt, einen Brunnen sowie eine Plastik. Und das mit Foto, genauem Standort und allen relevanten Informationen.

Die Idee und Daten für die App entstammen dem Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis. „Die App ist vor allem für den Tourismus wichtig. Aber auch Jugendliche und Kinder gehören zur Zielgruppe“, sagt Jo Enzweiler, der das Institut 1993 in Saarlouis gegründet hat und dem wissenschaftlichen Anspruch seiner Arbeit auch eine große Bedeutung für Schüler zuspricht.

Die App benutzt die Datensätze, die das Institut in Saarlouis in jahrelanger und ständig fortwährender Recherchearbeit gesammelt und archiviert hat. Sie soll in Zukunft etappenweise erweitert werden.

„Die Aufgabe ist unendlich, es kommt ständig neues Material dazu“, erklärt Enzweiler. „Das ist eine richtige Detektivarbeit“, stimmt Claudia Maas, Geschäftsführerin des Forschungszentrums für Künstlernachlässe, zu. „Das Saarland ist reich an Kulturgütern und wir müssen die Leute lenken. Der technische Weg ist ganz wichtig“, sagt Enzweiler.

Das Institut für aktuelle Kunst Saarlouis hat die Chance genutzt, mit Hilfe der Kooperation der Firma Pio­neo und der Agentur Kopfmunter, die App zu realisieren und den Menschen so die Kunst im öffentlichen Raum näher zu bringen. Während Pioneo für die Entwicklung der Software und Programmierung der App zuständig ist, beschäftigt sich Kopfmunter mit der Gestaltung und Benutzeroberfläche der Anwendung.

Eine Besonderheit der App liegt in der Barrierefreiheit. Ralph Dornis, Geschäftsführer von Pioneo, erklärt, dass Nutzer die Anwendung durch den dynamischen Text, die Größe der Buchstaben und die Farbe des Displays, auf die eigenen Bedürfnisse anpassen können.

Weiter gebe es die Option, sich den entsprechenden Text in verschiedenen Geschwindigkeitsstufen vorlesen zu lassen, was besonders für Blinde von Vorteil sei. Eine Android-Version der App ist zudem bereits in der Vorbereitung.

Eine weitere Neuerung für das Institut ist neben der App die neu gestaltete und neu systematisierte Webseite.

Diese Aufgabe kam hauptsächlich Kopfmunter zu. „Wir mussten die Seite komplett neu strukturieren und für die unterschiedlichen Felder sinnvolle Oberbegriffe finden“, erzählt Andreas Becker, Gründer von Kopfmunter. So sei es für den Nutzer einfacher und übersichtlicher, die Webseite zu bedienen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung