Umfrage in der Innenstadt Viele Menschen fühlen mit den Ford-Mitarbeitern in Saarlouis

Saarlouis · Im Juni explodierte die Neuigkeit in den Nachrichten: Ford gab bekannt, dass im Werk in Saarlouis in Zukunft keine Elektroautos gebaut werden. Die Zukunft der Mitarbeiter ist bislang weiter ungewiss. Wir haben uns in der Saarlouiser Innenstadt umgehört und einige Menschen nach ihrer Meinung befragt.

Umfrage in Saarlouis: Menschen fühlen mit den Ford-Mitarbeitern
Foto: Ruppenthal

„Ich kannte sechs Leute, die dort arbeiteten, allerdings sind sie alle bereits verstorben“, sagt Maria Becker. „Dennoch leide ich mit den jungen Arbeitern dort mit. Das ganze Thema geht mir sehr nah.“ Die 83-Jährige aus Steinrausch bekam Tränen in die Augen, als wir sie nach ihrer Meinung fragten. „Was passiert dann mit den jungen Leuten, die sich nun ein Haus gekauft und ein Leben aufgebaut haben?“, fragt sich Becker.

Iris Buschbacher-Hart aus Altforweiler berichtet: „Begeistert ist doch niemand davon, dass es nur noch 700 Stellen geben soll. Ich befürchte, dass die Ford-Werke in Saarlouis dann irgendwann komplett geschlossen werden. Außerdem weiß man nicht, wo die Leute nach der Entlassung hingehen sollen.“ Auch wisse man nicht, ob man woanders gut bezahlt werde – „und man möchte ja eine gleichwertige Arbeit finden“. Die 52-Jährige findet, dass es als Laie schwer einzuschätzen ist, wie man da am besten vorgehen könnte.

Jürgen Thiel findet die Entscheidung von Ford nicht gut. „Der US-Konzern macht ohnehin, was er möchte. Die Entscheidung, dass das Werk in Saarlouis keine Elektroautos produzieren wird, stand mit Sicherheit schon fest, und alles drumherum war nur Theater“, sagt der kaufmännische Angestellte. Es ginge um so viele Arbeitsplätze, das heißt niemand gut.

Harald Winter denkt an die Zulieferer, die zusätzlich ihre Stelle verlieren werden: „Es werden ja noch viel mehr Leute ihren Job verlieren. 700 Menschen, die in Saarlouis bei Ford bleiben dürfen, das ist nur ein Bruchteil. Man kann sich sowieso schon nicht mehr viel leisten, weil alles immer teurer wir.“

Cesarina Russello ist besonders betroffen, denn der Großteil ihrer Familie arbeitet bei Ford. „Mein Ehemann, mein Sohn, eine Cousine, mein Onkel und mehrere Cousins arbeiten in diesem Werk. Niemand weiß, wie deren Zukunft aussieht. Für die Rente ist mein Mann noch fünf Jahre zu jung und auch mein Sohn hat sich seine Zukunft anders vorgestellt“, sagt die 53-Jährige. Sie selbst würde sich wünschen, dass es weitergeht, denn Ford ist ein Stück Saarland für Russello aus Fraulautern. „Manchmal fühlt es sich an wie ein schlechter Traum, und für die Familie ist es auf jeden Fall eine seelische Belastung“, sagt die Verkäuferin zum Abschluss.

Christian Kummer findet, dass es ein genaues Konzept geben müsste: „Es ist alles so undurchsichtig. Man müsste wissen, was die Menschen erhalten, wenn sie entlassen werden, oder ihnen müsste ein neuer Arbeitsplatz mit demselben Gehalt zugewiesen werden. Ich denke da an die jungen Arbeitskräfte in meinem Alter, aber auch an die Älteren, für die es schwer sein wird, eine neue Stelle zu finden. Vor allem, wie soll entschieden werden, welche 700 Kräfte bleiben dürfen?“

 Harald Winter

Harald Winter

Foto: BeckerBredel
 Jürgen Thiel

Jürgen Thiel

Foto: BeckerBredel
 Cesarina Russello

Cesarina Russello

Foto: BeckerBredel
 Maria Becker

Maria Becker

Foto: BeckerBredel
 Iris Buschbacher-Hart

Iris Buschbacher-Hart

Foto: BeckerBredel

Der 26-jährige Student kennt einige, die bei Ford arbeiten. „Ein Freund hat sich vor zwei Jahren erst hochgearbeitet, und nun steht er vor dem Aus. Das bedrückt uns alle im Freundeskreis auch. Ford gehört nach Saarlouis und das ganz oder gar nicht“, erzählt der Schwalbacher.

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