Uniformen nicht gestattet

Wie eine funktionierende französische Feuerwehr in Preußen zur so genannten Feuerlöscher-Compagnie wurde, erklärt der frühere Saarlouiser Wehrführer Wolfgang Herrmann.

Recht reibungslos sei Saarlouis nach dem 1. Dezember 1815, vor genau 200 Jahren, von Frankreich an Preußen übergeben worden, hat Stadtarchivar Benedikt Loew am Montag in der SZ erklärt. Halt, ließ darauf der frühere Saarlouiser Wehrführer Wolfgang Herrmann hören: Bei der Feuerwehr sei das nicht so behutsam abgelaufen.

"Am 1. Dezember 1815 wurde also mit der Stadt Saarlouis auch eine funktionierende französische Feuerwehr an Preußen abgetreten. Nun wusste man aber in Preußen zu dieser Zeit mit einer freiwilligen Betätigung von Bürgern im Brandschutz noch nichts anzufangen", schreibt Herrmann. Saarlouis verfügte seit 1811 wie andere französische Städte über "Pompierskompanien auf freiwilliger Basis. Diese waren streng militärisch organisiert mit einer hierarchischen Gliederung vom Capitaine bis zu den Pompiers. Sie waren integrierte Bestandteile des staatlichen Sicherheitssystems und deshalb uniformiert und mit Musketen und mit Seitengewehren bewaffnet."

Hermann: "Dem preußischen Staat, der nur dem Militär, der Polizei und der Beamtenschaft das Monopol des Uniform- und Waffentragens zugestand, musste die Uniformierung und Bewaffnung der Pompiers, die ja Bürger, Kaufleute oder Handwerker waren, ein Dorn im Auge sein. Deshalb veranlasste der erste preußische Festungskommandant von Langen mit einem Schreiben vom 29. März.1816 die Entwaffnung der Pompierskompagnie und untersagte das Tragen jeglicher Uniform. Damit wurde aber das von ihrem hoheitlichen Auftrag "Feuerwehr" geprägte Selbstverständnis der Saarlouiser Pompierskompagnie völlig zerstört mit der Folge, dass ein großer Teil der Mitglieder austrat.

Es gelang Bürgermeister Michel Reneauld, der als letzter französischer Maire der erste preußische Oberbürgermeister war, die Reihen zu schließen und die Pompierskompagnie als eine französische Feuerwehr jetzt unter preußischer Hoheit unverändert funktionsfähig zu erhalten, allerdings unter dem Namen Feuerlöscher-Compagnie. Saarlouiser Wagenspritze von etwa 1840. Foto: W. Herrmann