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Umfrage in Saarlouis zum Rücktritt von Andrea Nahles, SPD

Umfrage : „Konsequent und respektvoll“

Was sagen Menschen im Landkreis Saarlouis zum Rücktritt von SPD-Chefin Andrea Nahles?

Der Rücktritt von Andrea Nahles als SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende beschäftigt auch die Menschen im Saarland. Bei einer aktuellen Umfrage der Saarbrücker Zeitung am Montagmittag in der Saarlouiser Innenstadt hat die konsequente Entscheidung überwiegend Respekt und Zustimmung bekommen. Die Zukunft der Großen Koalition (GroKo) wird von den meisten Befragten als schwierig eingeschätzt.

„Im Endeffekt war es konsequent nach dem Tief, das die SPD durchlebt“, meint Lucas Bauer. Ob es für die Partei gut sei, ihr wieder einen Impuls nach oben gebe, bleibe aber abzuwarten. Der junge Mann aus Gisingen glaubt zudem nicht, dass die GroKo noch lange hält. „Die SPD wird sich wohl zurückziehen, weil es aus ihrer Sicht ein Minusgeschäft ist.“ Claudia Bense beklagt, dass die SPD keine Persönlichkeiten habe wie früher mit Willy Brandt oder Helmut Schmidt. Die Entscheidung von Andrea Nahles sei richtig („besser ist es“), meint die Saarlouiserin. In der Partei gebe es „zu viele Querelen und keine Einigkeit“. Die Situation für die GroKo sei jetzt schwierig, aber an einen Bruch glaubt sie nicht: „Am Ende halten sie doch wieder zusammen.“

Das hoffen Gila und Fred Engel aus Wallerfangen nicht. „Wir waren von Anfang an gegen die GroKo“, sagen die Beiden. Fred Engel war 50 Jahre lang SPD-Mitglied, ist vor einer Woche aus der Partei ausgetreten, während Ehefrau Gila ihre Mitgliedschaft beibehält. Andrea Nahles sei „keine Führungsperson“ gewesen, „da hätte ich mir an der Spitze schon eine andere Person vorgestellt“, meint Fred Engel. „Sie hat sich oft unglücklich ausgedrückt“, ergänzt Gila Engel. Die Beiden möchten, dass „die SPD mehr nach links rückt“, sich weniger nach der CDU richtet. Sie befürchten aber, dass ihre Partei „wieder einknicken wird, das traue ich der SPD zu“.

„Das war abzusehen“, so kommentiert Doris Graus  die Entscheidung von Andrea Nahles. „Ich gehe davon aus, dass nun Malu Dreyer übernimmt“, ist ihre Einschätzung für die SPD-Parteispitze. Und die GroKo werde wohl weiter Bestand haben, meint sie.

„Wenn die Sozialdemokratie versteht, um was es geht, dann ist ein Ende der GroKo sicher die falscheste Entscheidung“, betont auch Kurt Arbogast. Es werde zwar schwierig in der GroKo, aber jetzt „Neuwahlen zu riskieren, wäre für die SPD noch fataler“. Den Rücktritt von Nahles findet Arbogast eine „respektvolle Entscheidung“. Sie habe die Konsequenz gezogen, da sie „vieles an der SPD-Misere mit zu verantworten“ habe. Jetzt habe die SPD zumindest die Chance auf einen Neustart, mit Andrea Nahles sei das nicht mehr zu machen gewesen.

Bernd Mathis dagegen „tut es leid, sie war eine gute Politikerin“. Sie habe aber intern zu kämpfen gehabt, daher sei der Rücktritt „der einzig richtige Schritt“. Bei der Zukunft der GroKo bleibt Mathis skeptisch: „Ich rechne mit Neuwahlen im September.“

Doris Graus Foto: Axel Künkeler
Lucas Bauer Foto: Axel Künkeler
Kurt Arbogast Foto: Axel Künkeler
Gila und Fred Engel Foto: Axel Künkeler
Isabell Hiery Foto: Axel Künkeler
Claudia Bense Foto: Axel Künkeler

So unterschiedlich die Meinungen der Befragten sind, repräsentativ ist unsere Blitzumfrage sicher nicht. Viele Menschen hatten in ihrer Mittagspause einfach keine Zeit, andere wollten sich nicht öffentlich äußern: „Was soll ich dazu noch sagen“, lautete mehrfach die Reaktion. Etliche bekannten, dass sie das Thema überhaupt nicht interessiere, und an einigen ist es bislang sogar gänzlich vorbei gegangen. „Das habe ich noch gar nicht mitbekommen, da kann ich nichts zu sagen“, antwortete Isabell Hiery aus Schwalbach. Und damit stand sie nicht alleine, wie das Gespräch mit einer weiteren jungen Frau kurz darauf bestätigte.