Umfrage in Saarlouis zur Bon-Pficht

Kostenpflichtiger Inhalt: Umfrage zur Kassenbon-Pflicht : „Das ist doch einfach nur Schwachsinn“

Eine Umfrage zur Bon-Pflicht zeigt ein selten einmütiges Ergebnis: Weder Handel und Gastronomie noch Kunden finden die Neuregelung gut.

Zu den gesetzlichen Neuregelungen zum Jahresbeginn gehört die sogenannte Bon-Pflicht für Einzelhandel und Gastronomie. Unabhängig von der Höhe des Umsatzes sind seit dem 1. Januar nun auch Bäckereien, Friseure, Gastronomen und sogar Standbetreiber auf dem Wochenmarkt verpflichtet, ihren Kunden einen Kassenbon auszuhändigen. Damit will die Bundesregierung Steuerbetrug verhindern. Doch die Neuerung ist heftig umstritten.

„Das ist absolut unnötig“, sagt Anja Kreutzer, Leiterin einer Bäckerei-Filiale in der Saarlouiser Schlächterstraße, „unsere modernen Kassen können sowieso nicht manipuliert werden.“ Die meisten Kunden würden die Bons gar nicht annehmen, allein am ersten Tag seien 250 Bons auf der Theke liegen geblieben, berichtet sie. Andere Kunden hätten die Bons gleich zerknüllt, in die Tasche gesteckt oder vor dem Laden weggeworfen.

Auch Silke Bauer in einer Hemmersdorfer Bäckerei schüttelt nur mit dem Kopf: „Ich verstehe nicht, was das bringen soll.“ Auch ihre Kunden seien nicht begeistert, das sei doch „alles nur Kappes“. Zweihundert Meter weiter im Friseurgeschäft von Kerstin Göpfert-Jager ist es ganz ähnlich. „Meine Kasse spuckt die Bons zwar schon seit Jahren aus“, sagt die Chefin, aber die Kunden wollten sie meistens nicht haben. „Es ist irre, dass ich nun auch selbst überall mit den Bons überflutet werde“, ärgert sich die Hemmersdorferin auch aus Kundensicht. In Siersburg wohnt Hans-Jürgen Mard, der als Betriebsleiter eines Dillinger Getränkegroßhandels die Gastronomie beliefert. „Die Gastronomen sind sowieso gebeutelt, nun bekommen sie noch einen druff“, schildert er die „vollkommen negativen“ Reaktionen der Wirte. Als Kunde lege er persönlich auch keinen Wert auf die Bons, das sei ihm „völlig egal“.

Unverständnis herrscht auch auf dem Saarlouiser Wochenmarkt bei den Standbetreibern und Kunden. „Wir machen es halt, finden es aber nicht gut“, sagt Anja Stolz am Gemüsestand. Die Bon-Pflicht mache nur viel Aufwand und zusätzlichen Müll. Das Thermopapier sei „verdammt teuer“ und dürfe nur als Sondermüll entsorgt werden, erklärt Vanessa Nicastro nebenan am Imbiss-Stand auf dem Großen Markt. „Und 90 Prozent unserer Kundschaft will gar keinen Bon“, sagt sie. Die Bons „fliegen vor dem Laden rum, oder ich bekomme sie gleich wieder zurück“, berichtet die Mitarbeiterin am Stand. Das sei nur als „Schwachsinn“ zu bezeichnen, betont sie. „Eine Unverschämtheit, einfach nur lästig“, meint eine Kundin, die nicht genannt werden möchte. „Naja, vielleicht kann ich die Rückseite ja noch als Einkaufszettel nutzen“, versucht sie dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen.

Arlen Schmidt hat am Marktstand gerade ein Brot und ein paar Brötchen gekauft. „Bei sowas ist der Bon doch nicht nötig“, meint die junge Frau aus Saarlouis. Das sei doch wirklich nur Papierverschwendung, noch mehr Müll. Auch für Stefan Balge aus Freising macht die Bon-Pflicht „wenig Sinn“. Beim Besuch in seiner Heimatstadt kauft er auf dem Wochenmarkt ein, zeigt sich ebenfalls sehr skeptisch: „Das ist nur unnötige Papierverschwendung und wird nicht viel bringen.“

Anja Kreutzer. Foto: Axel Künkeler
Kerstin Göpfert-Jager. Foto: Axel Künkeler
Arlen Schmidt. Foto: Axel Künkeler
Vanessa Nicastro. Foto: Axel Künkeler
Hans-Jürgen Mard. Foto: Axel Künkeler

„Wie viele Bäume müssen sterben für so einen Quatsch?“, fragt eine andere Markthändlerin. Sie gibt sich unwissend: „Ich weiß gar nicht, ob die Bon-Pflicht für uns überhaupt gilt, außerdem habe ich hier keinen Strom.“ Sie mache da einfach nicht mit, erklärt die widerspenstige Marktfrau, aber „ich rechne ordentlich ab“.