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Umfrage in Saarlouis zur Wahl Ministerpräsident in Thüringen fällt verschieden aus

Aktuelle Umfrage : „Abgekartete Sache“ oder „alles rechtens“

Katastrophe oder Denkzettel, Kooperation oder Neuwahl: Reaktionen auf die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen.

Der Thüringer Landtag hat am Mittwoch völlig überraschend den FDP-Politiker Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt und damit Bodo Ramelow (Linke) abgewählt. Deutschlandweit, aber auch bei den Menschen im Kreis Saarlouis, hat die Wahl sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während die einen darin eine Katastrophe sehen und Neuwahlen fordern, betrachten andere die Wahl als rechtens und verlangen Bereitschaft zur Kooperation von allen etablierten Parteien.

„Die Wahl hat stattgefunden, sie ist rechtens“, sagt etwa Georg Raubuch aus Dillingen. Für ihn sind Neuwahlen nicht die Lösung, vielmehr sollten die etablierten Parteien („die Unterschiede sind doch klein“) mehr kooperieren. Es mache ihn „sehr traurig, dass die alteingesessenen Parteien das Ausufern der Extreme nicht verhindern können.“

„Ich weiß nicht, ob Neuwahlen das gewünschte Ergebnis bringen“, ist Miriam Weis (Saarlouis) ebenfalls skeptisch. Eine Kooperation der demokratischen Parteien sei dann „vielleicht doch besser“. Die Wahl von Kemmerich hält sie für „eine abgekartete Sache“, die Unterstützung durch die AfD („ich mag deren Gesinnung nicht“) für nicht in Ordnung. Das Vertrauen in die Politik gehe dadurch weiter verloren. Sie ist ratlos,  wie es weitergehen soll: „Das frage ich mich auch.“

„Mir fehlt dafür jegliches Verständnis“, kritisiert auch Mirjam Spurk (Körprich). Normal seien es nicht ihre Worte, aber „ich finde es zum Kotzen“, dass Kemmerich sich mit den Stimmen der AfD hat wählen lassen. Sie sei zwar grundsätzlich für Neuwahlen, habe aber „Angst, dass die AfD dann noch stärker wird“. Daher sei eine „Kooperation der demokratischen Parteien wohl doch sinnvoller.“

„Neuwahlen sind den Versuch wert“, hofft dagegen Henning Huberty aus Roden. Der junge Mann will nicht verstehen, „dass 70 Jahre gekämpft wurde, damit sich solche Dinge nicht wiederholen“. Er habe gedacht, dass „so etwas in Deutschland nicht mehr passiert“. Nicht nur die FDP, auch die CDU habe damit „einen Bock geschossen“. Das Entsetzen sei groß, betont Huberty.

Eine Verantwortung bei der CDU sehen auch Werner Thiel und Gabriele Kiefer aus Püttlingen. Der „Linksruck der CDU“ habe die AfD erst stark gemacht. Jetzt solle man die AfD nicht noch mit ins Boot nehmen, das sei bei der Ministerpräsidenten-Wahl missachtet worden. Beide haben den Wunsch nach Neuwahlen, hoffen dabei auf andere Mehrheitsverhältnisse.

Hans Fisch (Steinrausch) spricht sich ebenfalls klar für Neuwahlen aus („alles andere bringt nichts“). Er bleibt dennoch unsicher: „Ob Neuwahlen was bringen, weiß man auch nicht“. Für ihn ist die Ministerpräsidenten-Wahl einfach nur „katastrophal, unvorstellbar, ein Rückschlag für die Demokratie“. Mit der Unterstützung der AfD habe man rechnen müssen, daher sei für ihn das Ergebnis der Ministerpräsidenten-Wahl so gewollt gewesen.

Schon das Ergebnis der Landtagswahl in Thüringen sei „ein richtiger Denkzettel für die Politik“ gewesen, meint dagegen Günter Wagner aus Ensdorf. Er sei zwar „alter SPDler, kein AfD-Fan“, aber die Wahl Kemmerichs mit den Stimmen der AfD sei in Ordnung. Die Parteien müssten nun aufeinander zugehen und Mehrheiten suchen.

„Die Politik der GroKo ist schuld daran“, meinen Gerd und Darinka Reinecke aus Nalbach. Die AfD gehöre trotzdem nicht in die politische Landschaft („das hatten wir schon mal“), die Wahl Kemmerichs mit AfD-Stimmen sei nicht in Ordnung. Der FDP-Politiker sei „nicht glaubhaft“, er habe eine Zusammenarbeit mit den Rechten abgelehnt und lasse sich dann von ihnen wählen. Der neu gewählte Ministerpräsident solle abdanken und den Weg für Neuwahlen freimachen, fordert das Ehepaar Reinecke. Die Mehrheitsverhältnisse blieben aber schwierig, befürchten sie, die Politik müsse sich erst grundlegend ändern.

„Da haben sich alle nicht mit Ruhm bekleckert“, findet auch Georg Fey aus Beckingen. Die AfD sei „nicht lupenrein“, aber bei den Linken gebe es viele „alte SEDler“, kritisiert Fey die Ränder des politischen Spektrums auf beiden Seiten. Die demokratischen Parteien sollten sich öfters die Frage stellen „Was nützt dem Land?“ und stärker miteinander kooperieren. „Neuwahlen würden doch keine Lösung bringen“.

 Werner Thiel und Gabriele Kiefer aus Püttlingen
Werner Thiel und Gabriele Kiefer aus Püttlingen Foto: ajk
 Miriam Weis aus Saarlouis
Miriam Weis aus Saarlouis Foto: ajk
 Günter Wagner aus Ensdorf
Günter Wagner aus Ensdorf Foto: ajk
 Henning Huberty aus Roden
Henning Huberty aus Roden Foto: ajk
 Georg Raubuch aus Dillingen
Georg Raubuch aus Dillingen Foto: ajk
 Hans Fisch aus Steinrausch
Hans Fisch aus Steinrausch Foto: ajk
 Mirjam Spurk aus Körprich
Mirjam Spurk aus Körprich Foto: ajk

Neuwahlen fordern wiederum die Saarlouiserin Hildegard Wey („ dass die AfD so mitgemischt hat, ist unmöglich, nicht zu fassen“) und Kay-Uwe Quantz aus Creutzwald: „Was soll man dazu sagen, das ist eine Katastrophe“. Ob Neuwahlen stabilere Verhältnisse bringen: „schau’n mer mal“.