Überlebenskampf in der NS-Zeit

Das Leben kann grausam sein und kurios. Diesen Eindruck vermittelt die Geschichte des 2014 verstorbenen Walter Löb, der mit viel Glück die NS-Zeit überlebte. Seine Autobiografie wurde nun bei Bock & Seip vorgestellt.

Die einen halfen ihm nicht, weil er Jude sei, den anderen war er zu katholisch. Denn mit katholischer Mutter und jüdischem Vater galt Walter Löb im Nationalsozialismus als ein sogenannter Halbjude. Die Autobiografie des 2014 verstorbenen NS-Opfers Walter Löb stellten Willi Porz und Reinhold Strobel vom Adolf-Bender-Zentrum am Dienstagabend rund 30 Zuhörern bei Bock & Seip vor. 1928 geboren, kam Löb 1934 mit Eltern und Geschwistern nach Saarlouis . Ein Jahr später folgte die Rückgliederung des Saargebietes ans Deutsche Reich. Damit begann die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung, ihre Unterdrückung und Verfolgung.

"Du Stinkjud, komm' mit!", schnauzten am 8. November 1938 SA-Männer. In der sogenannten Pogromnacht hatten sie gegen die Wohnungstür getreten. Sie zerrten den Vater von Walter Löb nach draußen und trieben ihn mit vielen anderen Juden zum Viehmarkt. "Schlagt sie tot!", "Hängt sie auf!", hätten die Schaulustigen dort geschrien. "Ich habe mich gefühlt wie unter Verrückten", erinnerte sich Walter Löb. Sein Vater und die anderen Juden seien wie Vieh mit Lkw nach Saarbrücken geschafft worden und von dort per Bahn ins KZ Dachau. Sein Vater tauchte überraschend wieder auf, nur um wenig später ins japanisch besetzte Shanghai zu flüchten. Nach dem Krieg sei sein Vater ein anderer Mensch gewesen.

Löb erlebte den Tod seines 18 Monate alten Bruders. Der sei an Lungenentzündung gestorben, weil ein deutscher Arzt nicht helfen wollte. Seine Schwester Marlies kam mit neun Jahren im hessischen Hadamar um. Dort wurden während der NS-Zeit etwa 15 000 Behinderte und psychisch Kranke ermordet.

In Metz entkam Löb 1943 der Gestapo nur mithilfe des französischen Widerstandes. Für den war er bis 1944 als Kurier unterwegs. In den letzten Kriegsmonaten wurde der drangsalierte und verfolgte Halbjude Löb sogar noch deutscher Soldat.

Nach dem Krieg war Walter Löb bei der Stadt Saarlouis beschäftigt. "Er fuhr dort die Kehrmaschine", wusste Hans Jörg Schu als ehemaliger Arbeitskollege.

Die Autobiografie hat Walter Löb kurz vor seinem Tod auf einem Schreibblock niedergeschrieben. Das sei unverändert abgedruckt worden, sagte Strobel. Das Büchlein ist bei Bock & Seip für 8,50 Euro erhältlich.