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Radtrends 2019
Auch bei den Rennrädern ist das E-Bike schwer im Kommen

  Sogar Rennräder sind immer öfter E-Bikes, sagt Mathieu Ehl.  Foto: Künkeler
Sogar Rennräder sind immer öfter E-Bikes, sagt Mathieu Ehl. Foto: Künkeler FOTO: Künkeler
Saarlouis. Umfrage: Rad fahren liegt im Trend, besonders mit elektrischer Unterstützung. Von Axel Künkeler

Während die Nachfrage nach E-Autos nach wie vor sehr verhalten ist, steigen Absatz und Nutzung von Fahrrädern mit Elektroantrieb bundesweit wie auch im Landkreis Saarlouis weiter an.


„Inzwischen verkaufen wir mehr E-Bikes als normale Räder“, berichtet Mathieu Ehl, Junior-Chef eines Fahrradgeschäftes in Wallerfangen. Insgesamt würden immer mehr Menschen mit dem Rad fahren. E-Bikes und Pedelecs fänden bei City- und Tourenrädern schon längere Zeit eine wachsende Nachfrage, seit einigen Jahren auch E-Mountainbikes. Nun sei aktuell auch bei Rennrädern der Elektroantrieb im Kommen, bestätigt Ehl einen Trend für 2019. Es seien vor allem „ältere Herrschaften, die ihr Leben lang Rennrad gefahren sind“ und dies aus gesundheitlichen Gründen mit einem herkömmlichen Rad nicht mehr schaffen. Beim E-Mountainbike zählt er dagegen vor allem die jüngere Generation zur Zielgruppe. Für die sei der „Spaßfaktor wichtig“ beim schnellen Fahren im Gelände.

Tina und Sascha Heckmann (Saarwellingen) haben sich gerade zwei neue E-Bikes gekauft. Sie wollen die Räder vor allem im Alltag nutzen, damit von ihrem Wohnort zur Arbeitsstelle in Saarlouis fahren. Ein Gepäckträger ist gleich montiert, damit die Räder auch zum Einkaufen genutzt werden können. Der Umstieg vom Auto aufs umweltfreundliche Rad erfolgt aber weniger aus ökologischen Gründen. „Wir wollen uns mehr bewegen und auch mal längere Strecken zurücklegen“, erklären die beiden. Sie haben im Urlaub eine „super Erfahrung“ mit E-Leihrädern gemacht, wollen nun im nächsten Urlaub längere Touren mit den eigenen Bikes machen.



Hermann Zell aus Reisbach will sein E-Bike, das er seit einem Jahr besitzt, ebenfalls vor allem in den Alltag integrieren. „Ab dem Frühjahr fahre ich fast alles mit dem Rad“, berichtet der 70-Jährige. Für sperrige Sachen wie Getränke-Kisten habe er sogar eigens einen Anhänger. Zell ist sein „ganzes Leben lang Rad gefahren“, nun will er auf dem E-Bike gemeinsam mit seiner Frau „nur noch gemütliche Radtouren“ machen.

Dagegen nutzt Manuela Leblang (Ensdorf) ihr E-Bike hauptsächlich in der Freizeit, macht nur „kurze Wege im Ort“ mal mit dem Rad. Sie ist ebenfalls vor einem Jahr vom herkömmlichen Fahrrad auf den Elektroantrieb umgestiegen. „Das motiviert mich, auch mal andere Strecken zu fahren“, freut sie sich: „Ich komme jeden Berg hoch.“ Nun soll es dieses Jahr mit dem E-Bike an den Bodensee gehen.

Neben den vielen E-Bike-Radlern gibt es aber immer noch die Traditionalisten – und die sind oft sportlich unterwegs. „Im Alltag fahre ich überhaupt nicht mit dem Rad“ erklärt Kerstin Schlang, die in Merzig „hoch auf dem Berg“ wohnt. Ihr Mann und sie haben je zwei Rennräder, da bräuchten sie für weitere Fahrräder „eine zusätzliche Garage“. Obwohl die 50-Jährige „nur sportlich“ mit eigener Muskelkraft unterwegs ist, zeigt sie Verständnis für E-Bikes („eine tolle Sache“) – vor allem bei Menschen, die „sonst nicht mehr mitkommen“.

Mehrere Räder für unterschiedliche Zwecke zu besitzen, gehört offenbar auch zu den Trends auf dem Fahrradmarkt. Gleich vier Fahrräder nennt Wolfgang Schmitt (Hargarten) sein eigen: zwei Mountainbikes, ein Rennrad („mit dem fahre ich hauptsächlich im Sommer“) und ein Tourenrad („das nutze ich kaum noch“). Der 65-Jährige fährt regelmäßig, meist sportlich, im Alltag dagegen so gut wie gar nicht.

Ebenso wie Kerstin Schlang und Wolfgang Schmitt ist auch Horst Kwittek (Dorf im Warndt) zwischen Saarlouis und Dillingen auf dem Saarradweg unterwegs. Mit seinem Mountainbike fährt er zwar auch viel auf Waldwegen, aber nur noch „altersgerecht“, sagt der 64-Jährige. Früher hat er mit dem Mountainbike oder oft mit Kollegen auf dem Rennrad bis zu 7000 Kilometer im Jahr zurückgelegt. Darunter auch Mehrtagestouren bis zu 1500 Kilometer oder hoch auf den Mont Ventoux in Südfrankreich.

„Jetzt steht das Rennrad im Keller“, trauert er den alten Zeiten ein wenig hinterher. Aber immer noch fährt er regelmäßig und nutzt sein Rad auch für Alltagswege, „aber nur im Sommer“.