| 20:52 Uhr

Umfrage
Die Enttäuschung der Fans ist riesengroß

Birgit Martin aus Neuforweiler
Birgit Martin aus Neuforweiler FOTO: Axel Künkeler
Saarlouis. Nach dem WM-Aus wird die Einstellung des Teams kritisiert – Löw soll weitermachen, sagen manche, andere fordern seinen Rücktritt. Von Axel Künkeler

Die Fan-Arena auf dem Großen Markt war nach dem Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft bereits am Donnerstagvormittag deutlich geschrumpft. Dafür ist die Enttäuschung der Fans über das WM-Aus riesengroß, wie eine Umfrage der Saarbrücker Zeitung ergab.


„Natürlich bin ich sehr enttäuscht“, sagt Birgit Martin aus Neuforweiler. Damit habe sie nicht gerechnet, dass die anderen stärker sind. „Ich gebe dem Trainer die Schuld“, meint sie, „Jogi Löw hätte wissen müssen, wen er auf den Platz schickt.“ Die Mannschaft habe einen Denkzettel verpasst bekommen. Früher hätte es mehr Zusammenhalt gegeben, „heute denken die Spieler zu viel ans Geld“, kritisiert sie. Die WM-Begeisterung sei nun weg, aber „für die Franzosen und die Argentinier interessiere ich mich noch“.

„Es geht doch nur noch ums Geld“, meint auch Saskia Nicola aus Dillingen. Ihr tun mehr die Gastronomen leid, weil jetzt weniger Interesse am Public Viewing sei. Sie selbst habe sich auch nur für die Deutschland-Spiele interessiert, „vielleicht schaue ich mir noch das Finale an“. Das Ausscheiden sei „schade, aber schon nach dem ersten Spiel zu erwarten“ gewesen. Es habe ein Leitwolf gefehlt, der „die Mannschaft pushen“ konnte.



„Ausgerechnet gegen Südkorea“, da hätte sie mehr erwartet, betont Angelika Renk-Haus. Die Hamburgerin ist mit ihrem Mann Michael Renken zu Besuch im Saarland und zeigt sich als „Nicht-Fußball-Fan schockiert vom Ausscheiden“. Ihr Mann formuliert es drastisch: Die Mannschaft sei „arrogant und hochnäsig“ aufgetreten. Irgendwas habe mit der Kommunikation nicht gestimmt, vermutet auch Rolf-Dieter Fourny: „Das sind alles gute Einzelkönner, aber der Teamgeist hat gefehlt“, sagt der FCS-Fan. Der Saarlouiser ist aber auch skeptisch gegenüber Bundestrainer Löw: „Eigentlich sollte er gehen nach dieser Blamage.“

Ein Rücktritt von Löw wäre schon sinnvoll, meint auch Alexander Schmitt aus Wallerfangen, aber „wer würde sich denn dafür anbieten?“. Neu sortieren müsse sich das Team schon, doch „Konsequenzen müssen die unter sich ausmachen“. Die Mannschaft habe „verdient verloren“, sagt Schmitt, es sei „unverschämt, überhaupt mit so viel Unfähigkeit anzutreten“.

„Sie haben es nicht verdient, die anderen waren besser“, ist auch die Auffassung von Rocchi Marcel aus Hemmersdorf. Schon gegen Mexiko und Schweden habe Deutschland viel Glück gehabt. Er nimmt Jogi Löw in Schutz: „Vor vier Jahren war er der Mann, nun wird über ihn hergezogen“, kritisiert er die Kritiker. Löw solle bleiben, er habe „gute Arbeit geleistet“, fordert Marcel, der nun als Fan der Franzosen weiter die WM verfolgen will.

„Eine Reaktion von Löw ist erforderlich“, meint Hans Kriebelt aus Saarlouis, er habe „keine Kraft“ mehr. Wenn er die Mannschaft noch motivieren könnte, dann „hätte er es ja schon bei der WM machen können“. Er kritisiert zudem das Verhalten von Özil und Gündogan mit dem Erdogan-Foto, das habe das Team nervös gemacht. Die Harmonie in der deutschen Mannschaft habe gefehlt, es sei „kein Biss“ da gewesen, die Spieler „offensichtlich übersättigt“. Nach den hohen Erwartungen sei das WM-Aus „für die Fans sehr schmerzhaft“.

Roland Graef aus Bilsdorf konnte das Spiel nicht sehen, weil er arbeiten musste. „Das war ja echt traumhaft“, bleibt ihm nur Sarkasmus. „Nun ist für mich die WM vorbei, ich bin eh kein großer Fußball-Fan“, sagt er. Auch er sieht die Verantwortung mehr bei den Spielern: „Löw hatte nicht mehr Pfeile im Köcher“, vor allem an guten Stürmern habe es gemangelt.

Manfred Zadon aus Schwalbach findet: „Man soll nicht immer dem Trainer die Schuld geben.“ Löw habe all die Jahre seine Sache gut gemacht. Die Mannschaft sei aber nicht mehr so gut wie vor vier Jahren. „Für mich ist die WM vorbei, das interessiert mich nicht mehr.“ Er hat durchaus Alternativen zum Fußballschauen und will nun mit seiner Frau den Sommer genießen und öfter mal ein Eis essen gehen.

Saskia Nicola aus Dillingen
Saskia Nicola aus Dillingen FOTO: Axel Künkeler
Angelika Renken-Haus und Michael Renken, Hamburg
Angelika Renken-Haus und Michael Renken, Hamburg FOTO: Axel Künkeler
Rolf-Dieter Fourny aus Saarlouis
Rolf-Dieter Fourny aus Saarlouis FOTO: Axel Künkeler
Hans Kriebelt aus Saarlouis
Hans Kriebelt aus Saarlouis FOTO: Axel Künkeler
Rocchi Marcel aus Hemmersdorf
Rocchi Marcel aus Hemmersdorf FOTO: Axel Künkeler
Manfred Zadon aus Schwalbach
Manfred Zadon aus Schwalbach FOTO: Axel Künkeler
Alexander Schmitt aus Wallerfangen
Alexander Schmitt aus Wallerfangen FOTO: Axel Künkeler